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US-Wahlkampf: Alle gegen Trump – aber ist der zu schlagen?

23 Demokraten wollen gegen ihn antreten. Dabei geht es bei der Suche nach dem nächsten Präsidentschaftskandidaten um eine einzige Frage: Wer kann Donald Trump besiegen?

Donald Trump: Der Wahlkampf der Demokraten um seine Ablösung beginnt

Seine Fan-Basis bleibt ihm treu, seit seinem Amtsantritt lässt sich Donald Trump von ihr feiern. Aber es gibt erste Zeichen, dass nicht wenige seiner Wähler von ihm enttäuscht sind.

Großes fängt ja oft klein an. Elizabeth Warren steht im Garten von Bridget Saffold, gleich hinter dem graublauen Holzhaus in der Ankeny Street in Waterloo, im Nordosten von Iowa. Auf der Terrasse wird gegrillt. Etwa 200 Leute sind gekommen, sie sitzen unter einem Kastanienbaum, genießen den Frühlingsabend Anfang Juni. Zu einer "Hausparty mit Elizabeth Warren" hat Bridget eingeladen. Die 42-jährige Krankenschwester, alleinerziehende Mutter von vier Kindern, will wissen, was Warren, die Frau, die sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt, vorhat mit Waterloo, mit Iowa, mit Amerika.

Elizabeth Warren, 69, hat ihren Mann mitgebracht. "Stand up, Sweetie", ruft sie ihm fröhlich zu. Ihr Sweetie Bruce steht auf und winkt schüchtern.

Für Donald Trump hat der Wahlkampf begonnen

Warren will zeigen, dass sie genau die Richtige ist, um als erste Frau das Land zu führen. Dafür braucht es natürlich auch Sympathie und große Gefühle, also erzählt sie der Partyrunde, wie ihr Vater Anfang der 60er Jahre, als sie noch zur Schule ging, einen schweren Herzinfarkt erlitt und seine Arbeit als Teppichhändler aufgeben musste. Wie ihre Mutter sich einen Telefonjob besorgte und damit das Eigenheim und die Familie rettete. "Das ist auch eine Geschichte über Amerika", sagt Warren. Darüber, für wen ein Präsident da zu sein habe. "Als ich ein Kind war, hat sich die Regierung gefragt, wie hoch der Mindestlohn sein muss, damit eine dreiköpfige Familie davon leben kann. Heute fragt die Regierung, wie niedrig der Lohn sein muss, damit Großunternehmen trotzdem noch Milliardengewinne einfahren können."

Trumps Wahlkampf dreht sich um Trump. Seine Gegner greift er frontal an – damit muss der nächste demokratische Kandidat umgehen können.

Trumps Wahlkampf dreht sich um Trump. Seine Gegner greift er frontal an – damit muss der nächste demokratische Kandidat umgehen können.

Es ist Wahlkampf in den USA, schon wieder. Noch sind es über 16 Monate bis zur nächsten Präsidentschaftswahl am 3. November 2020, in der Hochgeschwindigkeitspolitik von heute eine schier endlose Zeit. Aber seit Wochen schon laufen sich sage und schreibe 23 demokratische Kandidaten warm, so viele wie nie zuvor. In den Bundesstaaten, in denen im Februar und März 2020 die ersten Vorwahlen stattfinden, kämpfen sie bereits um jeden Wähler.

Nächste Woche findet in Miami die erste große Kandidatendebatte der Demokraten statt, sie wird live im Fernsehen übertragen. Für den Amtsinhaber Donald Trump hat der Kampf um seine Wiederwahl ohnehin längst begonnen, genau genommen an dem Tag, an dem er als Präsident vereidigt worden ist.

