Bei der Traditions-Gießerei Bögra in Solingen werden die Öfen mehrere Tage abgestellt, um Energie zu sparen. Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit, die Manager drohen mit Abwanderung.
STORY: Die steigenden Energiekosten sorgen bei verbrauchsintensiven Unternehmen in Deutschland zunehmend für Verunsicherung. Eine dieser Firmen ist die BÖGRA Technologie GmbH, die in nordrhein-westfälischen Solingen Metallbauteile primär für die Automobilindustrie herstellt. Der mittelständische Betrieb rechnet mit bis zu sechsfach höheren Energiekosten ab Oktober, sagt Geschäftsführer Tobias Linser. Das wolle man zunächst mit Blockfertigung und Kurzarbeit auffangen. Wenn das nicht reiche, werde die Produktion wohl ins Ausland verlagert. "Momentan kooperieren wir schon teilweise mit einer verlängerten Werkbank in Tschechien und haben auch strategische Kooperationen mit einem indischen Unternehmen. Wenn wir bis Ende des Jahres sehen würden, dass es nicht zu einer signifikanten Verbesserung kommt, beziehungsweise auch zu einer, aus unserer Sicht, extrem notwendigen Energiepreisdeckelung, würden wir mit der Umlagerung der Fertigung beginnen." Die kürzlich vorgestellten Hilfen des dritten Entlastungspaketes kämen bei klassischen Mittelständlern wie seinem Unternehmen nicht an, sagt Linser: „Wir fühlen uns also an der Stelle auch ein Stück weit nicht gesehen und gehört, muss man ganz ehrlich sagen und hoffen darauf, dass es zu einer, wie bei unseren europäischen Nachbarn auch, einer Gas- beziehungsweise Energiepreisdeckelung kommen wird. Denn nur das kann zu einer Gleichbehandlung führen und auch zu einer Planungssicherheit, die uns als Mittelständler dazu bewegen würde, weiterhin hier an dem Standort zu produzieren." Wirtschaftsverbände warnen angesichts explodierender Energiekosten vor einer Pleitewelle in Deutschland. In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Industrieverbandes BDI hieß es, für 58 Prozent der Betriebe sei die aktuelle Lage eine starke Herausforderung, für 34 Prozent gehe es um die Existenz. Fast jedes zehnte Unternehmen habe die Produktion schon gedrosselt oder sogar unterbrochen, heißt es in dem Bericht. Fast jede vierte Firma denke darüber nach oder sei bereits dabei, Unternehmensanteile oder Teile der Produktion sowie Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.
STORY: Erfreuliche Meldungen vom deutschen Arbeitsmarkt. Trotz des Ukraine-Kriegs und Lieferengpässen hat dieser im Mai weiter Rückenwind. Die Zahl der Arbeitslosen ging zum Vormonat um 50.000 auf 2,26 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit, abgekürzt BA, am Dienstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,9 Prozent und damit erstmals seit Dezember 2019 wieder unter die Fünf-Prozent-Marke. BA-Chef Detlef Scheele am Dienstag in Nürnberg: „Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist weiterhin günstig. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind erneut auch im Mai gesunken. Die Beschäftigung nimmt weiter zu. Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften bewegt sich weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die Entwicklung der kommenden Monate ist hier nach wie vor mit hohen Unsicherheiten verbunden. Der russische Krieg gegen die Ukraine und die Lieferengpässe belasten die Aussichten. Auf der anderen Seite profitieren Handel und Dienstleistungen vom Ende der coronabedingten Einschränkungen.“ Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD äußerte sich am Dienstag in Berlin extrem zufrieden. Denn vor dem Hintergrund einer allgemein schwierigen Wirtschaftssituation seien das durchaus positive Nachrichten: "All das zeigt: Die Schutzmaßnahmen, die wir für den Arbeitsmarkt ergriffen haben, waren und sind erfolgreich. Es mag einige geben, die jetzt sogar von einem deutschen Wunder am Arbeitsmarkt sprechen oder schreiben werden. Ich sage: Das ist kein Wunder, sondern das ist das Ergebnis von harter Arbeit. Auch vom Instrument der Kurzarbeit. Der Weg war und ist richtig. Und das ist jetzt besonders von Bedeutung, weil, wenn man sich vorstellt, wir hätten jetzt eine Kombination aus hoher Massenarbeitslosigkeit und Inflation, wir uns alle vorstellen können, das wäre soziales Gift für Deutschland. Das heißt, der robuste und starke Arbeitsmarkt ist die gute Nachricht in dieser schwierigen Zeit." Denn die Bundesagentur für Arbeit hat auch gemeldet, dass die Inanspruchnahme von konjunktureller Kurzarbeit zuletzt zurückgegangen sei. Im März 2022 waren nach vorläufigen Angaben nur 1,6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in konjunktureller Kurzarbeit, nach 2,3 Prozent im Vormonat und 8,4 Prozent im Vorjahr. Im April 2020, dem Monat mit der höchsten Inanspruchnahme in der Corona-Pandemie, lag die Quote bei der Kurzarbeit bei sage und schreibe 17,9 Prozent, also fast dem zehnfachen Wert im Vergleich zur aktuellen Situation.
Der Chip-Mangel bereitet VW massive Probleme. Tausende Mitarbeiter sind noch immer in Kurzarbeit, der Pkw-Absatz brach stark ein. Dem VW-Werk droht jetzt die schwächste Produktion seit dem Jahr 1958.
Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich im Juli deutlich besser entwickelt als für diesen Ferienmonat sonst üblich. Die Zahl der Arbeitslosen ging von Juni auf Juli um 24.000 auf 2,59 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte. Deren Chef Detlef Scheele sagte in Nürnberg: "Normalerweise führt das Ende des Ausbildungsjahres vermehrt Jugendliche in die Arbeitslosigkeit, bevor sie dann übernommen werden oder eine Anschlussbeschäftigung finden. Einstellungen werden bis nach den Sommerferien aufgeschoben und auch Bildungsträger haben Betriebsurlaub." Doch dieser saisonale Effekt wurde von der nach den Corona-Lockerungen einsetzenden stärkeren Belebung des Arbeitsmarktes mehr als wettgemacht. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,6 Prozent. "Das Wachstum der Beschäftigung hält an und die Unternehmen suchen vermehrt nach neuem Personal. Die Folgen der Corona-Krise zeigen sich zwar immer noch auf dem Arbeitsmarkt, aber vor allem bei der Arbeitslosigkeit und bei der Arbeitskräftenachfrage wird die Situation von Monat zu Monat zurzeit besser." Die Arbeitslosenzahl wird allerdings durch Kurzarbeit verringert. Im Mai gab es nach ersten Berechnungen der BA rund 2,23 Millionen Kurzarbeitende.