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Katholiken: Zehn Gebote für Unternehmer

"Zügele Deine Begehrlichkeit." "Achte das Eigentum anderer" - so heißen zwei der zehn Gebote, die der Bund Katholischer Unternehmer aufgestellt hat. Marie-Luise Dött ist Chefin des Bundes und spricht mit Martina Fietz über Gott und Euro.

Als Ursache für die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise wird unter anderem ein Ausufern des Marktes gesehen, in dem moralische Ansprüche nichts mehr galten. Hat man im Bund Katholischer Unternehmer (BKU) diese Gefahr aufziehen sehen?

Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht selbstherrlich sage: "Davor haben wir schon lange gewarnt." Aber es stimmt, dass der Bund Katholischer Unternehmer schon seit vielen Jahren darauf hinweist, dass eine Wirtschaft, die nicht mehr auf moralische Werte setzt, in die Sackgasse führt. Im Jahr 2006 etwa haben wir "Zehn Gebote für Unternehmer" vorgelegt, die auf viele Arten von Fehlverhalten hinweisen, die in den vergangenen Monaten zur Krise geführt haben.

Wie muss ethisch verantwortbares Wirtschaften aussehen?

Bleiben wir bei unseren "Zehn Geboten": Darin fordern wir unter anderem: "Achte das geistige und materielle Eigentum anderer" und "Zügele Deine Begehrlichkeit". Das können Sie sehr schön auf den Handel mit hoch spekulativen Finanzprodukten anwenden, der die aktuelle Finanzkrise ausgelöst hat. Ein zentraler Prüfstein für ethisches Verhalten in der Wirtschaft ist auch der Umgang mit den Mitarbeitern: Für uns sind sie keine Kostenstellen, sondern Personen, die wir wertschätzen. Dazu gehört es etwa, dass viele Mitglieder des BKU versuchen, mit der gesamten Mannschaft durch die Krise zu gehen. Wenn Entlassungen aber unvermeidlich werden, ist die Frage des anständigen Umganges bei der Trennung wichtig.

An diesem Freitag wird das 60-jährige Bestehen des BKU gefeiert. Was ist die Kernbotschaft für die Zukunft?

Unsere Kernbotschaft ist zeitlos: Wir müssen die Grundideen der Sozialen Marktwirtschaft leben, die sich als Erfolgsmodell erwiesen hat. Darum erinnern wir gerade jetzt daran, auf welchen Säulen unsere Soziale Marktwirtschaft steht. Darauf, dass der Soziale Ausgleich der Marktergebnisse wichtig ist, weisen andere mehr als deutlich hin. Was dagegen immer wieder - vor allem von uns - deutlich gesagt werden muss ist, dass dieser Ausgleich marktkonform zu geschehen hat; dass zu den konstituierenden Elementen unserer Marktwirtschaft auch die Verbindung von Entscheidung und Haftung gehört, die sich idealerweise im Eigentümer-Unternehmer manifestiert; dass der Staat zwar die Rahmenbedingungen setzen muss, sich aber als wirtschaftlicher Akteur zurückhalten muss; dass die Bestrebungen, Überkapazitäten in bestimmten Industriebereichen wie etwa der Automobilindustrie durch staatliche Eingriffe zu erhalten, höchst problematisch sind; dass der Staat den Wettbewerb fördern und nicht verzerren muss.

Was bedeutet für den BKU, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers die Festansprache hält?

Es ist für uns ganz klar ein Zeichen der Anerkennung, wenn der Ministerpräsident des Bundeslandes, in dem unser Verband seinen Sitz hat, bei unserem Jubiläum auftritt. Außerdem ist Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bekennender Katholik und hat mit seinen Vorträgen zum christlichen Menschenbild schon viel Kritik einstecken müssen.

Erleben Sie innerhalb des BKU Irritationen angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzpolitik unter einer CDU-Bundeskanzlerin?

Ich gebe zu, dass manche Entscheidungen der Politik für unsere Mitglieder im Augenblick schwer nachvollziehbar sind. In meiner Doppelrolle als CDU-Bundestagsabgeordnete und BKU-Vorsitzende sehe ich mich hier in einer wichtigen Vermittlerposition.

Wie erleben Sie die Stimmung an der Parteibasis?

Sehr, sehr differenziert. Viele sind verunsichert, haben aber gleichzeitig große Hoffnung auf gutes Regierungshandeln.

Wie reagieren Sie auf Entrüstung über die Wirtschaftspolitik oder auch die Papst-Kritik der Kanzlerin?

Ich verteidige die Dinge, die ich in der Politik für richtig halte. Die Papst-Kritik von Frau Merkel hielt ich aber als Katholikin für unangemessen.

Wie zutreffend sind Berichte, wonach viele CDU-Stammwähler aus dem katholischen Milieu beziehungsweise vom Wirtschaftsflügel nicht zur Wahl gehen wollen?

Solche Stimmungen gibt es sicherlich. Aber es sind immer noch zwei Dinge, ob ich Monate vor der Wahl mit einem Boykott drohe, und dem was ich am Tag der Wahl dann wirklich mache. Zudem haben katholische Wähler das Verantwortungsbewusstsein, dass jede Stimme zählt.

Was wünschen Sie sich von der CDU-Spitze für den Wahlkampf?

Dass sie sich an die zeitlosen Erfolgsrezepte der Sozialen Marktwirtschaft erinnert und diese auch gegen allen Gegenwind verteidigt.

Interview: Martina Fietz / Cicero
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