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Konjunktur: Das Geld sitzt wieder locker

Deutsche Verbraucher sind in Rekord-Kauflaune: Noch nie war die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, so hoch wie jetzt - der Konsumklima-Index sprang auf 6,8 Punkte. Die wichtigste Ursachen der Shopping-Wut: die Mehrwertsteuer-Erhöhung zum 1.1.2007.

"Shop until you drop!" Ganz Deutschland scheint sich im Mai diesem konsumtheorethischen Imperativ zu beugen. Die sich verbessernde Konjunktur hat die Konsumstimmung der Verbraucher weiter aufgehellt und ihre Kauflaune auf Rekordniveau steigen lassen. Noch nie seit Einführung entsprechender Befragungen sei die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen größer gewesen als im zu Ende gehenden Monat, berichtete das Marktforschungsinstitut GfK in seiner am Montag veröffentlichen Konsumklimastudie. Der monatlich ermittelte Konsumklimaindex stieg von 5,8 auf 6,8 Punkte. Er basiert auf der Befragung von 2000 Verbrauchern.

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Ende der Winterdepression

"Mit dem Ende des langen Winters hat sich die Stimmung der Verbraucher deutlich aufgehellt. Es sieht so aus, als sei das Tief der letzten Jahre derzeit überwunden", betonen die Verfasser der Studie. Gründe für den steigenden Optimismus seien neben dem großen Vertrauen in die Regierung auch die aus Sicht der Arbeitnehmer positiven Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie. Zudem gebe es bei vielen Verbrauchern eine Tendenz, größere Anschaffungen wegen der Mehrwertsteuererhöhung 2007 auf dieses Jahr vorzuziehen.

Trotz der steuerlich bedingten Vorzieheffekte und einer sich weiter aufhellenden Verbraucherstimmung sieht die GfK bislang aber keinen Anlass für eine Korrektur seiner Jahresprognose. Die Marktforscher rechnen nach Angaben des Leiters der GfK- Marktforschung, Rolf Bürkl, unverändert mit einem Wachstum des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent. In dieser Wachstumsrate sei bereits die verstärkte Kauflust als Folge der Mehrwertsteuererhöhung "eingepreist", betonte Bürkl. "Damit sich die starke Konsumneigung auch in konkreten Einkäufen niederschlägt, muss erst noch die Einkommenserwartung steigen."

Einkommenserwartung bleibt moderat

Die Einkommenserwartung hatte sich als einziger der drei Indikatoren, aus denen das Konsumklima ermittelt wird, im Mai nur moderat entwickelt. Zwar kletterte der entsprechende Wert um 5,7 Punkte wieder über den langjährigen Mittelwert von Null auf 5,2 Punkte. Allerdings sei die positive Entwicklung ausschließlich den gestiegenen Einkommenserwartungen der Verbraucher in den alten Bundesländern zu verdanken, betonte die GfK.

Dagegen hat sich der Konjunktur-Optimismus weiter verstärkt. Unter dem Eindruck der nach oben korrigierten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsweisen legte der entsprechende Indikator um 8,7 Punkte auf 30,9 Punkte zu. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies ein Plus von gut 47 Punkten. «Sowohl die Bewohner der alten wie die der neuen Bundesländer äußerten sich eindeutig positiver als im Vormonat. Am stärksten aber stieg im Mai die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen - und zwar um 15,3 auf 49,8 Punkte. «Das ist der höchste Wert, seit er erhoben wird», betonten die Verfasser der Studie.

Jeder Siebte will Einkäufe vorziehen

Nach Erkenntnissen der GfK will jeder siebte Verbraucher wegen der für nächstes Jahr geplanten Mehrwertsteuererhöhung größere Anschaffungen vorziehen. Weitere 40 Prozent hätten sich hingegen noch nicht festgelegt, berichtete Bürkl. 47 Prozent betrachteten dagegen die Aussicht, drei Prozentpunkte Mehrwertsteuer zu sparen, nicht als ausreichenden Grund für das Vorziehen bestimmter Anschaffungen, berichtete der GfK-Manager. Bürkl rechnet damit, dass bis Herbst die Neigung zu vorgezogenen Anschaffungen noch deutlich steigen wird. Viele hätten sich mit der Thematik noch nicht auseinander gesetzt.

mit DPA/AP / AP