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Hypo-Real-Estate-Übernahme: Großaktionär lässt Bund abblitzen

1,39 Euro je Aktie, so lautet das Übernahmeangebot der Bundesregierung an die Teilhaber der Hypo Real Estate. Großaktionär J.C. Flowers ist das nicht genug und lehnt die Offerte aus Berlin ab. Der Finanzminister reagiert gelassen: Dann komme eben die Enteignung.

Wenige Tage vor dem Ablauf des staatlichen Übernahmeangebots für den Immobilienkonzern Hypo Real Estate (HRE) hat der Großaktionär J.C. Flowers sein Veto eingelegt. Er werde das Angebot nicht annehmen und seine Aktien behalten, teilte Flowers am Donnerstag mit. Damit wird es für den Bund schwerer, das Ziel einer Komplettübernahme der HRE schnell zu erreichen. Flowers ist davon überzeugt, dass die Aktien mehr wert sind als die 1,39 Euro, die der Bund den Aktionären bietet.

Eine Enteignung der HRE-Aktionäre wird nun immer wahrscheinlicher. Finanzminister Peer Steinbrück sagte, wenn Flowers das Angebot nicht annehme, dann werde es eine Enteignung geben. Die Preisvorstellungen des US-Investors seien zu hoch. Steinbrück verwies darauf, dass die HRE-Aktionäre im Grunde schon enteignet seien. Denn das Institut existiere nur noch dank der Finanzhilfen von 102 Milliarden Euro. Die Aktionäre einschließlich Flowers seien vom Markt enteignet worden, so Steinbrück.

Steinbrück: "Soll er klagen, ist sein gutes Recht"

Einer möglichen Klage von Flowers sieht Steinbrück "ganz gelassen" entgegen: "Soll er klagen, ist sein gutes Recht." An dem weiteren Verfahren ändere sich nichts. Zunächst werde das Auslaufen der Annahmefrist für das Kaufangebot des Bundes am 4. Mai abgewartet. Dann werde sich zeigen, was sich daraus ergebe, sagte Steinbrück. "Aber die Vorstellung von Herrn Flowers, er könnte mit Preisen und Angeboten rechnen, die darüber hinausgehen, ist schlicht ein Irrtum", sagte der Minister.

Der Bund hat die Möglichkeit einer Enteignung, nachdem die Bundesregierung im Februar das "Rettungsübernahmegesetz" gebilligt hatte, das diesen Schritt als letztes Mittel ermöglicht. Flowers will sich gegen eine Enteignung möglicherweise mit juristischen Schritten zur Wehr setzen.

Flowers und ihm verbundene Investoren hielten zuletzt rund 22 Prozent der Aktien. Nur ein kleiner Teil von ihnen, die weniger als ein Prozent der Aktien hielten, würden das Angebot annehmen, hieß es. Die anderen hätten sich dagegen entschieden. "Als längerfristig orientierte Investoren wollen wir das Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft begleiten", teilte Flowers mit.

Das staatliche Übernahmeangebot an die HRE-Aktionäre noch bis zum kommenden Montag läuft, war recht schleppend angelaufen. Bis Montagabend und damit eine Woche vor Auslaufen der Annahmefrist sicherte sich der Bund mit dem Kaufangebot lediglich weitere 3,61 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte. Aktuelle Zahlen lagen nicht vor. Zusammen mit dem seit Ende März gehaltenen HRE-Anteil war der Staat damit mit 12,27 Prozent an dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer beteiligt. Auf die Frage, ob der Bund bei einem zu geringen Interesse der HRE-Aktionäre an dem Kaufangebot mehr Kapital für das Institut bereitstellen müsse, sagte Steinbrück: "Ich spekuliere darüber nicht."

Die Hypo Real Estate mit Sitz in München stand im vergangenen Jahr wegen der Schwierigkeiten ihrer Tochter Depfa Bank kurz vor dem Kollaps und wird seitdem mit insgesamt 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital am Leben gehalten. Über weitere Hilfen wird bereits verhandelt. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung liegt der weitere Kapitalbedarf bei bis zu 20 Milliarden Euro.

Durch den Absturz des Aktienkurses der HRE hatten im vergangenen Jahr zahlreiche Aktionäre viel Geld verloren. Mehrere Dutzend von ihnen zogen mit Schadenersatzforderungen vor Gericht. Die HRE wies die Forderungen zurück. In einem beim Landgericht München eingereichten 212-seitigen Schriftstück argumentiert die HRE nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", der Niedergang der Bank sei allein durch die Entwicklung nach der Pleite der US- Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst worden. Der anschließende Vertrauensverlust unter den Banken sei für niemanden vorhersehbar gewesen. Die HRE habe ihre Aktionäre korrekt unterrichtet und nicht grob fahrlässig gehandelt.

DPA / DPA