Alle gegen einen – das ist die Ausgangslage. Das Feld der demokratischen Herausforderer ist breit und bunt. Eine Bestsellerautorin spiritueller Selbsthilfebücher ist dabei, Senatoren treten an, Bürgermeister, Etablierte und junge Hoffnungsträger, 17 Männer und sechs Frauen. Was nach neuer Vielfalt der Demokraten aussieht, ist in Wahrheit eine Schwäche: Die Partei hat keine starke Figur, keinen natürlichen Herausforderer. Nur ein paar sind den meisten Amerikanern überhaupt ein Begriff: Joe Biden und Bernie Sanders etwa, Elizabeth Warren, Pete Buttigieg, Kamala Harris, Beto O'Rourke – das war's dann auch schon. Für Trump muss das nicht unbedingt ein Vorteil sein. Er braucht einen Gegner, den er attackieren kann. Solange er nicht weiß, auf wen er trifft, läuft sein Wahlkampf ins Leere.

Eine tonnenschwere Last

Alle wissen, was auf dem Spiel steht: Gewinnt Donald Trump ein zweites Mal, darf er vier weitere Jahre als Präsident und oberster Befehlshaber wüten, dann drohen der amerikanischen Demokratie irreparable Schäden. Trump könnte sie endgültig in eine Autokratie verwandeln. Er ist bereits auf dem Weg dorthin, der Bericht des Sonderermittlers Robert Mueller zur Russlandaffäre hat Trumps Präsidentschaft als korruptes, demokratiefeindliches, moralisch bankrottes System entblößt. Von den Folgen eines erneuten Triumphs für die internationale Ordnung mal ganz abgesehen. Man kann ja bereits in diesen Tagen im Golf von Oman sehen, wohin Trumps Politik des Vertragsbruchs und der Drohungen gegenüber dem Iran führt: an den Rand eines ungewollten Kriegs. Wer auch immer am Ende der Präsidentschaftskandidat der Demokraten sein wird – er oder sie wird eine tonnenschwere Last zu tragen haben.

Niemand im Kandidatenfeld ist so erfahren wie der 76-jährige Joe Biden. Zwei Mal ist er schon angetreten. Er war acht Jahre Vizepräsident unter Obama, gehört zu den beliebtesten Politikern der Demokraten, gilt als hemdsärmelig und genießt einen guten Ruf unter Arbeitern. Biden ist der Kandidat der Mitte. Allerdings ist die Partei nach links gerückt, viele halten ihn auch fü r zu alt. Sein Ziel: "Make America America again" – Amerika zu versöhnen und das Ansehen in der Welt wiederherzustellen.   

Niemand im Kandidatenfeld ist so erfahren wie der 76-jährige Joe Biden. Zwei Mal ist er schon angetreten. Er war acht Jahre Vizepräsident unter Obama, gehört zu den beliebtesten Politikern der Demokraten, gilt als hemdsärmelig und genießt einen guten Ruf unter Arbeitern. Biden ist der Kandidat der Mitte. Allerdings ist die Partei nach links gerückt, viele halten ihn auch fü r zu alt. Sein Ziel: "Make America America again" – Amerika zu versöhnen und das Ansehen in der Welt wiederherzustellen.   

Elizabeth Warren konzentriert sich bei der Hausparty in Waterloo darauf, die amerikanische Mittelklasse zu retten. Die werde seit Jahren übers Ohr gehauen, von großen Unternehmen und der Politik systematisch benachteiligt, sagt sie. Sie wolle diese Ungerechtigkeit beenden. "Dafür habe ich einen Plan", ruft sie. Da jubeln die Zuhörer. Das ist Warrens Markenzeichen. Sie ist die Frau mit dem Plan.

Die Senatorin aus Massachusetts, die ehemalige Starprofessorin der berühmten Harvard Law School, der Schrecken der Wall Street – Warren legt seit Wochen ein Programm nach dem anderen vor, wie sie die amerikanische Wirtschaft umkrempeln will. Ihr "I've got a plan for that" ist ein Renner im Internet, wird auf T-Shirts und Tragetaschen gedruckt. Sie ist die Frau der Stunde unter den Herausforderern. In fast allen Umfragen liegt die Hoffnungsträgerin der Progressiven auf Platz drei, hinter Joe Biden, dem Traditionalisten, und Bernie Sanders, dem demokratischen Sozialisten, Tendenz steigend.

