Klaus Kleinfeld Siemens-Chef vor Ablösung?


Siemens-Aufsichtsräte suchen nach einem Nachfolger für Vorstandschef Klaus Kleinfeld. "Führende Mitglieder sind der Meinung, dass ein Wechsel an der Konzernspitze der richtige Weg für einen Neuanfang bei Siemens ist", heißt es.
Von Thomas Fromm, Martin Scheele, Matthias Ruch

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der im Präsidium des Siemens-Aufsichtsrates sitzt, treibe die Ablösung voran und spreche "mit einer Reihe von externen Kandidaten". Der designierte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist nach Angaben von Beteiligten eingeweiht.

Als bevorzugte Lösung Ackermanns gilt nach Angaben mehrerer Beteiligter Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Ackermann werde die Nachfolgefrage bis zur Aufsichtsratssitzung am Mittwoch selbst behandeln - dann soll ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Cromme zum neuen Siemens-Chefkontrolleur bestellt werden und die Frage "weiterverfolgen". Er war Ende vergangener Woche als Nachfolger Heinrich von Pierers bestimmt worden, der wegen des Schmiergeldskandals seinen Rückzug angekündigt hatte.

Ackermann argumentiert nach Angaben von Beteiligten, nur eine Ablösung auch Kleinfelds ermögliche einen sauberen Neuanfang. Die Gefahr erst spät erkannter Verstrickungen in die Affäre sei zu groß. Allerdings gibt es darauf bislang keinerlei Hinweise: Die US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton hatte im Konzern ihre Untersuchungen bei Kleinfeld gestartet, damit die Ergebnisse bis zur Sitzung vorliegen. "Kleinfeld ist laut Bericht clean", sagte ein Siemens-Insider.

Die Entscheidung über die Zukunft Kleinfelds sei daher noch offen, hieß es im Umfeld des Konzerns. "Im Aufsichtsrat wird zurzeit heftig diskutiert." Kleinfeld habe Gegner und Unterstützer sowohl im Arbeitnehmerlager als auch auf der Kapitalseite. Unwahrscheinlich sei daher, dass eine Entscheidung bereits in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch getroffen werde. Kleinfelds Vertrag läuft am 30. September aus. "Wünschenswert wäre, am Mittwoch überhaupt nichts zu entscheiden und die Personalie auf die nächste Aufsichtsratssitzung in drei Monaten zu verschieben." Bis dahin könne Linde beispielsweise die Möglichkeit gegeben werden, einen Ersatz für Reitzle zu suchen. Finde sich bis dahin kein Nachfolger für Kleinfeld, werde man ihm möglicherweise auch einen neuen Vertrag anbieten.

Die Personalie droht damit den Konzern mit seinen 480.000 Beschäftigten über Monate zu lähmen. Es gilt als unsicher, wie Kleinfeld reagiert, falls sein Vertrag am Mittwoch nicht verlängert wird. Sollte er seinen Verzicht andeuten und darauf der Aktienkurs einbrechen, würde das eine Ablösung Kleinfelds erschweren. Die Siemens-Aktie hat seit Jahresbeginn um gut 22 Prozent zugelegt, der Dax lediglich um elf Prozent.

Zwar hatte Kleinfeld nach dem Desaster mit dem inzwischen insolventen Handy-Hersteller BenQ-Mobile scharfe Kritik einstecken müssen. Zuletzt hat der 49-Jährige aber wichtige Ziele erreicht: Am Donnerstag wird er nach Informationen der "Financial Times Deutschland" sehr gute Halbjahreszahlen und ein neues Dreijahresprogramm präsentieren. Weder Siemens noch ThyssenKrupp oder Linde kommentierten die Informationen. Ackermann war nicht zu erreichen.

FTD

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