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Gas-Streit: Schröder nimmt Russland in Schutz

Schwere Zeiten für Moskau-Sympathisanten: Russland will diesen Freitag seine Gaslieferungen nach Europa zwar wieder aufnehmen, doch noch frieren hunderttausende Menschen auf dem Balkan. Allerorten werden Zweifel an der Verlässlichkeit Russlands laut - nicht so bei Altkanzler Gerhard Schröder.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) lässt nichts auf seinen Arbeitgeber kommen. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung verteidigt der Aufsichtsratschef des Ostseepipeline-Konsortiums, das zu 51 Prozent dem russischen Energieriesen Gazprom gehört, Moskaus Sicht des Gaspreis-Streits mit der Ukraine. "Die russische Seite hat ein Kompromissangebot gemacht, das deutlich unter dem liegt, was am Weltmarkt gezahlt werden muss", so Schröder. Er hoffe, dass man sich "auf dieser Basis" rasch einige.

Tatsächlich hat sich die Europäische Union nach eigenen Angaben mittlerweile mit Russland und der Ukraine auf Einzelheiten einer Beobachtermission zur Überprüfung des Gastransfers verständigt. Russland will noch am Freitag seine Gaslieferungen über die Ukraine nach Westeuropa wieder aufnehmen. Nach Angaben des Chefs des russischen Staatsmonopolisten Gazprom, Alexej Miller, muss zuvor allerdings noch ein Vertrag über die Arbeit der Beobachter unterzeichnet werden. Auch die Ukraine hat ihre Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme des Gasexports in Richtung Westen signalisiert.

Das dürfte vor allem jenes Dutzend europäischer Staaten freuen, das nach wie vor von russischem Gas weitgehend abgeschnitten ist. Sehr schwierig ist die Lage in Südosteuropa, da hier viele Staaten fast zu 100 Prozent von den Gaslieferungen abhängig sind. In Serbien und Bulgarien frieren Hunderttausende in ihren Wohnungen. Viele Schulen und Kindergärten sind geschlossen.

Bei vielen Europäern sind die Zweifel an der Sicherheit der europäischen Gasversorgung durch Russland seit dem Neujahrstag erheblich gewachsen - außer bei Schröder. "Ich habe keinen Zweifel an der Verlässlichkeit des russischen Partners", erklärt er der Boulevardzeitung. Im "Handelsblatt" räumt er jedoch ein, es dürfe nicht sein, "dass Kunden in Europa unter diesem Streit leiden".

Um künftig mehr Versorgungssicherheit zu gewinnen, wirbt Schröder in der "Bild" für mehr Energieeffizienz, den Ausbau regenerativer Energiequellen und den von ihm beaufsichtigten Bau der Ostseepipeline. Schröder: "Wer mehr Versorgungssicherheit will, muss Leitungen bauen, die unabhängig von staatlicher Einflussnahme sind. Die Ostseepipeline […] ist dafür ein gutes Beispiel".

chs