VG-Wort Pixel

Ende der Strafzinsen ING-Bank schafft Negativzins wieder ab – andere Institute dürften folgen

Die ING-Bank streicht die Negativzinsen für 99,9 Prozent ihrer Kunden.
Die ING-Bank streicht die Negativzinsen für 99,9 Prozent ihrer Kunden.
© ROBIN UTRECHT/ / Picture Alliance
Trendwende bei den Negativzinsen: Mit der ING schafft die erste große Bank das Verwahrentgelt für fast alle Kunden wieder ab. Andere Geldinstitute stellen diesen Schritt ebenfalls in Aussicht. 

Hunderte Banken und Sparkassen haben in den vergangenen Monaten und Jahren Negativzinsen auf Sparguthaben eingeführt. Nun können Kunden auf eine Trendwende hoffen. Denn die erste große Bank schafft den Strafzins für die allermeisten Kunden wieder ab – und auch andere Institute geben Signale in diese Richtung.

Mit der ING Deutschland hat die größte Direktbank des Landes am Dienstag angekündigt, das sogenannte Verwahrentgelt für fast alle Privatkunden wieder zu streichen. Konkret sollen zum 1. Juli die Freibeträge, bis zu denen keine Negativzinsen fällig werden, beim Girokonto und Tagesgeld von 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto angehoben werden. Wer weniger als eine halbe Million auf dem Konto hat, muss also keinen Negativzins mehr zahlen. "Mit der Erhöhung des Freibetrags für Guthaben auf dem Giro- und Extra-Konto entfällt das Verwahrentgelt für 99,9 Prozent unserer Kundinnen und Kunden", sagt Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING in Deutschland. 

Zinserhöhung der Zentralbank erwartet

Die Bank begründet den Schritt mit der erwarteten Zinserhöhung der Zentralbank. "Unser Versprechen, mit Wegfall der Minuszinsen das Verwahrentgelt zu streichen, lösen wir für fast alle Kunden damit schon vor einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein", sagt ING-Chef Jue.

Die Logik dahinter: Wenn die Bank selbst keine Strafzinsen mehr für das Parken von Geld bei der Zentralbank zahlen muss, will sie dies auch nicht mehr von ihren eigenen Kunden verlangen. Allgemein wird erwartet, dass die Notenbank schon bald die Zinsen anheben wird, um der hohen Inflation entgegenzuwirken. Ein erster Zinsschritt könnte schon im Juli erfolgen. Derzeit müssen die Banken noch 0,5 Prozent Strafzins bei der EZB bezahlen.

Für den Fall, dass diese sogenannte Einlagenfazilität wieder auf mindestens Null angehoben wird, haben bereits zahlreiche weitere große Banken ein Ende der Negativzinsen für Privatkunden in Aussicht gestellt, wie eine aktuelle Umfrage des Verbraucherportals Biallo ergeben hat. "Für den Fall, dass der Satz der Einlagenfazilität null oder größer beträgt, entfällt dann die Erhebung des Verwahrentgelts im Privatkundengeschäft", erklärte etwa die Deutsche Bank. Bei der Commerzbank heißt es: "Sobald die Zinsen die Nulllinie erreichen, werden wir die Guthabenentgelte zurückfahren." Andere Institute äußerten sich ähnlich. 

Ob und wie schnell die Negativzinsen wieder komplett vom Markt verschwinden, bleibt abzuwarten. Laut dem Vergleichsportal Verivox erheben aktuell 455 Geldinstitute Negativzinsen für Privatkunden. Das Finanzportal Biallo zählt sogar 582 Banken und Sparkassen mit Verwahrentgelt. Die Welle an Instituten, die Negativzinsen eingeführt haben, hatte sich zuletzt schon deutlich abgeschwächt. Nun könnte sie gebrochen werden.

Dass die ING es mit der Abschaffung der Negativzinsen so eilig hat, liegt auch daran, dass sie Ärger mit Bestandskunden vermeiden will, die der Einführung noch gar nicht zugestimmt haben. Das ist nämlich laut BGH-Urteil erforderlich. Die Bank schreibt dazu: "Die ING Deutschland erwartet, durch die Erhöhung der Freibeträge insbesondere auch die Kunden zu überzeugen, die den Allgemeinen Geschäftsbedingungen inklusive Verwahrentgelt bisher noch nicht zugestimmt haben, und dass die Bank damit weniger Kunden kündigen wird als zuletzt geplant."

Zudem ist auch rechtlich noch nicht abschließend geklärt, ob Verwahrentgelte überhaupt zulässig sind. Einige Gerichte hatten Negativzinsen zuletzt für unzulässig erklärt.

Quellen: ING / Biallo / Verivox

Mehr zum Thema

Newsticker