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Vollzeit, Teilzeit & Co.: Das Arbeitsverhältnis

Natürlich ist jeder froh, in Krisenzeiten eine Beschäftigung zu haben. Doch was bedeutet das für den Einzelnen? Arbeitsverhältnisse sind so unterschiedlich wie zahlreich. Für etwas Ordnung sorgen das Arbeitsrecht, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Diese Vorschriften regeln das Zustandekommen, die Ausgestaltung und die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Wir sagen Ihnen, welche Rechte Sie als Arbeitnehmer haben.

Festangestellt, befristet, Mini-Job, Aushilfe oder Kurzarbeit? Die Zeiten, in denen eine Festanstellung selbstverständlich war, sind schon lange vorbei. Nun gilt es, das Beste aus Ihrem Arbeitsverhältnis zu machen.

Wann gilt ein Mitarbeiter als Arbeitnehmer?

Eine der wichtigsten Fragen, die sich ein Arbeitgeber bei der Beschäftigung seiner Mitarbeiter stellt, ist die nach der Sozialversicherungspflicht. Muss er für Sie Abgaben zahlen oder nicht? Doch meist entscheiden die Krankenkassen bzw. die Rentenversicherung, ob eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vorliegt. Das kann dann der Fall sein, wenn Sie weder befristet noch unbefristet für ein einziges Unternehmen arbeiten. In diesem Fall läge eine Scheinselbständigkeit vor. Auf den Arbeitnehmer würden dann höhere Beiträge zukommen.

Für die Feststellung der Sozialversicherungspflicht gibt es zwei Anhaltspunkte: Der Arbeitnehmer muss weisungsgebunden und in die Arbeitsorganisation des Arbeitgebers eingebunden sein. Wenn die Sozialversicherungsträger einen Arbeitnehmer dann als Scheinselbständigen einstufen, wird er arbeitlosen-, kranken- und rentenversicherungspflichtig. Der Auftraggeber würde so zum Arbeitgeber und müsste ab dem Zeitpunkt der Feststellung nachträglich Abgaben zahlen.

Das befristete Arbeitsverhältnis

Gerade junge Arbeitnehmer sind häufig befristet angestellt. Was unterscheidet diese Form der Anstellung von anderen? Ein befristetes Arbeitsverhältnis liegt vor, wenn es nach einer zuvor vereinbarten Dauer ohne Kündigung endet. Dabei muss der Arbeitgeber die Beendigung weder ankündigen noch rechtfertigen. Befristungen können aber auch mit einem Sachgrund, z.B. für die Dauer eines Projekts, geschlossen werden. Da einige Arbeitnehmer solche Befristungen als Umweg um den Kündigungsschutz nutzen, verlangt die Rechtssprechung in solch einem Fall einen tatsächlichen Sachgrund. Ansonsten wäre die Befristung unwirksam und der Arbeitsvertrag bestünde unbefristet fort. Sachgründe können eine Vertretung während der Elternzeit, ein Ferienjob oder ein Projekt, das vom Staat mit zeitlich befristeten Mitteln finanziert wird, sein.

Befristung ohne sachlichen Grund

Ein zeitlich befristetes Arbeitsverhältnis dauert maximal zwei Jahre. Bis zu dieser Gesamtdauer von zwei Jahren ist auch die höchstens dreimalige Verlängerung zulässig. Eine Ausnahme bilden Start-ups. Hier dürfen in den ersten vier Jahren nach der Gründung ohne vorliegenden Sachgrund Arbeitsverträge auf bis zu vier Jahre befristet werden. Mehrfache Verlängerungen sind aber nur zu einer Gesamtdauer von vier Jahren zulässig. Insgesamt darf ein befristetes Arbeitsverhältnis nur dreimal verlängert werden.

Doch die Voraussetzungen, unter denen ein Vertrag geschlossen wurde. Genauso die Arbeitsverhältnisse. Aus diesem Grund versuchen Arbeitgeber häufig, das Arbeitsverhältnis nachträglich zu verändern. Sie als Arbeitnehmer müssen solche Veränderungen nicht akzeptieren, Ihr Arbeitgeber kann den Vertrag jedoch durch eine einseitige Änderungskündigung modifizieren. Wenn Sie mit den neuen Vertragsbedingungen zufrieden sind, stellt das kein Problem dar. Meist geht es bei Vertragsänderungen aber darum, das Arbeitsverhältnis zu schlechteren Bedingungen fortzuführen. In solch einem Fall müssen Sie schnell reagieren, denn gegen eine Änderungskündigung müssen Sie innerhalb von drei Wochen Änderungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht erheben und das Änderungsangebot beim Arbeitgeber unter Vorbehalt annehmen.

Unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse in der Übersicht

Geringfügige Beschäftigung

Unter geringfügiger Beschäftigung unterscheidet der Gesetzgeber zwei Varianten: "geringfügig entlohnte" und "kurzfristige" Beschäftigungen. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das monatliche Entgelt 400 Euro nicht übersteigt. Bei einem Verdienst zwischen 400,01 und 800 Euro handelt es sich um einen Niedriglohn oder Midi-Job. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsverhältnis auf zwei Monate bzw. 50 Tage innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt ist. Auch auf Kurzarbeit sind keine Sozialabgaben zu zahlen, jedoch das Arbeitsentgelt muss versteuert werden. Als Minijobber sollten in jedem Fall auf einen schriftlichen Arbeitvertrag bestehen, der zumindest die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall regelt.

