Führungskrise IG Metall zieht Vorstandswahl vor


Zur Lösung der Führungskrise in der IG Metall will die Gewerkschaft Ende August auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag eine neue Spitze wählen.

Zur schnellen Lösung der Führungskrise in der IG Metall will die Gewerkschaft Ende August auf einem vorgezogenen Gewerkschaftstag eine neue Spitze wählen. Das teilte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel heute nach einer Sitzung der geschäftsführenden Vorstandsmitglieder in Frankfurt mit. Das Sondertreffen soll am 30. und 31. August voraussichtlich im Rhein-Main-Gebiet stattfinden.

"Damit ist der Weg frei, endlich die lähmende Blockade und unverständliche öffentliche Debatte auf sehr transparente und demokratische Weise zu beenden", sagte Zwickel. Die zehn Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes hätten dies als besten Weg für eine schnelle Lösung gesehen und dem Gesamtvorstand einstimmig eine entsprechende Empfehlung gegeben. Dieser soll am 23. Juli darüber entscheiden und einen Personalvorschlag machen.

Vorgezogene Wahl macht Rücktritte überflüssig

Zwickel ließ offen, ob sich die 41 Mitglieder des Vorstandes auf eine gemeinsame Wahlempfehlung einigen können. Im April hatte der Vorstand in Dresden nach langen Kontroversen Vize Jürgen Peters als Ersten und den baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber als Zweiten Vorsitzenden vorgeschlagen. Nach dem Rückzug von Huber gebe es diese Tandem-Lösung nicht mehr, sagte Zwickel. Sollte sich der Vorstand nicht auf einen neuen Personalvorschlag einigen können, werde es Kampfkandidaturen geben. Spekulationen über Namen lehnte Zwickel ab.

Mit der Lösung, die Wahlen des geschäftsführenden Vorstandes auf Ende August vorzuziehen, werden Rücktritte überflüssig gemacht. Bislang hatte sich der für Tarifpolitik zuständige IG-Metall-Vize Peters geweigert, persönliche Konsequenzen aus der Streikniederlage in Ostdeutschland zu ziehen. Daran war auch der erwogene Rücktritt des gesamten Vorstandes gescheitert.

Negative Debatte beenden

Zwickel warnte den Gesamtvorstand, den vorgeschlagenen Weg nicht mitzugehen. "Wer sich diesem einstimmigen Votum querstellt, macht deutlich, dass er weiter aus durchsichtigen machtpolitischen Interessen blockiert", sagte der Vorsitzende. Die lähmende und negative Debatte in und gegen die IG Metall über ihre zukünftige Politik und Führung müsse so schnell wie möglich beendet werden. Dies werde auch aus den Betrieben verlangt.

Ein außerordentlicher Gewerkschaftstag, wie es von einigen Bezirken und Betriebsräten verlangt worden war, hätte eine Reihe von Problemen aufgeworfen. Zum einen hätten für Neuwahlen Vorstandsmitglieder zurücktreten müssen, zum anderen hätten nur die Delegierten des letzten Gewerkschaftstages wählen dürfen. Nun werden die Delegierten des nächsten Gewerkschaftstages schon im August den Vorstand entlasten und die Amtszeit um wenige Wochen verkürzen. Der reguläre Gewerkschaftstag in Hannover vom 12. bis 18. Oktober wird dann um zwei Tage verkürzt. Er werde sich dann "auf inhaltliche Fragen konzentrieren können", sagte Zwickel.

Bislang kein Personalvorschlag

Die Gewerkschaftsbasis nahm den Vorschlag für die vorgezogenen Neuwahlen überwiegend positiv auf. Kritisierte dagegen jedoch das Fehlen eines Personalvorschlages. Ohne diesen sei ein vorgezogener Gewerkschaftstag „völliger Blödsinn, der die Spaltung der Organisation nur vertieft“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Klaus Volkert in der Dienstagsausgabe des Berliner „Tagesspiegel“.

Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer rechnet mit einem Gegenkandidaten zu Peters, wollte im Bayerischen Rundfunk jedoch keine Namen nennen. Eigene Ambitionen auf den Bundesvorsitz verneinte er. Auch der als Zwickel-Nachfolger gehandelte BMW-Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch lehnte eine Kandidatur ab.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker