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Regal aufbauen, Blumen gießen: Ikea-Tochter startet Portal für Haushaltshelfer in Deutschland

Den Schrank aufbauen, die Garderobe anschrauben oder die Lampen aufhängen: Die Ikea-Tochter TaskRabbit vermittelt Haushaltshelfer auch in Deutschland. Dahinter steckt ein Strategieschwenk des Möbelhauses. So wie früher kann es nicht weitergehen.

TaskRabbit startet in Deutschland

TaskRabbit startet in Deutschland

Getty Images

Ob es darum geht, den Fernseher an die Wand zu montieren, einen Kleiderschrank zusammenzuschrauben oder einfach nur Blumen zu gießen, wenn man nicht zu Hause ist: Die Liste von alltäglichen Kleinstaufgaben ist lang. Mal fehlt das handwerkliche Können, mal die Zeit - und so gibt es offensichtlich einen Markt für Haushaltshelfer.

Das hat auch Ikea erkannt, als der Konzern vor rund zwei Jahren die Vermittlungsplattform für Alltagshelfer, TaskRabbit, übernommen hat. Seitdem wächst das Start-up, bislang in den USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich. Nun kommt TaskRabbit auch nach Deutschland. Gestartet wird in der Rhein-Ruhr-Region sowie in Berlin und Umgebung, berichtet das "Handelsblatt".  

Ikea-Kunden können direkt zu ihrem Einkauf einen Helfer dazubuchen

Zum Start wolle TaskRabbit in zwölf Städten  vertreten sein, sagt die Start-up-Chefin Stacy Brown-Philpot der WAZ. Neben Berlin sind es die NRW-Kommunen Bochum, Duisburg, Essen, Dortmund, Düsseldorf,  Gelsenkirchen, Köln, Krefeld, Mönchengladbach, Oberhausen und  Wuppertal. "Ende November können Kunden einen Tasker buchen, der Möbel zusammenbaut, Fernseher und Bilder montiert oder kleinere Reparaturarbeiten vornimmt", so Brown-Philpot. "Aber dabei soll es nicht bleiben. Ende kommenden Jahres  wollen wir auch in Hamburg, München, Stuttgart und Frankfurt präsent  sein", so die Firmenchefin weiter. Wer sich als Dienstleister melden will, kann sich mit Fähigkeiten und Einsatzgebiet bereits bewerben. 

Ikea-Kunden können direkt zu ihrem Einkauf dann einen Helfer dazubuchen, aber auch abseits des schwedischen Möbelhauses können die Dienstleistungen gebucht werden. Die Chefin sieht einen Milliardenmarkt vor sich. Vor allem Menschen, die viel arbeiten, oder junge Familien seien als Kunden interessant. Eben Menschen, die "keine Zeit, sich um seine Hausarbeit zu kümmern" haben, sagt Brown-Philpot.

So funktioniert Ikeas TaskRabbit

Bevor man als Tasker bei Kunden auftaucht, wird man vom Unternehmen überprüft. Die Identität und das Führungszeugnis werden gecheckt. Einen fixen Stundenlohn gibt es nicht, die Tasker bestimmen selbst, was sie pro Stunde verdienen möchten. Damit grenzt sich das Unternehmen klar zu anderen Plattformen ab. Bei den Konkurrenten ist nicht immer ersichtlich, wer dort den Auftrag übernehmen möchte. Und: Die Preise werden meist von den Kunden festgelegt. Laut TaskRabbit belief sich der durchschnittliche Stundenlohn auf 35 Dollar, das entspricht dem fünffachen Mindestlohn in den USA und dem Dreifachen, was in Frankreich mindestens gezahlt werden muss.

Für Ikea war der Zukauf von TaskRabbit eine logische - aber auch notwendige - Erweiterung des Geschäfts. Der schwedische Konzern steckt in der größten Transformation in der Unternehmensgeschichte. Früher fuhren die Familien mit ihrem Auto vor, kauften Möbel, die sie selbst zu Hause zusammenbauten, - und für die sie deshalb auch weniger bezahlten als bei Möbelhäusern mit mehr Service. Heute rentieren sich die riesigen Märkte auf der grünen Wiese nicht mehr so wie früher.

Ikea muss sich also verändern und experimentiert: Mit kleinen Geschäften in den Innenstädten, mit dem Ausbau des Online-Shops und einem Lieferservice. Und nun eben auch mit einem Montageservice aus der Nachbarschaft. "Wir sind seit 75 Jahren erfolgreich mit dem bisherigen Konzept – und plötzlich merken wir: Weiter zu machen wie bisher wird nicht funktionieren“, sagte Deutschland-Chef Dennis Balslev dem "Handelsblatt". 

kg