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Gasprom: Russland zwingt Shell in die Knie

Shell wird wohl die Kontrolle über eines der größten Energieprojekte der Welt an den russischen Erdgasmonopolisten Gasprom abtreten. Ein Beweis, mit wie viel Macht Russland die Kontrolle über seine Energiewirtschaft zurückgewinnen will.

Nach Informationen der Financial Times haben der niederländisch-britische Energiekonzern Shell und seine zwei japanischen Partner Gasprom angeboten, die Mehrheit am Unternehmen Sachalin Energy auf der russischen Insel Sachalin zu übernehmen.

Russlands Umweltminister machte Druck

Um das Projekt mit dem Namen Sachalin 2 schwelt seit Jahren ein Konflikt. Zuletzt hatte vor allem das russische Umweltministerium Druck auf Shell ausgeübt - und dem Konzern immer wieder vorgeworfen, gegen russische Umweltschutzgesetze zu verstoßen. Unter Führung von Shell entsteht auf Sachalin derzeit die weltweit größte Anlage zur Verflüssigung von Erdgas. Das Gas soll von 2008 an nach Asien und in die USA exportiert werden. Shell hält bislang 55 Prozent an Sachalin Energy, die japanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi besitzen 25 und 20 Prozent. Sachalin Energy soll auch Erdöl fördern und exportieren.

Wie es aus informierten Kreisen hieß, würde das Konsortium für seine Anteile von Gasprom vor allem Bares erhalten. Shell sei bereit, seinen Anteil auf 25 Prozent zu reduzieren. Mitsui und Mitsubishi würden je zehn Prozent verkaufen. Gasprom würde demnach 50 Prozent plus eine Aktie an Sachalin Energy halten. "Das wäre für Gasprom ein großer Durchbruch", sagte Jeffrey Woodruff, Analyst bei Fitch Ratings in Moskau. Shell-Chef Jeroen van der Veer habe am Freitag in Moskau mit Gasprom-Chef Alexej Miller gesprochen, wollte ein Shell-Sprecher in Den Haag lediglich bestätigen. Bei Gasprom hieß es, der staatlich kontrollierte Konzern habe "noch keine Entscheidung zu den Vorschlägen getroffen".

Gasprom will asiatischen Markt erschließen

Sachalin 2 geht zurück auf einen Vertrag aus den 90er-Jahren. Damals brauchte Russland Investitionen ausländischer Konzerne dringender als heute. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass das von Shell geführte Konsortium erst dann Fördergebühren an Russland zahlt, wenn die Investitionen wieder eingespielt sind. 2005 kündigte Shell indes an, dass sich die ursprünglich geplanten Kosten von rund 10 Mrd. Dollar auf 22 Mrd. Dollar mehr als verdoppeln würden.

Gasprom strebt eine Beteiligung an Sachalin 2 an, weil das Projekt den Auftakt zur Erschließung des asiatischen Marktes mit russischem Erdgas bildet. 2005 hatten sich Gasprom und Shell bereits fast auf einen Tausch geeinigt. Für einen Anteil an Sachalin 2 sollte Shell am westsibirischen Erdgasfeld Sapoljarnoje beteiligt werden. Gasprom ließ die Gespräche platzen, nachdem Shell die erhöhten Kosten angekündigt hatte.

Von Olaf Preuss (Hamburg) und Arkady Ostrovsky (Moskau) / FTD