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Gewinneinbruch und Absatzflaute: Daimler will Sparprogramm verschärfen

Daimler kämpft gegen die Krise: Nach Informationen von stern.de will der Stuttgarter Autobauer die Arbeitszeit der Mitarbeiter deutlich reduzieren. Beim Personal sollen weltweit zwei Milliarden Euro eingespart werden. Grund: Der Gewinn des Autoherstellers war im Februar um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler plant ein deutlich massiveres Sparprogramm, als bislang bekannt war. Bereits von diesem Monat an sind 68.000 der 167.000 Daimler-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Nach stern.de-Informationen soll darüber hinaus die Arbeitszeit in der Produktion von 35 Stunden auf 30 Stunden pro Woche gesenkt werden. In der Verwaltung sollen die Angestellten demnächst 40 statt 35 Stunden arbeiten, hieß es auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung, auf der Vorstandschef Dieter Zetsche sich zu den Sparplänen äußerte.

Grund für die radikalen Maßnahmen: Der Gewinn ist massiv eingebrochen. Im Februar sank er der Konzernleitung zufolge um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Noch gebe es keine endgültigen Beschlüsse zum Sparprogramm, sagte Zetsche. Es müsse noch mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Er kündigte jedoch grundlegende Sparmaßnahmen an. "Es gibt keine heiligen Kühe mehr", so Zetsche.

Und die Mitarbeiter müssen eine weitere Kröte schlucken: Die Ergebnisbeteiligung für 2008 wird nicht ausgezahlt. Das spare weltweit 300 Millionen Euro ein, so die Konzernleitung.

Zur Disposition stehen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge auch übertarifliche Zahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Prämienzahlungen. Um Entlassungen soll es dagegen nach DPA-Informationen nicht gehen. Auch der Beschäftigungssicherungsvertrag, der bis Ende 2011 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, wackelt dem Vernehmen nach nicht. Laut "Stuttgarter Nachrichten" gelte dieser jedoch nur für die Beschäftigten, die bereits im Juli 2004 bei Daimler angestellt waren.

Die Kurzarbeit soll bis ins zweite Halbjahr verlängert und die für Mai geplante Tariferhöhung um 2,1 Prozent verschoben werden, heißt es bein den "Stuttgarter Nachrichten". Eine Verschiebung um bis zu sieben Monate, die der Tarifvertrag für angeschlagene Firmen erlaubt, hatte der Betriebsrat noch im Februar kategorisch abgelehnt. In Bereichen wie der Forschung und Entwicklung, in denen keine Kurzarbeit möglich ist, sei eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich geplant, hieß es in dem Bericht.

"Jahrhundertkrise" lässt Daimler-Absatz einbrechen

Zetsche hatte in der vergangenen Woche in Berlin auf einem IG-Metall-Kongress von einer "Jahrhundertkrise" gesprochen, die nur gemeinsam gemeistert werden könne. In den deutschen Pkw-Werken sind derzeit von den insgesamt 160.000 Mitarbeitern mehr als 50.000 in Kurzarbeit. Von Ostern an soll auch für den Nutzfahrzeugbereich nach und nach Kurzarbeit eingeführt werden, betroffen sind hier rund 18.000 Beschäftigte.

Der Pkw-Absatz bei Daimler ist seit Monaten auf Talfahrt. Für das laufende Jahr hatte Zetsche bereits angekündigt, Absatz, Umsatz und Ergebnis würden rückläufig sein. Für das erste Quartal rechnet der Konzernlenker sogar mit roten Zahlen.

hil/Reuters/DPA / DPA / Reuters