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Größter Computerhersteller in der Krise: Hewlett-Packard setzt Tausende vor die Tür

Massen-Rauswurf: 27.000 Mitarbeiter sollen den weltgrößten Computerhersteller Hewlett-Packard verlassen. Die Beschäftigten müssen für die Fehler des Managements büßen. Auch in Deutschland werden harte Einschnitte befürchtet

Das lahmende Geschäft treibt den weltgrößten PC-Hersteller Hewlett-Packard zu einem radikalen Job-Abbau: Voraussichtlich 27.000 Mitarbeiter müssen das Unternehmen bis Herbst 2014 verlassen. Das ist mehr als jeder zwölfte Beschäftigte. Die IG Metall befürchtet, dass auch hierzulande hunderte Arbeitsplätze wegfallen. Zu den Details hüllte sich das Unternehmen bis zum Donnerstagmittag in eisernes Schweigen.

HP leidet darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen PC sparen. Erschwerend hinzu kamen in der Vergangenheit Querelen und konfuse Entscheidungen im Management. Seit September steht nun die frühere Ebay-Lenkerin Meg Whitman an der Konzernspitze und räumt auf.

"Ein Stellenabbau ist niemals leicht", erklärte Whitman am Mittwoch. "Aber in diesem Fall ist er absolut notwendig." HP verkauft nicht nur weniger Computer, sondern auch weniger der einst so einträglichen Drucker. Dem kalifornischen Konzern droht sogar der Verlust der PC-Marktführerschaft. Der chinesische Rivale Lenovo hatte zuletzt entgegen dem allgemeinen Trend merklich zulegen können.

10.400 Menschen arbeiten hier für den Computerriesen

Die Erfahrung zeige, dass proportional zum internationalen Abbau auch hierzulande Jobs wegfallen könnten, sagte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall, Johannes Katzan. Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten in Deutschland rund 10.400 Menschen für den Computerriesen.

Der Stellenabbau variiere je nach Land, erklärte die Konzernzentrale im kalifornischen Palo Alto lediglich. Durch die harten Einschnitte will HP weltweit 3,0 bis 3,5 Milliarden Dollar im Jahr sparen (2,4 bis 2,8 Mrd Euro). Ein Teil der Mitarbeiter soll in Frühruhestand gehen.

"Mit detaillierten Informationen zum Stellenabbau ist aber erst Mitte Juni zu rechen", sagte IG-Metall-Vertreter Katzan. Er forderte vom Unternehmen ein Konzept zur Beschäftigungssicherung und Qualifizierung. "Kunden und Beschäftigte brauchen Klarheit zur Strategie von HP."

Bei den Börsianern kamen die Sparpläne gut an

Die Entlassungen finden vor dem Hintergrund weiterhin mauer Verkäufe statt: Im zweiten Geschäftsquartal von Februar bis April ging der Umsatz um 3 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar zurück; der Gewinn gab im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar nach. Auch der US-Erzrivale Dell hatte zuletzt Einbußen verzeichnet; seine Aktie war am Mittwoch um 17 Prozent eingebrochen.

Bei HP hat sich der Rückgang im Vergleich zum vorangegangenen Weihnachtsquartal allerdings verlangsamt. "Ich würde noch nicht so weit gehen zu sagen, wir haben die Kurve gekriegt", sagte Konzernchefin Whitman in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Aber wir machen Fortschritte." Es dauere, HP wieder in die Spur zu bringen. Alleine die Kosten für den Stellenabbau veranschlagt das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Dollar.

Bei den Börsianern kamen die Sparpläne gut an. Zudem lief das Geschäft besser als befürchtet. Die Aktie stieg am Donnerstag vorbörslich um 9 Prozent auf 23 Dollar. Für viele Anleger dürfte aber selbst dieser Sprung nur ein schwacher Trost sein: Vor einem Jahr kostete das HP-Papier noch 36 Dollar.

Selbst die einstige Geldmaschine von HP stottert

Selbst die einstige Geldmaschine von HP stottert: die Drucker. Der Umsatz der Sparte ging um satte 10 Prozent zurück. Whitman hatte im März angekündigt, die Drucker- mit der PC-Sparte zusammenzulegen. Das soll Verbesserungen bei Produktion, Einkauf, Kundendienst und Marketing bringen und sparen helfen.

Es ist eine radikale Abkehr von den Plänen von Whitmans Vorgänger, dem aus Deutschland stammenden Léo Apotheker. Der wollte das PC-Geschäft abspalten und sich auf IT-Dienstleistungen und Software konzentrieren. Damit eckte er bei seinen Managerkollegen und bei den Anteilseignern an. Er musste schließlich gehen. Auch der Chef des von Apotheker für knapp 12 Milliarden Dollar gekauften britischen Software-Spezialisten Autonomy, Mike Lynch, verlässt nun den Konzern.

jar/DPA / DPA