Teilzeit

Eine Teilzeitbeschäftigung ist für Menschen interessant, die für einen bestimmten Lebensabschnitt, z.B. für die Zeit eines Hausbaus, ihre Berufstätigkeit in den Hintergrund stellen wollen. Rein rechtlich versteht man unter einer Teilzeitbeschäftigung die Erbringung einer Arbeitsleistung in einer kürzeren Arbeitszeit als in Vollzeit. Um in Teilzeit gehen zu können, müssen Sie mindestens sechs Monate angestellt sein. Wenn Sie in Teilzeit gehen wollen, müssen Sie das mindestens das Ihrem Arbeitgeber mindestens drei Monate vorher ankündigen. Die Vorbehalte vieler Arbeitgeber sind dennoch groß. Und der Weg zurück ist nicht unbedingt einfach. Wer zurück in die Vollzeit will, muss bei der Besetzung bevorzugt werden.

Kurzarbeit

Die Entscheidung, ob Kurzarbeit oder nicht, trifft der Arbeitgeber. Kurzarbeit ist ein Arbeitsverhältnis mit reduzierter Regelarbeitszeit. Sie soll Unternehmen als Möglichkeit dienen, bei schwieriger Wirtschaftslage Kündigungen zu vermeiden. Die Arbeitnehmer im Unternehmen arbeiten bei Kurzarbeit über einen gewissen Zeitraum hinweg weniger oder sogar überhaupt nicht. Der dadurch entstehende Verdienstausfall wird durch den Staat in gewisser Höhe ausgeglichen. Was viele nicht wissen: Kurzarbeit wird unter gewissen Bedingungen nachträglich besteuert. Schuld daran ist der sogenannte Progressionsvorbehalt im Steuerrecht: Demnach ist das Kurzarbeitergeld zwar steuerfrei; wenn verheiratete Arbeitnehmer aber zusammen veranlagt werden, wird das Kurzarbeitergeld am Jahresende zum zu versteuernden Einkommen des Partners hinzugerechnet. Ein höherer Steuersatz ist die Konsequenz.

Wann müssen Sie nachzahlen?

Die Zahlung ist abhängig von der Höhe des Einkommens und der Dauer der Kurzarbeit. In Einzelfällen drohen Nachzahlungen von mehr als 1000 Euro. Diese sind bei ganzjährigem Bezug von Kurzarbeitergeld fällig. Nach der kürzlich beschlossenen Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate dürfte diese Regelung aber viele Arbeitnehmer treffen. Wenn Sie nicht wissen, ob die Gesetzgebung auch auf Ihre Situation zutrifft, können Ihnen Steuerhilfevereine weiterhelfen.

Nebenjob

Ein Nebenjob erfordert immer eine Hauptbeschäftigung und ist für Menschen interessant, die in einen neuen Beruf "hineinschnuppern" wollen oder wenig Sicherheit im aktuellen Job haben. Der Nebenjob kann dabei bezahlt, unbezahlt, selbständig oder unselbständig ausgeübt werden. Checken Sie als Arbeitnehmer vor der Aufnahme einer nebenberuflichen Tätigkeit zuerst, ob der Arbeitsvertrag Ihres Hauptberufs eine Nebenbeschäftigung ausschließt oder erst nach Absprache mit dem Vorgesetzten erlaubt ist. Und seien Sie vorsichtig bei Sonntagen: Wer an jedem Werktag in der Woche arbeitet, riskiert bei einer Zusatzbeschäftigung am Sonntag die Kündigung und ein Bußgeld. Der Gesetzgeber schreibt dem Arbeitnehmer einen Ruhetag zur Entspannung vor. Gleichzeitig darf die Höchstarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche nicht überschritten werden. Bei einer 40-Stunden-Woche dürfen demnach nur 8 Stunden nebenbei gearbeitet werden.

Mutterschutz & Elternzeit

Das deutsche Mutterschutzgesetz schützt schwangere Frauen und Mütter vor der Kündigung. Die Bestimmungen des Mutterschutzes gelten auch für Frauen in Probearbeit, einem befristeten Arbeitsverhältnis und Leiharbeit. Die Mutterschutzfrist beginnt sechs Wochen vor der errechneten Geburt und endet sechs Wochen nach der Entbindung. Nach dem Mutterschutz können Arbeitnehmer in die Elternzeit gehen. Die Elternzeit soll Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, in den ersten drei Lebensjahren Ihres Kindes die Betreuung zu ermöglichen. Wenn der Arbeitgeber zustimmt, können Eltern sogar bis zu zwölf Monate verteilt auf die ersten acht Lebensjahre der Kinder Elternzeit nehmen.

Die Elternzeit muss mindestens sieben Wochen vor dem gewünschten Antritt schriftlich ankündigen. Wenn die Elternzeit direkt nach dem Mutterschutz genommen wird, ist auch eine Frist von sechs Wochen ausreichend. In der Elternzeit selbst ist der Arbeitnehmer zu keinerlei Tätigkeit verpflichtet. Er kann aber bis zu 30 Stunden pro Woche in Teilzeit arbeiten. Des Weiteren haben Arbeitnehmer in Elternzeit das Anrecht auf eine befristete Freistellung von bis zu drei Jahren.

Felix Disselhoff