VG-Wort Pixel

Ifo-Geschäftsklimaindex "Es läuft alles super"

Die deutschen Unternehmer teilen den Optimismus der Bundesregierung und Wirtschaftsforscher: Im Oktober kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend deutlich auf 107,6 Punkten nach 106,8 Punkten vor einem Monat.

Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Höhenflug fort und strotzt vor Optimismus. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Oktober zum fünften Mal in Folge und näherte sich mit 107,6 Punkten seinem historischen Rekordwert. Die befragten Unternehmen beurteilen nicht nur ihre aktuelle Geschäftslage erneut besser, sondern blicken auch noch zuversichtlicher auf das nächste halbe Jahr. "Der Konjunkturmotor läuft stabil und rund", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag in München. Weil Export und Binnennachfrage brummen, wollen die Unternehmen jetzt auch deutlich mehr neue Mitarbeiter einstellen.

Der Aufschwung "wird auf gemäßigte Bahnen einschwenken", sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturforschung, Kai Carstensen. "Wir sehen keine weitere Beschleunigung, aber es läuft alles super durch, es geht weiter aufwärts."

Der Geschäftsklimaindex kletterte erneut um 0,8 auf 107,6 Punkte. Größte Überraschung war der weitere Anstieg der Erwartungen: Entgegen allen Prognosen legte dieser Teilindex noch einmal kräftig zu von 103,9 auf 105,1 Punkte. Zugleich bewerteten die Unternehmen auch ihre derzeitige Geschäftslage noch einmal besser, dieser Teilindex stieg von 109,8 auf 110,2 Punkte. "Es läuft schon ziemlich gut, aber bei der Auslastung der Maschinen ist immer noch ein ganzes Stück Luft. Und es kommen weiter Aufträge rein", erklärte Carstensen. "Deshalb die Erwartung, dass es weiter aufwärtsgeht."

Die Exporteure schätzten ihre Chancen auf den Auslandsmärkten wieder günstiger ein. "China zieht weiter", sagte Carstensen. Auch wenn die Regierung in Peking zu bremsen versuche, sei auch nächstes Jahr noch mit kräftigem Wachstum zu rechnen. "Ostasien setzt weiter Impulse. Auch aus Osteuropa ist die Nachfrage nach deutschen Investivgütern sehr hoch", sagte der Wissenschaftler. Einen Dämpfer erwartet er nur aus Amerika: "Die USA müssen sparen, sie können nicht mehr so viel importieren und konsumieren."

Investitionen und Arbeitsmarkt puschen Binnennachfrage

Als Motor wichtiger wird die Binnennachfrage in Deutschland. Die Nachfrage nach Ausrüstungsinvestitionen steigt, "weil die Unternehmen in der Krise auf die Bremse getreten haben. Wir hatten eineinhalb Jahre Investitionsstau - das muss jetzt abgearbeitet werden", sagte der Ifo-Konjunkturchef. Zweiter Treiber sei der Arbeitsmarkt und der private Konsum: "Die Beschäftigung steigt und gibt der Binnennachfrage einen Push." Das Geschäftsklima im Einzelhandel sank im Oktober zwar leicht. "Aber das Niveau ist fantastisch. So gut ist es zehn Jahre lang nicht mehr gewesen", betonte Carstensen.

Industrie und Dienstleister planten, jetzt vermehrt Personal einzustellen. Die Industrie suche Fachkräfte und finde sie auch noch: "Momentan deutet nichts drauf hin, dass das eine große Bremse ist", sagte der Ifo-Experte. Ob die Arbeitnehmer nach langer Zurückhaltung jetzt eine kräftige Lohnerhöhung verdient haben oder ob die Unternehmen, die die Belegschaft mit Kurzarbeit durch die Krise gebracht haben, jetzt investieren müssen, sei je nach Region, Branche oder sogar Einzelunternehmen verschieden zu beantworten.

Auf dem Bau verbesserte sich das Geschäftsklima aufgrund steigender Erwartungen. Neben Firmenbauten kommt auch der private Wohnungsbau in Fahrt, weil die Zinsen so niedrig sind. Die Kommunen dagegen dürften in nächster Zeit weniger Aufträge vergeben. Die Konjunkturprogramme laufen aus, und bis die Gewerbesteuern wieder sprudeln, dauert es noch.

Roland Losch, APN APN

Mehr zum Thema



Newsticker