Katastrophen-Faszination

"Ich habe vor niemandem Angst", sagt die kleine, schmächtige Frau und präsentiert im Schnelldurchlauf ihren Plan: Reichensteuer von zwei Prozent, kostenloses Studium an allen öffentlichen Universitäten, Zerschlagung der großen Tech-Unternehmen wie Google, Facebook und Amazon. Bei jedem einzelnen Vorschlag erntet sie stürmischen Beifall. Der Warren-Plan bedeutet nicht weniger als eine Revolution. "Es gibt einen Hunger nach großer Veränderung", sagt sie. Dass dieser Hunger der Wähler, ihre Gesellschaft grundlegend umzubauen, tatsächlich so groß ist, zweifeln jedoch sogar viele in Warrens eigener Partei an.

Bernie Sanders ist immer noch da oder schon wieder, und wie bereits 2016 nervt er nicht nur seine Gegner, sondern auch die Demokraten. Die macht er für den Aufstieg Trumps mitverantwortlich. Senator in Vermont, bekennender Sozialist. Eigenwillig und charakterstark, manche sagen: stur. Obwohl mittlerweile 77, kommt auf seinen Messen immer noch Revolutionsromantik auf. Die jungen Linken stehen auf ihn. Sein Ziel: Weniger Macht den Eliten, Krankenversicherung für alle, kostenloses Studium.

Bernie Sanders ist immer noch da oder schon wieder, und wie bereits 2016 nervt er nicht nur seine Gegner, sondern auch die Demokraten. Die macht er für den Aufstieg Trumps mitverantwortlich. Senator in Vermont, bekennender Sozialist. Eigenwillig und charakterstark, manche sagen: stur. Obwohl mittlerweile 77, kommt auf seinen Messen immer noch Revolutionsromantik auf. Die jungen Linken stehen auf ihn. Sein Ziel: Weniger Macht den Eliten, Krankenversicherung für alle, kostenloses Studium.

Den Namen Donald Trump erwähnt Warren an diesem Sonntagabend im Garten von Bridget Saffold kein einziges Mal. So als habe Amerika viel größere Probleme. Dabei schaut das Land eigentlich immerzu auf Trump, es kann sich dieser Katastrophen-Faszination einfach nicht entziehen. Der Präsident bestimmt die Themen, die Schlagzeilen, das Tempo. Er gibt auf Twitter seinem Land den Herzschlag vor. Dabei ist es keineswegs so, dass er ein einziges der vielen Probleme löst, die vor seiner Haustür liegen, im Gegenteil. Die Vereinigten Staaten sind in einem rasenden Stillstand gefangen.

Als der französische Botschafter in Washington im Frühjahr dieses Jahres seinen Posten räumte, zitierte er ein chinesisches Sprichwort: "Wenn der Finger auf den Mond zeigt, dann schaut der Narr auf den Finger und der weise Mann auf den Mond." Der Finger, das ist in diesem Bild Donald Trump, und der Mond die Krise Amerikas. Das politische Washington, sagte Botschafter Gérard Araud, sei geradezu besessen von Donald Trump.

Programm oder Persönlichkeit?

Wie auch nicht? Alles, was der Präsident tut, ist grotesk, gefährlich, außerhalb jeder Norm. Das macht den Wahlkampf für die Demokraten so unberechenbar. Seit Hillary Clintons überraschender Niederlage 2016, bei der sie gründlich missverstanden hat, was vor allem ihre Wähler in den einstigen Industriehochburgen Michigan, Pennsylvania und Illinois bewegt, weiß die Partei nicht mehr so recht, wie ein Rennen ums Weiße Haus in diesen verrückten Zeiten überhaupt zu führen, geschweige denn zu gewinnen ist.

Trump im Nahkampf stellen? Ihn ignorieren? Allein auf die Persönlichkeit des Herausforderers setzen? Oder auf ein politisches Programm? Ist ein weißer Mann der ideale Kandidat, der die verloren gegangenen Wähler in den alten Industrieregionen des Mittleren Westens zurückgewinnt? Oder eine jüngere farbige Frau, die das andere, neue Amerika verkörpert? Der harte Auswahlprozess in der Partei dient auch dazu, die richtigen Antworten zu finden.

