HOME

Lagerbestände immer kleiner: Heinz beliefert Edeka nicht mehr mit Ketchup – doch es gibt offenbar einen Plan B

Nach einem Streit über künftige Preise hat der US-Konzern Heinz die Belieferung von Edeka eingestellt. Weil sich die Lagerbestände an Ketchup und Saucen dem Ende entgegen neigen, will der Lebensmittelhändler nun offenbar ein eigenes Produkt kreieren.

Heinz - Edeka - Ketchup

Bei Edeka gehen einem Medienbericht zufolge die Lagerbestände an Heinz-Produkten aus (Symbolbild)

Picture Alliance

Verbraucher werden bei Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka vielleicht schon bald vergeblich nach Ketchup und Grillsoßen der Marken Kraft und Heinz suchen. Der US-Konzern Kraft Heinz hat die Belieferung des Handelsriesen mit seinen Produkten eingestellt, wie der Kaufmännische Direktor von Heinz, Michael Lessmann, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag bestätigte. Zuvor hatte die "Lebensmittel Zeitung" darüber berichtet. 

Auslöser für den Schritt sei ein Streit um die künftigen Lieferpreise gewesen. Kraft Heinz habe Preiserhöhungen durchsetzen wollen, Edeka dagegen auf Preissenkungen bestanden, sagte Lessmann. Alle Verständigungsversuche seien gescheitert. Inzwischen seien die Gespräche ergebnislos abgebrochen worden. Kraft Heinz habe die Belieferung von Edeka eingestellt. Der Konzern wolle eine Lösung mit Edeka finden. Doch sei der Gesprächsfaden derzeit abgerissen, sagte Lessmann. 

Edeka gehen angeblich die Bestände an Heinz-Produkten aus

Die "Lebensmittel Zeitung" berichtete, die Lagerbestände an Ketchup und Grillsoßen des US-Konzerns in der Edeka-Gruppe neigten sich inzwischen dem Ende zu. In den Regalen ließen sich die Lücken nicht mehr kaschieren. Ein Sprecher von Edeka erklärte, dass die Recherchen der Lebensmittelzeitung weitestgehend stimmten. Zu Details des Konflikts wollte sich das Unternehmen aber aus Wettbewerbsgründen nicht äußern.

Dem Bericht zufolge versucht Edeka seither, den Engpass durch Produkte anderer Unternehmen und seine Eigenmarken aufzufangen. "Doch das reicht nicht", wird ein Edeka-Kaufmann zitiert. Um künftig nicht mehr so stark von marktmächtigen Lieferanten wie Heinz abhängig zu sein, plant Edeka demnach eigene Produkte, die unter dem Markenlabel "Papa Joe's" vertrieben werden sollen. Entsprechende Kategorien, die Tomatenketchup, Mayonnaise und Grillsaucen abdecken, seien für die neue Marke bereits 2018 beim deutschen Markenamt eingetragen worden, heißt es.

Edeka will eigene Ketchup-Marke aufbauen

Laut "Lebensmittel Zeitung" dominiert der US-Konzern den deutschen Ketchup-Markt mit einem Marktanteil von 46,7 Prozent, jeder zweite Edeka-Kunde kaufe die Heinz-Produkte. Mit einem Anteil von 12,1 Prozent sei die Firma zudem Marktführer im Segment der Feinkost- und Grillsaucen. Für Edeka ziehe die fehlende Belieferung daher Umsatzeinbußen nach sich.

In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den großen deutschen Handelsketten wie Edeka oder Rewe und bekannten Markenherstellern gekommen. Meist waren es dabei aber die Einzelhändler, die die Daumenschrauben anzogen und die Produkte widerspenstiger Lieferanten aus ihren Regalen nahmen, um in den Preisverhandlungen den Druck zu erhöhen. So boykottierte Edeka im vergangenen Jahr zeitweise fast 200 Nestlé-Produkte.

Heinz-Kraft-Konzern rutschte 2018 tief in die roten Zahlen

Unterdessen wurde bekannt, dass der Kraft-Heinz-Konzern im vergangenen Jahr aufgrund einer Abschreibung auf den Wert vieler Marken in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Unter dem Strich stand 2018 ein Minus von 10,3 Milliarden Dollar (9,1 Milliarden Euro) nach einem Gewinn von knapp 11 Milliarden Dollar im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag in Pittsburgh und Chicago mitteilte.

Zudem wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht die Bilanzierungspraxis untersucht. Die Aktie des 2015 fusionierten Unternehmens rauschte nachbörslich um 20 Prozent nach unten. Sollte das Papier auch im regulären Handel so stark sinken, würde der Börsenwert des Unternehmens um knapp 12 Milliarden Dollar sinken.

Quelle: "Lebensmittel Zeitung"

Die leeren Regale in einer Hamburger Filiale von Edeka
mod / DPA