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Folgen der Japan-Katastrophe: Deutsche Unternehmen erwägen Kurzarbeit

Die Katastrophe in Japan erreicht nun auch deutsche Firmen: Besonders Autokonzernen und Handyherstellern drohen Lieferengpässe bei elektronischen Teilen. Einige Unternehmen erwägen bereits Kurzarbeit.

Die deutsche Automobilbranche sorgt sich wegen der Japan-Katastrophe zunehmend um ihre Lieferkette und fühlt bereits wegen Kurzarbeit vor. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach eigenen Angaben bereits Nachfragen von mehreren Firmen. "Wir haben überwiegend aus Westdeutschland Anfragen von Unternehmen, die signalisieren, dass sie Probleme bekommen könnten, weil ihre Lagerbestände langsam zu Neige gehen könnten", sagte eine BA-Sprecherin am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". "Es handelt sich um Zulieferer und Hersteller." Die Behörde stehe derzeit mit Informationen beratend zur Seite.

Besonders bei elektronischen Bauteilen drohen dem Bericht der "SZ" zufolge Engpässe. Mehrere japanische Unternehmen hätten ihre Fertigung während des Bebens heruntergefahren. Pausen von Sekunden aber brächten die Produktion für Wochen aus dem Takt. Noch immer ruhe die Fertigung zweier Unternehmen, die etwa ein Viertel der weltweit benötigten Siliziumscheiben herstellen. Diese werden für die Herstellung eines jeden Chips benötigt. Bei Handys und Computern drohen nach Angaben der Zeitung noch größere Ausfälle. Zwei Unternehmen, die 70 Prozent der wichtigen Leiterplatinen herstellen, haben ihre Fertigung gestoppt.

Hohe Hürden

Bevor die Bundesagentur aber mit Kurzarbeitergeld einspringen könnte, müssten die Unternehmen erst noch ihre Hausaufgaben erledigen, sagte die BA-Sprecherin. "Sie müssen Arbeitszeitkonten abschmelzen, Resturlaube nutzen und versuchen, Mitarbeiter auf andere Arbeitsplätze im Betrieb umzusetzen." Zudem müssen die Firmen deutlich machen, dass sie nicht wegen eigenen Missmanagements in Schieflage geraten sind. "Sie müssen nachweisen, dass es unabwendbare, wirtschaftliche Gründe sind, die sich nicht beeinflussen können", sagte die BA-Sprecherin. Letztlich sei die Auszahlung von Kurzarbeitergeld dann eher eine Sache von Tagen als von Wochen.

Die Autobranche hatte heftig unter der globalen Krise 2008/2009 gelitten. Auch in der gesamten deutschen Wirtschaft griffen viele Unternehmen auf Kurzarbeit zurück, sodass Massenentlassungen vermieden werden konnten. Mitte 2009 gab es rund 1,5 Millionen Kurzarbeiter. In einem solchen Fall reduziert der Beschäftigte seine Arbeitszeit, und die BA kommt für rund 63 Prozent des ausgefallenen Nettolohns auf. Bei Arbeitnehmern mit Kind sind es etwa 67 Prozent.

Die Großen geben Entwarnung

Große deutsche Autobauer rechnen wegen der Krise in Japan derzeit jedoch nicht mit Kurzarbeit. Derzeit gebe es keine messbaren Auswirkungen auf die Produktion, sagte ein VW-Sprecher. Eine weltweite Expertenrunde tage jeden Tag, um die Lieferkette zu überwachen und sich gegebenenfalls um alternative Lieferanten zu bemühen. Ähnlich sieht es bei Daimler, BMW und Opel aus.

Auch große Zulieferer wie ZF Friedrichshafen winken ab. "ZF wird aktuell keine Kurzarbeit anmelden - und das ist auch für die Zukunft nicht zu erwarten", sagte ein Sprecher. Bei Bosch hieß es, die Teilverfügbarkeit sei mindestens diese Woche gesichert, voraussichtlich auch noch in der kommenden Woche. Bosch führe daher mit den Betriebsräten keine konkreten Gespräche über Kurzarbeit. Bevor dieses Instrument zum Einsatz kommen könnte, könnten zunächst Gleitzeitkonten genutzt werden oder Urlaubstage abgebaut werden.

joe/fro/AFP/Reuters/DPA / DPA / Reuters