Karstadt-Kauf Arcandor will nun doch mit Metro verhandeln


Der Widerstand des Handelskonzerns Arcandor gegen einen Karstadt-Verkauf bröckelt: Arcandor und Metro werden über eine Zusammenlegung von Kaufhof und Karstadt sprechen, teilte der Konzern mit. EU-Kommissar Verheugen stellte derweil klar, die Europäische Union habe Hilfe für Arcandor keinesfalls ausgeschlossen.

Der Handels- und Tourismuskonzern Arcandor ist bereit, mit der Metro-Gruppe über die Zusammenlegung von Kaufhof und Karstadt zu einer deutschen Warenhaus AG zu verhandeln. Arcandor und Metro hätten inzwischen ein Spitzengespräch über eine solche Lösung vereinbart, sagte Konzernsprecher Gerd Koslowski am Donnerstag in Essen. "Es muss ein gemeinsames Konzept erarbeitet und geprüft werden, ob die Zusammenlegung der Warenhäuser eine Option ist." Gleichzeitig müssten solche Gespräche aber auf Augenhöhe stattfinden. Das Treffen soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in der kommenden Woche stattfinden. Bislang hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eine Karstadt-Übernahme durch Metro abgelehnt.

Trotz des Gesprächstermins und der schwindenden Aussicht auf staatliche Hilfen, hält Arcandor aber auch an seiner Strategie zur Rettung der notleidenden Karstadt-Warenhäuser fest: "Wir brauchen kurzfristig eine Finanzierung und sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir die Kriterien für den Wirtschaftsfonds erfüllen", sagte Koslowski. Das Unternehmen bleibe in dem Verfahren und wolle die Entscheidung des Lenkungsausschusses des Deutschlandfonds über die beantragten Bürgschaftshilfen abwarten.

Derweil sprach Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin mit Metro-Chef Eckhard Cordes über die Zukunft von Arcandor. Wie aus Regierungskreisen verlautete, präzisierte Cordes dabei seine Pläne für einen Zusammenschluss der Karstadt-Warenhäuser von Arcandor mit der eigenen Kaufhof-Kette. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Der Konzern braucht bis zum 12. Juni Kreditgarantien von 650 Millionen Euro, um eine Insolvenz abzuwenden. Alle Möglichkeiten, die die Politik aufzeige, würden intensiv geprüft, betonte Koslowski. Hierzu gehören vor allem Rettungsbeihilfen des Bundes, die unabhängig vom milliardenschweren Nothilfefonds gewährt werden können.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) erklärte unterdessen, die Europäische Union habe Staatshilfen für Arcandor nicht kategorisch ausgeschlossen. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes habe lediglich eine Prüfung von Beihilfen angekündigt. "Zum Inhalt der Sache hat die Kommission überhaupt nichts gesagt", stellte Verheugen im Deutschlandfunk klar.

Der Kommissar erläuterte, dass Rettungs- und Umstrukturierungsbeihilfen für marode Konzerne in Brüssel angemeldet werden müssten. Dazu müsse ein Umstrukturierungsmodell vorliegen. "Das prüft die Kommission auf seine ökonomische Stichhaltigkeit hin, und wenn das ein Geschäftsmodell ist, das die Garantie dafür gibt, dass das Unternehmen hinterher erfolgreich am Markt bestehen kann, genehmigt die Kommission die Beihilfen." Dass die EU am Mittwoch gesagt habe, Arcandor-Hilfen könnten nicht genehmigt werden, "ist einfach falsch", betonte Verheugen. Gleichwohl habe sie darauf hingewiesen, dass die Schwierigkeiten von Arcandor nicht erst mit der großen Krise angefangen, sondern schon vor dem 1. August 2008 bestanden hätten.

DPA/AP AP DPA

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