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Jubiläum: 50 Jahre Verbraucherschutz

Drei Buchstaben machten den Verbraucherschutz in Deutschland prominent - BSE. Gearbeitet wurde für die Verbaucher aber schon viel länger - und die Liberalisierung der Märkte macht ihn ganz unverzichtbar.

Erst BSE brachte den Durchbruch: Als im November 2000 erstmals bei einem deutschen Tier die Rinderseuche entdeckt wurde, kam seine große Stunde. Von Schnelltests und Einfuhrverboten war die Rede - gar von einem eigenen Ministerium. Nur knapp sechs Wochen später war es so weit: Am 11. Januar 2001 wurde das Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft geschaffen - mit der Grünen-Politikerin Renate Künast an der Spitze. Am Donnerstag feiert die Verbraucherarbeit in Deutschland ihren 50. Geburtstag mit einem Festakt in Berlin.

Wende kam erst mit BSE

In den 80er und 90er Jahren habe es eine Eiszeit in der Verbraucherarbeit gegeben, sagt die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Edda Müller. Die öffentliche Finanzierung sei gekürzt worden, gleichzeitig habe die Liberalisierung der Märkte diese unüberschaubarer gemacht. "Eigentlich hätte die Liberalisierung im Gegensatz zu der tatsächlichen Entwicklung zu einer Stärkung der Aktivitäten der unabhängigen Beratung führen müssen." Erst mit der BSE-Krise sei auf Bundesebene eine positive Wende zu verzeichnen.

Geburtsstunde schlug vor 50 Jahren

Die Geburtsstunde des Verbraucherschutzes war vor 50 Jahren die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) am 30. April 1953. "Damals hatten wir eine Situation des unkritischen Nachhol- und Anschaffungskonsums", sagt Müller, deren Bundesverband im Jahr 2000 die Nachfolge der AgV antrat. Der Beratungsbedarf in den 50er Jahren war groß - das Wirtschaftswunder hatte neue Geräte wie Waschmaschinen und Elektrogeräte auf den Markt gebracht. Der Verbraucher hatte im Umgang damit noch keine Erfahrung.

Produktvergleiche wurden möglich

Die Bedeutung der Informationen für Verbraucher wird erstmals 1961 in einem vergleichenden Warentest von Waschmitteln deutlich. "Die vor den Gerichten erstrittene Möglichkeit, im Vergleich der Waren Ross und Reiter zu nennen, war ein großer Erfolg", sagt Müller. Der Streit mit der Wirtschaft, die sich mit allen juristischen Möglichkeiten gegen den Test wehrte, führte 1964 zur Gründung einer eigenständigen Organisation: Die Stiftung Warentest ist heute Inbegriff von Verbraucherschutz.

Wider den unlauteren Wettbewerb

Ein Jahr später erringt die AgV einen Erfolg, der die weitere Arbeit prägt: Verbraucherverbände erhalten die Möglichkeit, die Unterlassung unlauteren Wettbewerbs gerichtlich zu erzwingen. Parallel wurden in allen Bundesländern Verbraucherzentralen eingerichtet.

Mittlerweile 16 Verbaucherzentralen

"Viel Idealismus hat dabei Pate gestanden hat", sagte eine der Pionierinnen der Verbraucherarbeit, Irmgard von Meiborn, die schon 1953 dabei war. Der Verbraucherschutz habe zu der Zeit in seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung noch keine offizielle Anerkennung gefunden. Heute bearbeiten bundesweit 16 Verbraucherzentralen mit rund 220 Beratungsstellen jährlich rund vier Millionen Anfragen.

Breites Themenspektrum

Die Themen wandelten sich mit der Zeit: Anfangs waren es Fragen zu Preisen und Haushaltsführung, die den Leuten auf den Nägeln brannten, heute reicht das Spektrum von Rechtsfragen über Altersvorsorge bis hin zu Schuldnerberatung. Ernährung war immer ein Thema: Von der Sorge, wie man mit "exotischen" Früchten wie der Paprika richtig kocht bis hin zu Informationen über Schadstoffe in Babynahrung. Andere Stichworte waren die Folgen der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl und Lebensmittelskandale wie Nitrofen in Futtermitteln oder Geflügelpest.

Wachsende Risiken für Verbraucher

Heute umfasst die Verbraucherpolitik praktisch alle Bereiche des Konsums. Globale Warenströme und die Entwicklung des Internet verschärfen den internationalen Wettbewerb. Damit wachsen aber auch die Risiken für Verbraucher. "Die weltweite Arbeitsteilung führt dazu, dass man kaum noch kontrollieren kann, woher ein Produkt kommt", sagt Müller. 50 Jahre nach seinen Anfängen sei der Verbraucherschutz damit aktueller denn je. Er steht vor neuen und immer komplexeren Herausforderungen - oder wie Müller sagt: "Es gibt noch viel zu tun."