Den Demokraten sitzt ihre Angst vor Donald Trump im Nacken. Nancy Pelosi, als Sprecherin des Repräsentantenhauses die einflussreichste Figur in der Partei, hat Anfang Mai sogar die Befürchtung geäußert, der Präsident könnte, sollte er die Wahl 2020 knapp verlieren, anschließend die öffentliche Meinung vergiften und einen Sieg der Demokraten einfach nicht anerkennen. Undenkbar? Was ist bei Trump schon undenkbar?

Elizabeth Warren positioniert sich als Champion der Mittelklasse, hier beim Besuch einer Ethanolfabrik in Iowa

Elizabeth Warren positioniert sich als Champion der Mittelklasse, hier beim Besuch einer Ethanolfabrik in Iowa

Wie normal kann da ein Wahlkampf sein gegen einen Präsidenten, der ständig lügt, gegen Gesetze verstößt, die Verfassung attackiert? Die Frage wird immer drängender, ob die Demokraten gegen einen solchen Präsidenten nicht schon jetzt ein Amtsenthebungsverfahren einleiten müssten – auch wenn der zu erwartende Kampf mit den Republikanern im Kongress den ganzen Wahlkampf überschatten wird.

Trump macht einfach unbeirrt weiter. Bei einem Besuch in Kalifornien im April zum Beispiel forderte er die Grenzpolizisten auf, einfach keine Migranten mehr ins Land zu lassen. Sie sollten behaupten, es gebe keine Unterkünfte, um sie aufzunehmen. Und wenn ein Richter Probleme mache, sollten sie sagen: "Sorry, Richter. Wir haben keinen Platz." Die Vorgesetzten mussten hinterher klarstellen, dass kein Grenzpolizist dazu befugt sei zu lügen, sie müssten sich an die Gesetze halten.

Machtmissbrauch

Trump hat allen Institutionen, die seine Macht laut Verfassung kontrollieren und einhegen sollen, den Krieg erklärt. Als der Kongress sich weigerte, Geld für die Mauer an der Grenze zu Mexiko freizugeben, rief er den nationalen Notstand aus. Und als das Parlament von Trump Dokumente zu dessen Finanzgebaren anforderte, ließ dieser seinen Anwalt erklären, der Kongress habe keine Befugnis, gegen ihn zu ermitteln. Mit dem Argument hätte es im Watergate-Skandal keine Ermittlungen gegeben.

Dieser Machtmissbrauch besorgt Paul Rosenzweig so sehr, dass er vor einigen Wochen in Washington im Rayburn House in Raum 2142 als Zeuge aussagte. Hier tagte der Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses. Rosenzweig ist einer der angesehensten Verfassungsrechtler des Landes, seine Expertise ist gefragt. Auf der Tagesordnung standen an diesem Mittwoch vordergründig technische Fragen: Wann darf der Kongress was vom Weißen Haus anfordern? Doch eigentlich ging es, wie oft in diesen Tagen, um die Rettung der amerikanischen Demokratie vor ihrem eigenen Präsidenten.

Elizabeth Warren ist vielleicht die Schlaueste aller Kandidaten – und hat die klarsten Vorstellungen, wie sie das Land umgestalten will. War Juraprofessorin in Harvard. Heute ist die 69-Jährige Senatorin in Massachusetts. Ging erst spät in die Politik: 2012. Offene Frage, ob sie die Härte und Finesse für ganz oben hat. Ließ sich von Trump ("Pocahontas") wegen ihrer angeblichen indianischen Abstammung in die Falle locken. Ihr Ziel: Weniger Macht für große Unternehmen, viel mehr Geld für die Mittelschicht.

Elizabeth Warren ist vielleicht die Schlaueste aller Kandidaten – und hat die klarsten Vorstellungen, wie sie das Land umgestalten will. War Juraprofessorin in Harvard. Heute ist die 69-Jährige Senatorin in Massachusetts. Ging erst spät in die Politik: 2012. Offene Frage, ob sie die Härte und Finesse für ganz oben hat. Ließ sich von Trump ("Pocahontas") wegen ihrer angeblichen indianischen Abstammung in die Falle locken. Ihr Ziel: Weniger Macht für große Unternehmen, viel mehr Geld für die Mittelschicht.

