Hypothekenkrise "Turbulenzen noch nicht ausgestanden"

Die Wellen der US-Hypothekenkrise eben noch lange nicht ab. Davon ist der amerikanische Finanzminister Henry Paulson überzeugt. Immerhin attestiert er der US-Wirtschaft gute Gesundheit. Ebenso wie der US-Präsident George W. Bush.

Die US-Hypothekenkrise und die von ihr ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten sind nach Einschätzung von US-Finanzminister Henry Paulson noch nicht ausgestanden. "Es wird noch eine Zeit lang dauern, bis das überwunden ist", sagte Paulson dem US-Fernsehsender CNBC am Dienstag. Gleichwohl bekräftigte er, dass die Verfassung der US-Wirtschaft nach wie vor gut sei. Die Finanzmärkte würden sich wieder erholen.

Daneben unterstrich Paulson sein Vertrauen in die US-Notenbank. "Ich habe großes Vertrauen in die Fed." Die Federal Reserve sei in der Lage, mit den derzeitigen Problemen umzugehen. Paulson wollte am Dienstagnachmittag mit US-Notenbankchef Ben Bernanke zusammentreffen, um über die Auswirkungen der Hypothekenkrise zu sprechen.

Auch US-Präsident George W. Bush stößt ins gleiche Horn und sagte ebenfalls, die US-Wirtschaft sei trotz der Hypothekenkrise intakt. Die Inflation sei niedrig, die Zinssätze ebenfalls. Auch der Arbeitsmarkt sei robust, und die Exportzahlen wiesen nach oben. Im Finanzmarkt gebe es zudem genug Liquidität, so das Staatsoberhaupt.

Angst um Konjunktur nach Kreditkrise

Die weltweite Finanzmarktkrise schlägt sich auch auf die Konjunkturerwartungen in Deutschland durch. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sackte um 17,3 Punkte ab und liegt nun mit minus 6,9 Punkten auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2006. Experten und Politiker versicherten am Dienstag abermals, die US-Hypothekenkrise werde die Konjunktur höchstens geringfügig belasten. ZEW-Präsident Wolfgang Franz räumte allerdings ein, deutsche Exporte könnten unter einer schwächeren Kaufkraft der US-Verbraucher leiden. Vom amerikanischen Immobilienmarkt kamen neue schlechte Nachrichten. Auch der Geldmarkt hat sich noch nicht ganz normalisiert, die Banken griffen bei Milliarden von der US-Notenbank und der EZB zu.

Die vom ZEW befragten 291 Finanzmarktexperten sahen "Gefahren, die von der Krise für die realwirtschaftliche Entwicklung in den USA ausgehen und die auch auf Deutschland übergreifen können", hieß es. Vor allem seien Banken und Versicherungen betroffen.

ZEW-Präsident Franz, der zugleich einer der "Wirtschaftsweisen" ist, zeigte sich dennoch optimistisch: "Mögliche Rückwirkungen auf die deutsche Konjunktur werden sich nach derzeitigen Kenntnissen in engen Grenzen halten." Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) betonte, nach Aussage aller Experten seien keine Übersprungeffekte der Kreditkrise "auf die Realwirtschaft" erkennbar.

Notenbank pumpte Milliarden auf den Geldmarkt

Auf dem Geldmarkt war die Krise weiter zu spüren. Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte den Banken der Euro-Zone bei ihrer regulären Ausschüttung mehr Geld zu als sie normalerweise benötigen. Mit 275 Milliarden Euro waren es 46 Milliarden Euro mehr als die Banken nach EZB-Prognosen eigentlich gebraucht hätten. Die US-Notenbank pumpte in den Geldmarkt weitere 3,75 Milliarden Dollar.

Die massiven Zahlungsausfälle auf dem US-Hypothekenmarkt hatten in den vergangenen Wochen eine Liquiditätsklemme auf dem Geldmarkt ausgelöst. Da die faulen Kredite in Anleihen verpackt und weltweit verkauft wurden, liehen die Banken aus Angst vor Zahlungsausfällen einander kein Geld mehr. Notenbanken pumpten hunderte Milliarden Euro in den Geldmarkt, um die Liquidität der Banken zu sichern.

In den USA zog die Hypothekenkrise weite Kreise. Der Finanzdienstleister Capital One macht sein Hypothekengeschäft dicht, das vor drei Jahren noch mit mehr als sechs Milliarden Dollar bewertet wurde, und streicht 1900 Jobs. Countrywide, der größte US- Immobilienfinanzierer, baute 500 seiner 60.000 Arbeitsplätze ab. Die amerikanischen Börsen starteten in den Handel schwächer, während Anleger in sicheren US-Staatsanleihen Schutz suchten. Der DAX hielt sich am Nachmittag im Plus.

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