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KarstadtQuelle: Bald nur noch Mieter im eigenen Haus

KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff plant den Befreiungsschlag: Durch den Verkauf von 174 Immobilien, darunter auch die 97 dem Konzern noch gehörenden Waren- und Sporthäuser, will er die Kassen des Handelsriesen füllen.

Durch den Verkauf soll KarstadtQuelle von der drückenden Schuldenlast befreit werden, die vom Unternehmen mit immer noch 2,5 Milliarden Euro zum Jahresende 2005 beziffert wird. Rund 3,7 Milliarden Euro sollen dabei sofort in die Kassen des Konzerns fließen. So soll das Unternehmen noch in diesem Jahr von hohen Zinslasten befreit und die auf einen dramatischen Tiefstand von drei Prozent abgesunkene Eigenkapitalbasis endlich wieder aufgestockt werden.

Eigenkapitalbasis verbessern

"Wie wollen Sie einen Konzern dieser Größenordnung mit nur drei Prozent Eigenkapital steuern?", fragte Middelhoff am Montag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf in die Journalistenrunde. Die Antwort gab sich der Manager gleich selbst: "Da kann es passieren, dass Sie zwischendurch auch ganz ohne Eigenkapital dastehen."

Noch auf dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2005 hatte die Eigenkapitalquote bei mageren 5,1 Prozent gelegen, zusammen mit einem Schuldenstand von damals 4,5 Milliarden Euro. Ziel ist nun eine komfortable Ausstattung mit Eigenkapital in der Größenordnung von mehr als 20 Prozent. "Eine solche Transaktion hätten wir vor einem Jahr noch nicht durchführen können", ist sich Middelhoff sicher. Mit einer nun wieder gefüllten Geldbörse ist der Chef des Handelsriesen nun auch künftig Einkaufstouren nicht mehr abgeneigt: "Wo sich attraktive Möglichkeiten zeigen, haben wir jetzt die Freiheit, da auch zuzugreifen."

Sanierung bis 2008

Im Jahr 2008 soll der langjährige Krisenkonzern nach dem Willen von Middelhoff "durchgreifend saniert" sein und auf den drei Säulen Warenhäuser, Versandhandel und Reise stehen. Vor allem im Reisegeschäft würde Middelhoff seinen 50-prozentigen Anteil an Thomas Cook gern weiter ausbauen. "Wenn uns Aktien angeboten würden, würden wir sofort zugreifen", sagte er. Auch der geplante Ausbau der überwiegenden Mehrheit der Warenhäuser zu "hochmodernen Service-Einkaufscentern" soll hohe Millionensummen verschlingen.

Der Preis dafür ist der Verkauf von bislang zum Unternehmen gehörenden Immobilien im Gesamtwert von 7,1 Milliarden Euro. Selbst in der Essener Konzernzentrale will das Management künftig nur noch Mieter sein. Auch in den zu Luxushäusern umgebauten künftigen Flaggschiffen des Konzerns ist KarstadtQuelle künftig nicht mehr Herr im Haus. Insgesamt sollen sich die Mietzahlungen auf jährlich rund 259 Millionen Euro summieren. Unterm Strich sollen dem jedoch nach Berechnungen des Unternehmens vor allem durch eingesparte Zinszahlungen in hoher dreistelliger Millionenhöhe Einsparungen von mehr als 100 Millionen Euro gegenüberstehen. "Für uns sind noch viele Fragen offen, die wir noch klären müssen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di am Montag in Berlin.

Uta Knapp/DPA / DPA
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