Er sei seit frühester Jugend Republikaner, führte Rosenzweig aus, aber in dieser Sache stehe er auf der Seite der Demokraten. Trump handle verfassungswidrig, wenn er die Untersuchungen des Kongresses blockiere.

"Es war eine deprimierende Veranstaltung", sagt Rosenzweig rückblickend. "Es gibt zwischen Demokraten und Republikanern keine gemeinsame Basis mehr. Es wurde viel geschrien." Die Republikaner seien längst ein Subunternehmen des Trump-Imperiums. Jeder, der sich gegen den Präsidenten stelle, bekomme den Zorn von dessen fanatischer Basis an der Wahlurne zu spüren. Deswegen gebe es auch keinen wirklichen Herausforderer in der eigenen Partei. Rosenzweig hingegen wollte mit seinem Auftritt den eigenen Leuten klarmachen, dass eine republikanische Gesinnung nicht bedeute, Speichellecker des Präsidenten zu sein, sondern die amerikanischen Werte hochzuhalten. Es war vergebens.

"Bisher ist es dem Parlament und den Gerichten gelungen, den Präsidenten in die Schranken zu weisen", sagt Rosenzweig. "Was aber, wenn er demnächst eine Entscheidung des Supreme Court ignoriert?"

Wut

Ein Typ wie Trump, sagt Rosenzweig, sei von den Vätern der Verfassung schlichtweg nicht vorgesehen gewesen. Als damals die Frage aufgekommen sei, ob der Präsident nicht zu viel Macht besitze, habe James Madison, einer der Väter der amerikanischen Verfassung, geantwortet: Niemand, der Präsident wird, ist schlecht. Er ist ein guter Mensch, weil er gewählt worden ist. "Madison hat sich getäuscht", sagt Rosenzweig. "Der Präsident hat so viele Verbrechen begangen, er wäre längst schon angeklagt, wenn er nicht im Weißen Haus sitzen würde". Rein rechtlich gesehen, so der Jurist, müssten die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren einleiten.

Für die Demokraten ist das aber nicht nur eine juristische, sondern vor allem eine politische Frage. Sie droht die Partei zu zerreißen. Die einen, vor allem linke Demokraten, unter ihnen auch Warren und Sanders, wollen den Präsidenten mit seinen Straftaten nicht davonkommen lassen und fordern, endlich mit einem Impeachment-Verfahren loszulegen. Die anderen, erfahrene und pragmatische Funktionäre um Nancy Pelosi, warnen vor den politischen Folgen eines solchen Schrittes. Bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen vor zwei Wochen brach erbitterter Streit über den Umgang mit Trump aus. Pelosi reagierte entschieden: "Ich will kein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn sehen. Ich will ihn im Gefängnis sehen!" Sie will Trump politisch besiegen, damit er nach der Niederlage seine Immunität verliert und angeklagt werden kann.

Pete Buttigieg spricht bei einer Gartenparty. Diese Treffen stehen für die Kandidaten oft am Anfang ihres Wahlkampfes.

Pete Buttigieg spricht bei einer Gartenparty. Diese Treffen stehen für die Kandidaten oft am Anfang ihres Wahlkampfes.

Pelosi glaubt, dass ihre Partei mit einem so radikalen Schritt die Wahlen 2020 verlieren würde. Die meisten Amerikaner halten nicht viel von einem Impeachment. Laut der jüngsten Umfrage sind 33 Prozent dafür, 61 Prozent dagegen. Aussicht auf Erfolg hätte es ohnehin nicht, da die republikanische Mehrheit im Senat das Verfahren zu Fall bringen würde. Pelosi ist überzeugt davon, dass Trump nur darauf wartet, dass die Demokraten gegen ihn vorgehen. Dann könnte er mitten im Wahlkampf in seine Lieblingsrolle schlüpfen: Trump, das Opfer von Washingtoner Intrigen. Nichts lässt die Wut seiner Anhänger in der Provinz höher kochen.

