HOME

Geschäftsklima-Index: Stimmung wieder so gut wie vor der Krise

Nach der Krise ist vor der Krise: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November überraschend kräftig auf 93,9 Punkte. Damit ist die Stimmung in der Wirtschaft so gut wie vor Ausbruch der weltweiten Rezession im Spätsommer 2008. Auch das Bruttoinlandsprodukt nahm deutlich zu.

Investitionen und Exporte haben die deutsche Wirtschaft nach der schwersten Rezession der Nachkriegzeit wieder in Schwung gebracht. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Dienstag in Wiesbaden die bereits Mitte November veröffentlichten vorläufigen Zahlen, wonach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen ist. Der leichte Aufwärtstrend aus dem zweiten Vierteljahr mit damals plus 0,4 Prozent scheine sich fortzusetzen, erklärte die Behörde.

Gestützt wurde die Entwicklung laut Bundesamt von den Investitionen: In Bauten sei um 1,5 Prozent mehr investiert worden als im Vorquartal, in Ausrüstungen um 0,8 Prozent. Positive Impulse seien zudem von den Warenexporten gekommen, die um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen seien.

Allerdings seien gleichzeitig auch die Warenimporte wieder gestiegen, und das mit 6,5 Prozent stärker als die Ausfuhren, erklärte die Behörde. Der daraus resultierende Außenbeitrag habe das Wirtschaftswachstum gebremst. Durch den gleichzeitigen Aufbau von Lagerbeständen sei dieser Effekt jedoch mehr als kompensiert worden.

Steigflug nach dem Absturz

Wie stark die deutsche Wirtschaft nach wie vor unter den Folgen der Krise leidet, zeigt allerdings der Jahresvergleich. Gegenüber dem dritten Quartal 2008 verringerte sich das BIP deutlich um 4,7 Prozent. Es fiel damit aber etwas geringer aus als im zweiten Vierteljahr. Damals war die deutsche Wirtschaft binnen Jahresfrist noch um sieben Prozent geschrumpft.

Dennoch ist die Stimmung in den deutschen Betrieben wieder so gut wie vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Spätsommer 2008: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg zum achten Mal in Folge und liegt nun bei 93,9 Punkte. Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten sowohl ihre Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate als auch ihre aktuelle Lage besser als im Oktober, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte.

Getrübte Stimmung im Baugewerbe

"Die positiven und die negativen Erwartungen halten sich nun die Waage", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die deutsche Wirtschaft arbeite sich weiter aus der Krise. Bei den Industrieunternehmen seien die Personalplanungen etwas weniger auf Entlassungen ausgerichtet als bislang. So schätzten die Firmen ihre Exportchancen und damit auch ihre Geschäftsperspektiven für die kommenden Monate erneut positiver ein. Auch die aktuelle Geschäftssituation werde von den Industriefirmen deutlich besser bewertet als noch im Oktober, erklärte Sinn.

Die Einzelhändler bewerteten ihre augenblickliche Geschäftlage günstiger, die Großhändler stuften ihre Geschäftssituation im November im Vergleich zum Vormonat nahezu unverändert ein. Im Baugewerbe dagegen trübte sich die Stimmung ein. Zwar sahen die Firmen ihre aktuelle Lage ähnlich wie im Oktober, die weitere Entwicklung schätzen sie laut Ifo aber merklich zurückhaltender ein.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters