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Frankreich: Freispruch für Notenbankchef Trichet

Damit dürfte die Vorentscheidung über die EZB-Präsidentschaft gefallen sein: Ein Pariser Strafgericht sah keine Schuld Trichets bei Bilanzfälschungen - Freispruch!

Ein Pariser Strafgericht hat den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet im Prozess um den Finanzskandal der Großbank Credit Lyonnais am Mittwoch freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe für den 60-Jährigen gefordert, weil er vor zehn Jahren als Direktor des staatlichen Schatzamts Bilanzfälschungen gedeckt haben soll.

Voraussetzung für EZB-Nachfolge

Der Freispruch gilt als Voraussetzung dafür, dass Trichet wie geplant die Nachfolge von Wim Duisenberg an der Spitze der Europäischen Zentralbank antreten kann. Der Kandidat Frankreichs wird unter anderem von Deutschland unterstützt. Mit Duisenbergs Rücktritt wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Vorwürfe immer bestritten

Der 60-Jährige stand wegen "Beihilfe bei der Veröffentlichung falscher Bilanzen und der Verbreitung falscher und irreführender Informationen" vor Gericht. Der Staatsanwaltschaft zufolge vertuschte die damals staatliche Credit Lyonnais für 1991, 1992 und das erste Halbjahr 1993 Milliardenverluste. Trichet hatte die Vorwürfe vor Gericht bestritten und erklärt, das von ihm geleitete Schatzamt habe angesichts der Risiken schon früh Alarm geschlagen.

CL-Chef verurteilt

Das Gericht sprach auch Trichets Vorgänger im Amt des Gouverneurs der Bank von Frankreich, Jacques de Larosiere, frei. Der damalige CL-Chef Jean-Yves Haberer wurde dagegen zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe und 50.000 Euro Geldbuße verurteilt.

Sanierung kostete 15 Milliarden

Das Kreditinstitut war vor allem durch seine Rolle beim Kauf der MGM-Studios und durch Immobiliengeschäfte in schwere finanzielle Schlagseite geraten. Doch noch für 1991 wies Credit Lyonnais einen Gewinn aus, für die beiden Folgejahre insgesamt einen Verlust von nur 1,3 Milliarden Euro. Die Sanierung des mittlerweile privatisierten Kreditinstituts kostete den französischen Steuerzahler insgesamt fast 15 Milliarden Euro.