Ein Mann für Nostalgiker

Joe Biden interessiert diese Debatte nicht, er ist überzeugt, dass es nur eines braucht, um Trump aus dem Weißen Haus zu jagen: ihn, Biden. "Ich bin der Einzige, der euch vor weiteren vier Jahren Trump bewahren kann", ruft er seinen Anhängern zu.

Wer Joe Biden in diesen Wochen begleitet, wird mitgenommen auf eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. In Philadelphia sprintet er vor 6000 Zuschauern auf eine große Bühne neben dem Kunstmuseum und wirft wie ein alternder Rockstar seine Jacke in die Menge. Der 76-Jährige kämpft zum dritten Mal um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Wenn es dieses Mal klappen sollte und er auch noch die Wahl gewinnt, dann wäre er der älteste amerikanische Präsident, der jemals die Hand zum Amtseid hob.

Barack Obama adelte den bis dahin unbekannten Pete Buttigieg 2016 als Hoffnungsträger der Demokraten. 37 Jahre alt, homosexuell und bekennender Christ, Bürgermeister einer 100.000-Einwohner-Stadt in Indiana. Ein Tausendsassa, spricht acht Sprachen, diente in Afghanistan, macht auch auf der großen Bühne eine gute Figur. Versucht, mit seinem jugendlichen Profil die verjüngte demokratische Basis zu erreichen. Sein Ziel: Politik für die jungen Generationen, Kampf gegen den Klimawandel.

Barack Obama adelte den bis dahin unbekannten Pete Buttigieg 2016 als Hoffnungsträger der Demokraten. 37 Jahre alt, homosexuell und bekennender Christ, Bürgermeister einer 100.000-Einwohner-Stadt in Indiana. Ein Tausendsassa, spricht acht Sprachen, diente in Afghanistan, macht auch auf der großen Bühne eine gute Figur. Versucht, mit seinem jugendlichen Profil die verjüngte demokratische Basis zu erreichen. Sein Ziel: Politik für die jungen Generationen, Kampf gegen den Klimawandel.

Seine Fans in Philadelphia sehen jedoch nicht sein Alter, sondern seine Erfahrung. Viele Afroamerikaner sind gekommen, einige sogar aus Georgia angereist. Sie schwärmen von seiner Arbeit als Obamas Vizepräsident. Sie sagen, dass es bei dieser Wahl nicht um Programme gehe, sondern nur darum, wer Trump schlagen könne. Und das sei der gute, alte Joe Biden, ein Mann der Mitte und Vernunft, geboren in Scranton, Arbeiterstadt in Pennsylvania.

Biden ist der Mann, der schon immer da war. Er war bereits Senator in Washington, als Donald Trump in New York gerade das Immobiliengeschäft seines Vaters übernommen hatte. So viel Kontinuität ist in diesen aufgeregten Zeiten auch für Anhänger der Demokraten verführerisch.

50er-Jahre-Welt

Biden erzählt gern Geschichten, aus seiner Heimat, von früher, über seine Zeit mit Obama, da geht jedes Mal ein Wärmestrom durch die Menge. Biden will die geschundene Seele Amerikas heilen. Er sagt, dass Trump das Land entzweie und er, Joe, es wieder zusammenbringen werde. Trumps Präsidentschaft, verkündet Biden, sei nichts weiter als ein Betriebsunfall der Geschichte. Er werde die Dinge wieder geraderücken, so, wie sie früher einmal waren.

Die Frage ist jedoch, ob die Lage so rosig war, wie Biden sie malt. Und ob sich die Anhänger der Demokraten die alten Zeiten zurückwünschen. Viele wissen, dass es ein Zurück in die Zeit vor Trump nicht gibt. Nicht in die Obama-Jahre und schon gar nicht in die angeblich so heile 50er-Jahre-Welt der Republikaner.

Als farbige Frau verkörpert Kamala Harris die wachsende Vielfalt unter den Demokraten. Die ehemalige Justizministerin von Kalifornien machte sich ab 2016 im Senat einen Namen mit harten Befragungen von Trumps Kabinettskandidaten. Diese Energie hat sich bisher nicht auf ihren Wahlkampf übertragen. Die 54-Jährige scheut sich oft, Position zu beziehen. Ihr Ziel: Steuersenkungen für die Mittelschicht, Immigrations-Reform.

