GELDPROBLEME Wieder »Kurzarbeit« für Frentzen


Heinz-Harald Frentzen muss schon wieder eine Zwangspause einlegen. Doch trotz allen Ärgers will er noch »mindestens« zwei Jahre Formel 1 fahren.

Heinz-Harald Frentzen muss schon wieder eine Zwangspause einlegen. Doch trotz allen Ärgers will er noch »mindestens« zwei Jahre Formel 1 fahren. Auch am Freitag vor dem Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours fiel die erste Schicht für den Mönchengladbacher aus. Die Autos des hoch verschuldeten Arrows-Teams fuhren bei der ersten Trainingseinheit wegen weiterhin andauernder Verhandlungen nicht. Der Start beim Grand Prix in Magny-Cours ist ebenso wie vor zwei Wochen in Silverstone fraglich.

Frentzen ist auf alles gefasst

»Alles ist offen. Das Team wartet auf eine Entscheidung«, sagte Frentzen der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er war auf alles gefasst. »Wenn wir nicht fahren, fahren wir halt nicht. Und dann sehe ich zu, dass ich den ersten Zug nach Hause nach Monaco erwische.« Das Rennen würde er sich in jedem Fall zu Hause im Fernsehen anschauen.

»Es macht mich noch stärker«

Frentzen hat nach wie vor Zukunftspläne im Motorsport. »Von außen sieht es wie ein Riesenschritt rückwärts aus. Ich sehe das nicht so. Ich habe sehr viel dazu gelernt«, meinte der 35-Jährige. Die Erfahrungen hätten ihm persönlich viel gebracht. »Es macht mich noch stärker, so dass ich vorbereitet bin auf die nächsten zwei Jahre«, bestätigte er weitere Formel-1-Ambitionen. Zwei Jahre seien sogar das Minimum. Über neue Angebote wollte er aber noch keine Angaben machen.

100 Millionen Schulden?

»Es war mir von Anfang an klar, dass das keine einfache Situation wird. Ich habe das schon letztes Jahr vor Hockenheim gewusst. Es ist keine Überraschung für mich«, nannte er den Grund für die Gefasstheit, mit der er die Zitterpartie bei Arrows meistert. Im Juli 2001 war er kurz vor dem Heimrennen in Hockenheim von Eddie Jordan entlassen worden. Nach vorübergehender Arbeitslosigkeit heuerte er bei Prost an. Nur ein halbes Jahr später war das Team Pleite, bei Arrows nun scheint er vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Der Schuldenberg des Teams beträgt angeblich 100 Millionen Euro.

»Wer will schon alte Rennautos kaufen«

Außer um Geld für die pro Grand Prix fälligen Motoren-Raten kämpft Teamchef Tom Walkinshaw gegen eine Einstweilige Verfügung, die die Bank Morgan Grenfell als Anteilseigner gegen den Verkauf des Teams erwirkt hatte. Walkinshaw konnte den Start in Silverstone zuletzt nur durchsetzen, indem er damit argumentierte, dass ein Rennstall verderbliche Ware sei, berichtete die Fachzeitschrift »sportauto« am Freitag. »Wenn wir nicht fahren, verfallen alle unsere Rechte auf TV- Geld. Dann wäre Arrows tot. Der Ausverkauf unseres Inventars hätte maximal eine Million Dollar gebracht. Wer will schon alte Rennautos kaufen«, so Walkinshaw.

»Ich weiß nichts«

In Magny-Cours manifestiert sich der Abstieg des einstigen Vize- Weltmeisters Frentzen besonders deutlich. 1999 hatte er den Großen Preis von Frankreich gewonnen. Eine Fahne mit seinem Porträt hängt in einer Art »Ehrengalerie« an der Einfahrt zur Rennstrecke. Diesmal reiste er an und wusste noch nicht mal, ob er am Wochenende überhaupt ins Auto steigen würde. Während Walkinshaw noch weiter Verhandlungen führte, versuchte Frentzen, den Journalisten im Fahrerlager so diplomatisch wie möglich zu begegnen. »Ich weiß nichts.« Er sei kein Teamchef. Aber: »Ich bin Gewehr bei Fuß.«

Paradoxerweise kommt Frentzen in der Entwicklung seines Autos trotz der chronischen Finanzsorgen gut voran. Beim letzten Grand Prix in Silverstone verhinderte ein Motorschaden das beste Resultat der Saison. Bei anschließenden Testfahrten in Valencia wurde darauf hingearbeitet, die Schwächen im Qualifikationstraining abzustellen. »Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht«, urteilte Frentzen.

Von Andrea Wimmer (dpa)


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