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Vorreiterrolle : Warum ein Rewe-Markt seinen Kunden abgelaufene Lebensmittel anbietet

In Bayern hatte es der Betreiber eines Rewe-Marktes satt, täglich große Mengen an abgelaufenen, aber noch genießbaren Lebensmitteln wegzuwerfen. Und so kam ihm eine Idee, die eine Gesetzeslücke ausnutzt und bei Kunden und im Netz auf sehr positive Resonanz stößt.

Rewe - abgelaufene Lebensmittel - Foodsharing - Mindeshaltbarkeitsdatum

Der Rewe-Markt aus dem bayerischen Bad Brückenau stellte seine Aktion unter das Motto "Zu gut für die Tonne"

Einer Studie der WWF (World Wide Fund For Nature) aus 2017 zufolge wandern pro Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll - allein in Deutschland. Und oft ohne wirklichen Grund: Denn selbst wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass ein Produkt nicht mehr verzehrt werden sollte.

Auch Sebastian Hauke, Betreiber eines Rewe-Markts im bayerischen Bad Brückenau, wollte nicht weiter akzeptieren, dass in den Müllcontainern seiner Filiale ständig Waren landeten, die eigentlich noch genießbar waren. Sie hätten Tränen in den Augen gehabt, "als wir gesehen haben, was alles in die Tonne fliegt", sagte Hauke dem sich nachhaltigem Konsum verschriebenen Online-Portal "Utopia". "Wir standen schon kurz vor der Entscheidung weitere Mülltonnen anzuschaffen, dann allerdings ist immer mehr die Idee des Food-Sharing entstanden“, führte er aus.

Rewe-Markt nutzt Gesetzeslücke aus

Gesagt, getan: Seit Mitte Januar steht in Haukes Markt ein Regal, in dem bereits abgelaufene, aber noch gute Lebensmittel gesammelt werden, die von den Kunden unbegrenzt und obendrauf kostenlos mitgenommen werden können. Möglich macht dies eine Gesetzeslücke. So ist es Supermärkten gesetzlich untersagt, Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu verkaufen. Die Ware zu verschenken, ist hingegen legal. 

Und genau so geht Hauke, der seine Aktion unter das Motto "Zu gut für die Tonne" stellte, dem Bericht zufolge auch vor. Demnach werden Lebensmittel drei Tage vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus dem Angebot genommen und zunächst einer Tafel angeboten. Die nämlich darf laut Gesetz keine Produkte verteilen, die schon abgelaufen sind. Alles, was die Tafel nicht an Bedürftige verteilen will, nimmt Haukes Rewe-Markt zurück und dort kommt es in das angesprochene Regal. 

Kunden nehmen Foodsharing-Aktion positiv auf

Davor, dass die Kunden seine Aktion ablehnen und sich einen anderes Geschäft suchen könnten, sorgte sich Hauke nicht. "Wir hatten keine Angst vor Kaufverzicht, eher Sorge darum, dass wir weiterhin so viel in die Tonne kloppen", sagte er "Utopia".

Im Netz stößt die Aktion jedenfalls fast ausschließlich auf positive Resonanz. So reichen die Kommentare unter einem Facebook-Post der Filiale von "großartig, weiter so" über "tolle Idee, finde ich sehr gut" bis hinzu "hoffentlich machen auch andere Läden mit". 


mod