Als farbige Frau verkörpert Kamala Harris die wachsende Vielfalt unter den Demokraten. Die ehemalige Justizministerin von Kalifornien machte sich ab 2016 im Senat einen Namen mit harten Befragungen von Trumps Kabinettskandidaten. Diese Energie hat sich bisher nicht auf ihren Wahlkampf übertragen. Die 54-Jährige scheut sich oft, Position zu beziehen. Ihr Ziel: Steuersenkungen für die Mittelschicht, Immigrations-Reform.

Die demokratische Partei hat sich seit Hillary Clintons Niederlage gewandelt. Sie ist nach links gerückt, jünger, weiblicher und bunter geworden, hat Forderungen von Klimaschützern und Feministinnen aufgenommen. Biden stand in seiner Karriere bei vielen Positionen, die die Partei heute vertritt, auf der anderen Seite. Er wirkt mitunter wie aus der Zeit gefallen.

Niemand verkörpert die Gegensätze unter den demokratischen Bewerbern deutlicher als Joe Biden und Elizabeth Warren. Er redet über Trump, sie über Amerika. Er weckt Gefühle, sie entwirft große Pläne. Er ist moderat und pragmatisch, sie links und leidenschaftlich. Es ist nicht ausgemacht, wer von beiden die Sehnsüchte der demokratischen Wähler besser bedient und welche Strategie im Kampf gegen Trump mehr Erfolg verspricht.

Angriffslust und Charisma

Vielleicht setzen sich am Ende auch weder Biden noch Warren durch. Sondern Kamala Harris etwa, Senatorin aus Kalifornien mit indisch-jamaikanischen Wurzeln. Die angriffslustige ehemalige Staatsanwältin könnte es am ehesten mit Trumps Aggressivität aufnehmen. Oder der Überraschungsaufsteiger Pete Buttigieg, 37-jähriger Bürgermeister einer Kleinstadt im konservativen Indiana. Der Mann mit maltesischem Nachnamen und aufregender Biografie: Studium in Harvard und Oxford, Job bei McKinsey, Afghanistanveteran. Ein charismatischer Typ, Liebling der Medien. Und nicht zu vergessen: der alte Revoluzzer Bernie Sanders. Der Sozialist kämpft nicht gegen Trump, sondern, wie eh und je, gegen die politischen und wirtschaftlichen Eliten. Anders als Warren will er das System nicht reformieren, sondern zerschlagen. In den vergangenen Wochen allerdings hat Warren viele der progressiven Wähler auf ihre Seite gezogen.

Für Philippe Reines ist das Rennen völlig offen. Einen Favoriten sieht der demokratische Stratege nicht. Er weiß aus Erfahrung nur eines: Durchsetzen werde sich der Kandidat, der die Wähler begeistern könne, mit einer Idee und einem Plan — und der in der Lage sei, gegen Trump in direkter Konfrontation zu bestehen. "Keiner soll glauben, das wird leicht", sagt Reines. Es sei schon für Hillary Clinton hart gewesen. Der Kampf gegen einen Trump im Amt werde ungleich härter. "Trump hat einen psychologischen Vorsprung. Er weiß, er hat bereits einmal gewonnen."

Philippe Reines war Clintons Chefstratege, er hat wie kein Zweiter Trump studiert. Als Clinton sich auf die Fernsehduelle vorbereitete, spielte er für sie Donald Trump. Reines benutzte sogar eine Bräunungscreme. Heute ist er Politikberater. Er ist schwer zu erreichen in diesen Tagen, sein Rat ist gefragt. Was Trump so einzigartig mache? "Er lügt unverfroren. Und er hat einfache Botschaften, die die Leute verstehen." In Clintons Kampagne hätten sie bis zum Schluss nicht geglaubt, dass er damit durchkomme. "Trump wartet nicht darauf, dass sein Gegner Fehler macht. Er erfindet einfach welche."

