HOME

Autokrise: Kurzarbeit bei VW und BMW

Zehntausende Beschäftigte in der Autobranche müssen sich auf Kurzarbeit einstellen. Sowohl VW als auch BMW haben Kurzarbeit angekündigt, um die Produktion angesichts stark nachlassender Nachfrage zu drosseln. Auch Nutzfahrzeughersteller M.A.N. schickte tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Krise der Branche wird immer dramatischer.

Die Fahrzeughersteller VW, BMW und M.A.N. schicken wegen der schlechten Auftragslage zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit. Volkswagen beschränkt nach eigenen Angaben die verkürzte Arbeitszeit für 60.000 Beschäftigte im Februar vorerst auf fünf Tage. Bei BMW sollen im Februar und März durch den Schritt rund 38.000 Fahrzeuge weniger gebaut werden als ursprünglich geplant, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Betroffen sind 26.000 Mitarbeiter in den Werken Dingolfing, Regensburg, Landshut und Berlin. Keine Kürzungen soll es dagegen im Werk München, in Leipzig und an den ausländischen Standorten geben. Der Nutzfahrzeughersteller M.A.N. vereinbarte für die Standorte München, Nürnberg und Salzgitter Kurzarbeit, davon sind 9400 Mitarbeiter betroffen. Seit Mitte Dezember gilt zudem für das Werk im österreichischen Steyr Kurzarbeit.

VW teilte am am Dienstag in Wolfsburg mit, dass vom 23. bis 27. Februar die Arbeit in vielen Bereichen ruhen soll. Ausgenommen seien lediglich Forschung und Entwicklung sowie Teile der Komponentenwerke. Die Kapazität werde "maßvoll der Nachfrage" angepasst, erklärte Personalleiter Jochen Schumm. Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, die Überstundenkonten seien "weitestgehend abgebaut". Die betroffenen VW-Arbeiter müssten keine Nachteile hinnehmen, weil VW das Kurzarbeitergeld "weitgehend" aufstocke. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte Mitte Dezember einen dramatischen Einbruch der Autokonjunktur vorausgesagt. Der VW-Konzern werde sich 2009 auf ein Minus von 10 bis 12 Prozent einstellen müssen, hatte er seinerzeit gesagt.

Bei BMW ist die Vereinbarung mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit schon unter Dach und Fach. "Wir reden aber nur über einzelne Tage und Schichten, die ausfallen", sagte der neue Personalvorstand Harald Krüger der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Weniger gebaut werden sollen vor allem Modelle der 3er- und 5er-Reihe, die im vergangenen Jahr teils drastische Absatzeinbußen hatten. "Die Marktsituation hat sich im vierten Quartal noch einmal verschärft, besonders auf wichtigen Märkten wie den USA oder Japan", sagte Krüger. Ab April soll die Produktion dann wieder normal laufen.

Bayerns IG Metall zeigte angesichts der Krise in der Automobilwirtschaft Verständnis für den Schritt. Man begrüße die weitgehende Sicherung der Reallöhne für die Beschäftigten, erklärte IG-Metall-Landesbezirkschef Werner Neugebauer. Allerdings seien wachsende Probleme bei den Autozulieferern zu befürchten. Diese seien mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 250 Beschäftigten oft nicht in der Lage, über die Arbeitszeitkonten, Abbau von Überstunden und ähnliche Instrumente so flexibel zu reagieren wie ein Großunternehmen.

Die Auswirkungen für die Beschäftigen sollen sich bei BMW in Grenzen halten. Nach Angaben des Unternehmens ist vorgesehen, ihnen mindestens 93 Prozent ihres durchschnittlichen Nettoeinkommens zu zahlen, selbst wenn die Arbeitszeit unter dieses Niveau sinkt. Für die betroffenen Beschäftigten bei M.A.N. gelten die tariflichen Bestimmungen. Mitarbeiter ohne Kinder erhalten demnach in Zeiten von Kurzarbeit 60 Prozent ihrer Nettoeinkommen und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent ihrer Nettoeinkommen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Zur Höhe der Einsparungen durch die zusätzlichen Kürzungen machte BMW-Personalvorstand Krüger noch keine Angaben. Weitere Stellenstreichungen wie im vergangenen Jahr sind aber kein Thema. "Die sind dank einer Vereinbarung, die die IG Metall und der Betriebsrat mit dem Unternehmen abgeschlossen hat, bis zum Jahr 2014 ausgeschlossen", betonte Neugebauer.

Auch Finanzkrise macht Autobauern zu schaffen

Neben der Absatzschwäche macht BMW auch die Finanzkrise zu schaffen. Wie andere Autohersteller auch hat der Konzern vor allem Probleme bei der Refinanzierung von Autokrediten, da auf dem Kapitalmarkt immer schwieriger Geld aufzutreiben ist. BMW hatte zuletzt nach eigenen Angaben einen jährlichen Refinanzierungsbedarf von 20 bis 25 Milliarden Euro. Ein Antrag auf eine Staatsbürgschaft zur laufenden Refinanzierung der Auto-Kredite wird derzeit geprüft. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Dienstag, in dieser Frage sei aber noch keine Entscheidung gefallen.

M.A.N. hatte nach einem Auftragseinbruch im dritten Quartal 2008 bereits Produktionskürzungen über Schließtage angekündigt. Mit den Einschnitten wollte M.A.N.-Chef Hakan Samuelsson die Kosten in diesem Jahr um rund 30 Prozent drücken. Der Unternehmenssprecher erklärte, der allgemeinen Marktentwicklung könne sich auch M.A.N. nicht entziehen. Die Arbeitsagenturen hätten die entsprechenden Genehmigungen für die Kurzarbeit erteilt. Die Schließtage sollen über das erste Halbjahr verteilt werden. Dabei seien auch verlängerte Wochenenden und Schließtage rund um Feiertage wie zu Pfingsten geplant, sagte der Unternehmenssprecher.

DPA/AP / AP / DPA