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Kleidung: Stoffpreise im Sinkflug

Nun ist es nicht so, dass Kleidung in den vergangenen Jahren teurer geworden wäre. Im Gegenteil. Weil aber jetzt Exportschranken für chinesische Textilien fallen, werden Hemden, Anzüge und Kostüme wohl noch billiger.

Gute Nachrichten für Verbraucher: 2005 dürften die Preise für Bekleidung spürbar ins Rutschen kommen. Egal ob Polohemden, Anzüge, Kostüme oder Mäntel - Preissenkungen bis zu acht Prozent seien in vielen Fällen realistisch, heißt es übereinstimmend beim Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Der Grund: Mit dem Jahreswechsel läuft das Welttextilabkommen aus und damit enden auch die China auferlegten Exportbeschränkungen bei Textilien. Deutsche Bekleidungshändler rechnen deshalb mit günstigeren Einkaufspreisen. Denn die niedrigen Löhne machen China bei der arbeitsintensiven Textilschneiderei fast konkurrenzlos billig. Dank des harten Wettbewerbs im deutschen Einzelhandel dürfte ein großer Teil der Ersparnisse in Form niedrigerer Verkaufspreise an die Verbraucher weitergegeben werden.

Besonders einfache Qualitäten werden billiger

Am stärksten betroffen sein dürften zunächst die so genannten "Basics", heißt es in der Branche. Einfache Qualitäten, die schon heute günstig angeboten werden und bald noch billiger sein dürften. Doch muss der Preisrutsch nicht darauf beschränkt bleiben. "Die Chinesen können alles. Sie sind technisch absolut auf dem neuesten Stand. Sie können höchste Qualität liefern", sagt Joachim Dax, Geschäftsführer des BTE die Hersteller im Reich der Mitte lobend.

Nur bei Trendkollektionen, die schnell geordert werde müssten, würden die Hersteller wegen der zu langen Transportzeiten wohl weiter auf näher gelegene Herstellerländer wie die Türkei, Polen oder Rumänien zurückgreifen, glaubt Dax.

Preissenkungen schlagen nur allmählich durch

Allerdings müssen die Verbraucher wohl noch ein wenig Geduld haben. "Die Preissenkungen werden nicht gleich am 1. Januar durchschlagen", warnt Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels vor übertriebenen Erwartungen. Nur allmählich würden die Preissenkungen auf dem Markt wirksam.

Ohnehin setzen die nun erwarteten Preissenkungen nur einen lange andauernden Trend fort. "Seit rund zehn Jahren registrieren wir inflationsbereinigt einen Preisverfall bei Textilien", sagt BTE-Geschäftsführer Dax. Dabei sei es eigentlich im Interesse des Handels, den Kunden mehr mit Qualität zu gewinnen als über den Preis.

Die Branche ist deshalb froh, dass wenigstens die Rabattschlachten abgeflaut sind, die im Jahr 2003 vielen Bekleidungsanbietern die Gewinne verhagelten. "Die Rabattschlacht hat im Weihnachtsgeschäft 2004 nicht stattgefunden", so HDE-Sprecher Pellengahr. Statt ganze Sortimente zu reduzieren, locke der Handel inzwischen Stammkunden gezielt mit begrenzten Sonderangeboten. "Die Unternehmen unterbieten sich nicht mehr gegenseitig, wie vor einem Jahr", sagt Pellengahr.

Doch reicht das allein wohl nicht aus, dem angeschlagenen Konsum wieder auf die Beine zu helfen. Auch 2005 wird nach Einschätzung des HDE für den Handel ein schwieriges Jahr werden. Vor allem in den ersten sechs Monaten werde es wohl schwer sein, die Vorjahresumsätze auch nur zu halten, meint Pellengahr. Erst in der zweiten Jahreshälfte hofft der Handel auf ein leichtes Plus. Dann werde hoffentlich die erwartete Besserung am Arbeitsmarkt die Konsumlust beflügeln, so Pellengahr.

Hoffnung setzt der Handel schließlich auch darauf, dass die "Geiz-ist-geil-Mentalität" langsam aber sicher ihren Höhepunkt überschritten hat. Pellengahr ist optimistisch: "Es gibt erste Anzeichen dafür, dass Qualität und Marken wieder eine Renaissance erleben können. Noch sind wir nicht soweit. Aber erste Anzeichen gibt es."

Erich Reimann/AP / AP