Ifo-Index "Deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher"


Überraschend gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft: Nach den positiven Märzzahlen ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im April erneut unerwartet stark gestiegen. Laut den Wirtschaftsforschern wird auch die Aschewolke die Erholung nicht stoppen.

Zum zweiten Mal in Folge hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutlich verbessert. Die Unternehmen zeigten sich im April mit ihrer Geschäftslage erheblich zufriedener, erklärte das Münchener Ifo-Institut am Freitag. Auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate falle deutlich optimistischer aus. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April auf 101,6 Punkte. Im März hatte er bei 98,2 Zählern gelegen - und hatte sich damit nach einem zwischenzeitlichen Minus im Februar auch schon verbessert. "Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

"Wahnsinn! Das übertrifft alle Erwartungen"

Die Unternehmen schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate optimistischer ein als im März. Der Lageindex sprang um 4,8 auf 99,3 Zähler nach oben, der Index für die Erwartungen legte um 2 auf 104,0 Punkte zu. Selbst für Experten kam dies überraschend: "Wahnsinn! Das übertrifft alle Erwartungen", sagte DekaBank-Analyst Andreas Scheuerle.

Auch die tagelangen Flugausfälle wegen der riesigen Aschewolke über Europa werden die kräftige Erholung nach Einschätzung des Instituts nicht stoppen. "Das ist ein sehr kurzfristiger Effekt", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. "Die Frühjahrsbelebung wird es nicht aufhalten." Abberger rechnet im zweiten Quartal mit einem deutlichen Wachstum, nachdem die Wirtschaft zu Jahresbeginn wegen des strengen Winters leicht geschrumpft sein könnte.

Gute Chancen im Exportgeschäft

Positiv entwickelte sich im April vor allem die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe: Die Industrieunternehmen schätzten ihre derzeitige Lage merklich günstiger ein als noch im März, und sie seien auch hoffnungsvoller mit Blick auf die kommenden Monate, erläuterte das Institut. Die Firmen sehen demnach gute Chancen im Exportgeschäft. Die Auslastung der Maschinen sei deutlich stärker als noch zu Jahresbeginn und nur noch leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Seltener als noch im März planen die Industrieunternehmen zudem einen Stellenabbau.

Aufgehellt hat sich zudem die Stimmung im Groß- und Einzelhandel. Beide sehen den Wirtschaftsforschern zufolge die aktuelle Lage positiver als noch vor einem Monat. Die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten bewerten sie zumindest weniger pessimistisch. Im Bauhauptgewerbe ist die Stimmung hingegen etwas gesunken - allerdings war sie in der Branche in den vergangenen Monaten viermal in Folge gestiegen. Spürbar besser beurteilen die Bauunternehmen zwar ihre aktuelle Lage, schlechter aber die Geschäftsentwicklung der kommenden sechs Monate.

Im Dienstleistungsgewerbe hat sich dem Ifo-Institut zufolge die Stimmung insgesamt weiter aufgehellt: Die aktuelle Lage beurteilen die Firmen demnach besser, die künftige Entwicklung schätzen sie aber weniger optimistisch ein als noch im März.

AFP/Reuters Reuters

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