Beto O’Rourkes Stern ging 2018 auf, als er mit einer intelligenten, modernen Kampagne fast Senator im konservativen Texas wurde. Der Mann mit dem Kennedy-Charme wurde schnell ein Liebling der Medien – und fast genauso schnell wieder links liegen gelassen. 46 Jahre, ehemaliger Punkrocker, ehemaliger Hacker. Setzt auf Social Media und die Begeisterung der Jungen. Hält Reden auf Englisch und Spanisch gleichzeitig. Sein Ziel: Reform der Einwanderungsgesetze, Legalisierung von Marihuana.

Beto O’Rourkes Stern ging 2018 auf, als er mit einer intelligenten, modernen Kampagne fast Senator im konservativen Texas wurde. Der Mann mit dem Kennedy-Charme wurde schnell ein Liebling der Medien – und fast genauso schnell wieder links liegen gelassen. 46 Jahre, ehemaliger Punkrocker, ehemaliger Hacker. Setzt auf Social Media und die Begeisterung der Jungen. Hält Reden auf Englisch und Spanisch gleichzeitig. Sein Ziel: Reform der Einwanderungsgesetze, Legalisierung von Marihuana.

Reines erkennt dieses Muster von damals heute wieder. "Trump hat behauptet, Clinton habe ernste gesundheitliche Probleme. Das gleiche Spiel spielt er jetzt mit Joe Biden. Er behauptet einfach, Biden sei krank." Das Hillary-Team habe damals gedacht, es sei am besten, Trumps Provokationen zu ignorieren. "Das war ein Fehler", sagt Reines heute. "Wer gegen Trump gewinnen will, muss immer und sofort zurückschlagen."

Vor einem halben Jahr noch sei er davon überzeugt gewesen, dass Trump gewinnen werde. Inzwischen glaubt er, einen Stimmungsumschwung zu erkennen, jüngste Umfragen machen ihn optimistisch. Bei der Frage, wen die Amerikaner im direkten Vergleich wählen würden, liegen gleich sechs Demokraten vor Trump. In Führung: Joe Biden, dahinter Sanders, Harris und Warren. Selbst in Schlüsselstaaten wie Pennsylvania, Michigan und Arizona, die Trump 2016 gewonnen hat, verliert er an Zustimmung, trotz guter Wirtschaft und niedriger Arbeitslosenzahlen. Rund 42 Prozent der Amerikaner stehen momentan hinter ihm. Das ist wenig für einen amtierenden Präsidenten. Andererseits auch bemerkenswert viel angesichts seiner desaströsen Bilanz. Bei den Republikanern glauben neun von zehn weiterhin, er mache einen guten Job. Die Unterstützung scheint vor allem bei den Wählergruppen zu bröckeln, die ihn ins Amt brachten. Darunter bereuen vornehmlich ehemalige Obama-Wähler, Trump gewählt zu haben. Am Ende, auch das ist die Lektion von 2016, braucht Trump allerdings nicht die Mehrheit der Stimmen, sondern die der Wahlmänner.

"Keep America great"

Der Präsident hat seinen Wahlkampf in dieser Woche auch offiziell eröffnet. Er will einfach alles wieder so machen wie vor vier Jahren. Sein Slogan "Make America great again" trägt weiter, zusammen mit der neuen Parole "Keep America great". Mehr braucht er nicht, Trump hat ja sich selbst, das reicht ihm. Seine Berater fragte er ständig nur nach seinen persönlichen Umfragewerten. Als er hörte, dass er sogar bei den intern in Auftrag gegebenen Umfragen hinter Biden liege, wies er seine Leute an, das öffentlich abzustreiten.

Ein paar Tage später sagte Trump in einem Interview: "In allen meinen Umfragen liege ich vorn."

So blickt er auch auf die bevorstehende Wahlschlacht. In Michigan hat Trump unlängst die Demokraten so beschrieben: "Ich habe eine bessere Bildung als sie, ich bin klüger als sie, ich ging auf die besten Schulen, sie nicht. Viel schöneres Haus, viel schönere Wohnung, alles viel schöner. Und ich bin Präsident – und sie nicht."

Trump-Memes auf Twitter: Was Trump wirklich auf seine Dekrete zeichnet
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