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Neue EU-Zahlungsrichtlinie: Droht Online-Gutscheinen das Aus?

Online-Shops, die Gutscheine anbieten, brauchen künftig eine Konzession dafür oder einen Zahlungsdienstleister, der ihnen diese Arbeit abnimmt. Das verlangt eine EU-Richtlinie. 

Eigentlich hat jeder Onlineshop diese Spalte in der Zahlungsabwicklung: Das Gutscheincode-Feld. Wer dort einen vier- oder sechsstelligen Code eingibt, bekommt einen Rabatt. Mal spart man sich die Versandgebühren, mal bekommt man sogar die Mehrwertsteuer zurück. Es lohnt sich also für Online-Shopper die Augen nach Rabattcodes offen zu halten. 

Das wissen nicht nur die Shops. Inzwischen gibt es unzählige Seiten im Netz, die Gutscheincodes sammeln. Doch die könnten bald vor dem Aus stehen, berichtet "Der Standard". Die EU will Anfang Juli eine reformierte Zahlungsrichtlinie veröffentlichen, die bis Mitte 2017 in allen Ländern der EU umgesetzt werden soll. Ein Teil dieser Neufassung betrifft die Internethändler, die künftig deutlich höhere Hürden für ihre Rabattcodes und Gutscheine nehmen müssen.

Dienstleister gesucht

Geben Händler elektronische Gutscheine aus, die einen Gesamtbetrag von mehr als einer Million Euro überschreiten, brauchen sie dafür künftig eine Konzession als Zahlungsdienstleister. Haben sie diese nicht, brauchen sie einen Dienstleister, der  den Job für sie übernimmt - oder müssen in der Zukunft auf elektronische Rabatte und Gutscheincodes verzichten. Gutschriften auf Papier sind von der Novelle ausgenommen. 

Hintergrund dieser Richtlinie: Durch die Gutscheine entsteht eine Parallelwährung, die nur innerhalb des Unternehmens gilt. Für die EU ist dies eine Grauzone, ein nicht kontrollierbarer Bereich, der auch zur Geldwäsche dienen kann. Sicherlich sind die ausgegebenen Rabatte nur Kleinstbeträge - doch in der Masse haben sie einen Effekt. 

Experten gehen davon aus, dass durch den Vorstoß aus Brüssel die Gutscheinflut der vergangenen Jahre eingedämmt wird.

Kleine Unternehmen ausgenommen

Für die Unternehmen ist diese Regelung sehr unterschiedlich - je nach Größe und Rabattaktionen müssen sie sich aber auf neue Geschäftsbedingungen einlassen. Kleinere Online-Händler, die nur selten Gutscheincodes ausgeben, wird die Konzessionspflicht nicht betreffen. Größere Händler aber, die schnell auf über eine Millionen Euro durch Gutscheine kommen, werden sich um eine solche Konzession bemühen müssen. Oder einen Dienstleister beauftragen müssen - und das kostet Geld, das durch sparsameres Verteilen der Gutscheinaktionen beispielsweise wieder in die Kasse gespült werden müsste

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