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Mannesmann-Prozess: Ackermanns großer Auftritt vor Gericht

Freundlich, milde und fast belustigt wirkte der Chef der Deutschen Bank, als er heute vor Gericht aussagte. Josef Ackermann hielt sich nicht mit rechtlichen Details auf. Seine Stellungnahme wurde zur Abrechnung mit den Staatsanwälten, zum Plädoyer.

Im Prozess um die Millionen-Abfindungen bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone haben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel den Vorwurf der Untreue kategorisch zurückgewiesen.

"Ich bin überzeugt, dass ich mich richtig verhalten und zumindest nicht strafbar gemacht habe", sagte Ackermann heute bei seiner etwa 30-minütigen Aussage im Düsseldorfer Landgericht. Der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser und dessen Team hätten eine außerordentliche Zahlung für eine außerordentliche Leistung erhalten, sagte er mit Blick auf die Beträge in Millionenhöhe, die im Zusammenhang mit der Übernahme des Düsseldorfer Traditionsunternehmens durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone vor vier Jahren geflossen waren. Auch Zwickel wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück: "Nach 50 Jahren Arbeit habe ich mir vieles vorstellen können, aber niemals, dass ich einmal in einem Strafverfahren unter dem Vorwurf der Veruntreuung angeklagt sein könnte."

Die Staatsanwaltschaft sieht die Zahlungen an frühere Mannesmann-Manager als ungerechtfertigt und überzogen an und wirft Ackermann sowie den anderen fünf Angeklagten Untreue oder Beihilfe dazu vor. Für schwere Untreue ist eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren möglich. Die Mannesmann-Führung hatte sich lange gegen die bis dahin größte Übernahme der Industriegeschichte gewehrt, stimmte dann aber Anfang 2000 doch zu. Ackermann, Zwickel und Funk saßen damals im Präsidium des Aufsichtsrates an, das über die Prämien befunden hatte. Ackermann und Zwickel selbst hatten keine Prämien erhalten. Der Prozess wird auch im Ausland stark beachtet. Industrieexperten gehen aber nicht davon aus, dass das Verfahren wesentlichen Einfluss auf das Ansehen Deutschlands bei ausländischen Investoren hat.

Ackermann: Haben schnell und leistungsgerecht entschieden

Der 55-jährige Ackermann beteuerte: "Wir haben vernünftige unternehmerische Entscheidungen getroffen, wir haben keine Formfehler begangen und nichts überstürzt oder verheimlicht." Der Schweizer suchte alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu entkräften. Von den ursprünglichen Vorwürfen, der damalige Mannesmann-Chef Esser sei käuflich gewesen und habe der Übernahme zugestimmt, um sich zu bereichern, sei nichts übrig geblieben. Die Kammer wirft Esser keine Käuflichkeit vor und schwächte damit die Anklage bereits im Vorfeld ab.

Das Unternehmensinteresse sei durch die Zahlungen nicht geschädigt worden, sagte Ackermann. Es sei Esser gelungen, den Börsenwert von Mannesmann zwischen 1994 bis 1999 von 7,5 auf 75 Milliarden Euro zu steigern. Zuletzt sei das Unternehmen mit rund 160 Milliarden Euro an der Börse bewertet worden. Beziehe man Essers Prämie auf den Börsenwert, so betrage sie nur 0,01 Prozent dieses Wertes. "Hätten wir Esser sagen sollen: 'Der Mohr kann gehen, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan'", fragte Ackermann. Mannesmann sei von einem ehemaligen Montanunternehmen in einen leistungsfähigen Mischkonzern mit einer sehr erfolgreichen Telekommunikationssparte umgebaut worden. Mit Blick auf Vorwürfe, es sei während der Übernahmeschlacht zu Formfehlern gekommen, sagte Ackermann, Entscheidungen würden in der Wirtschaft schneller als in der Verwaltung getroffen. So habe die Übernahme drei Monate gedauert, während das Ermittlungsverfahren sich über drei Jahre hingezogen habe. Der Aufsichtsrat habe schnell, sicher und genau entschieden.

Zwickel: Alle Beschlüsse waren rechtens

Der ehemalige Aufsichtsratschef Joachim Funk und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Zwickel betonten ebenfalls, sie hätten sich im Zusammenhang mit den von ihnen mit genehmigten Abfindungen und Pensionszahlungen korrekt verhalten und wiesen alle Vorwürfe zurück. Der 64-Jährige Zwickel wiederholte, aus seiner Sicht sei sein Abstimmungsverhalten im Präsidium des Aufsichtsrates einwandfrei gewesen, und alle Beschlüsse seien korrekt gefasst worden. "Ich habe mich bei allen Beschlüssen enthalten. Ich gehe unverändert davon aus, dass alle Beschlüsse rechtmäßig gefasst wurden", sagte Zwickel. Er sei an keinem Tatplan beteiligt gewesen, wie ihn die Anklage konstruiere.

Auch Funk wies alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als unberechtigt zurück. "Eine feindliche Übernahme ist kein von Muße geprägter Spaziergang durch einen Park." Die Situation bei der Mannesmann-Übernahme habe eher einem Schlachtfeld geglichen, und die Düsseldorfer Konzern-Zentrale habe sich im Belagerungszustand befunden.

Allein Esser hatte einschließlich Pensionszahlungen seinerzeit ein Paket von gut 30 Millionen Euro erhalten. Esser hatte am Mittwoch erneut betont, er habe sich sehr korrekt verhalten und strebe keinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens an. Für seine erste Stellungnahme vor Gericht hat sich Esser etwa fünf Stunden Redezeit erbeten.