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Wirtschaftskrise: Siemens weitet Kurzarbeit drastisch aus

Um die Wirtschaftskrise abzufedern, will Siemens bis zum Sommer weitere 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Und Siemens ist bei weitem nicht der einzige betroffene Konzern: Zwischen November und März haben rund 62.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, die Kosten hierfür explodieren.

Mit einer drastischen Ausweitung der Kurzarbeit will Siemens die Krise abfedern. Bis zum Sommer will der Konzern nochmal 7000 Angestellte in Kurzarbeit schicken. Insgesamt haben in den vier Monaten von November bis März rund 62.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, allein im März liegen die Kosten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 173 Millionen Euro.

"Derzeit haben wir 12.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit und gehen davon aus, dass die Zahl bis Juni auf 19.000 steigen kann", so Siegfried Russwurm, Personalvorstand von Siemens, gegenüber der "Bild"-Zeitung. Eine gleichzeitige Prognose für die Zeit danach wagt er nicht: "Wie es weitergeht, kann ich derzeit nicht vorhersagen."

Im März sind die ersten Siemens-Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen, Ende März waren es bereits 7000. "Die Geschwindigkeit der Beschäftigungseinbrüche ist dramatisch", schlug der Gesamtbetriebsrat Alarm und forderte eine Debatte über die Arbeitszeiten. Außerdem müssten die Arbeitsplätze und Standorte erhalten werden.

Besonders von der neuen Wirtschaftskrise betroffen soll die Industriesparte mit der Industrieautomatisierung und dem Leuchtenhersteller Osram sein, also die Standorte in Bayern. Die Bereiche Energie und Medizintechnik sind nach Angaben von Russwurm noch gut ausgelastet. Ob kurzgearbeitet werden müsse oder nicht, würden die einzelnen Standorte je nach Auftragslage entscheiden.

Gerade wegen der Kurzarbeit sollen die Arbeitsplätze bei Siemens zumindest für das laufende Geschäftsjahr gesichert sein. Bis Ende September werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, so der Personalvorstand. "Das Instrument der Kurzarbeit hilft uns sehr in der Krise." Für das kommende Jahr will Russwurm dennoch keine Arbeitsplatz-Garantie abgeben: "2010 hängt es von der Auftragslage ab. Der Kunde entscheidet."

Zuletzt hatte Siemens einen deutlich gesunkenen Auftragseingang gemeldet. Vorstandschef Peter Löscher deutete einen Abschied von den ambitionierten Gewinnzielen des Konzerns für das laufende Geschäftsjahr an. Bisher wurde ein operativer Gewinn zwischen acht und 8,5 Milliarden Euro angestrebt. Der Betriebsrat hat den Vorstand jedoch aufgefordert, die Ziele "auf ein realistisches Niveau" zu korrigieren.

Unterdessen hat die Bundesagentur für Arbeit bekannt gegeben, dass die Kosten für die Kurzarbeit allein im März bei 173 Millionen Euro gelegen haben. Das heißt, seit Jahresbeginn summieren sich die Ausgaben auf 260 Millionen Euro.

DPA/AP / AP / DPA