HOME

Konkurrenz für deutsche Hersteller: Mächtig Gegenwind aus China

Die Übermacht aus China hat die deutsche Solarbranche bereits in die Knie gezwungen. Nun droht den heimischen Windradbauern ein ähnliches Schicksal.

Von Michael Gassmann und Kathrin Werner

Deutschen Windradbauern droht ein ähnlicher Niedergang wie der Solarindustrie. Schuld ist die erdrückende Konkurrenz aus China. Nach Einschätzung des TÜV Rheinland, weltgrößter Zertifizierer von Fotovoltaikanlagen und einer der größten Prüfer bei Windkraft, hat die Entwicklung bereits begonnen. "In China wächst eine Windkraftindustrie heran. In der Technologie liegt sie einige Jahre zurück, aber die Produkte sind jetzt schon wirtschaftlich", sagte TÜV-Chef Manfred Bayerlein der "Financial Times Deutschland".

Die Fotovoltaik zeigt, wie schnell China Technikkompetenz aufbauen kann. Während deutsche Unternehmen wie Solon, Solar Millennium oder Q-Cells Insolvenz anmelden mussten, hat China binnen kaum zehn Jahren eine Branche mit mehr als 400 Unternehmen aufgebaut, darunter Weltmarktführer wie Yingli. Die deutsche Solarindustrie hat ihren Qualitätsvorsprung gegenüber chinesischen Konkurrenten nach Ergebnissen des TÜV eingebüßt. "Gute Solarzellen gibt es in Deutschland, aber gute Produkte gibt es auch in China", sagte Bayerlein.

Preisverfall bei Windrädern

Die gleiche Entwicklung muss die Windindustrie fürchten. Heute böten Windräder aus China bis zu rund 1,5 Megawatt Leistung, so Bayerlein. Das ist zwar nur ein Viertel europäischer Spitzenmaschinen - doch machten chinesische Hersteller dies durch geringe Kosten wett. Ihr Markteintritt hat einen Preisverfall ausgelöst, der Firmen wie Vestas oder Nordex in die roten Zahlen gedrückt hat. Seit 2008 sanken die Preise um rund 25 Prozent.

Chinesische Hersteller wie Sinovel und Goldwind sowie Dutzende Kleinanbieter haben sich bislang auf ihren Heimatmarkt konzentriert. Für ausländische Hersteller ist er weitgehend verschlossen, Repower hat sich bereits zurückgezogen. Nordex jedoch sucht einen lokalen Partner, denn der Markt ist mit neuen Windrädern mit einer Gesamtleistung von 17,6 Gigawatt zugleich der bei Weitem größte.

Chinesische Firmen werden zu internationalen Playern

Zuletzt aber haben besonders Sinovel und Goldwind viele Auslandsaufträge ergattert. "Selbstverständlich werden die Chinesen bald internationale Player, einige von ihnen sind es schon", sagte Nordex-Chef Jürgen Zeschky der FTD. Aufträge erhielten sie etwa in Osteuropa und der Türkei, sofern die Finanzierung auch aus China komme. "Der Wettbewerb ist hart."

Während chinesische Firmen zu Hause mehr als 90 Prozent Marktanteil haben, ist er in Europa sehr gering. In Asien, Osteuropa und Lateinamerika rechnen Experten aber mit wachsendem Geschäft für Chinesen. Weltweit schätzen sie deren Marktanteil auf deutlich mehr als ein Drittel.

Vor fünf Jahren war unter den zehn größten Windturbinenherstellern kein chinesischer, heute sind es laut dem Marktforscher BTM vier. "Es ist klar, dass diese Situation nicht komfortabel ist", sagte Zeschky. Doch seien Windräder im Vergleich zu Solarzellen viel teurer im Transport. "Es rechnet sich oft nicht, die Windturbinen über lange Strecken zu transportieren. Das ist ein Vorteil für europäische Hersteller auf den europäischen Märkten."

Wie im Solar- werden China auch im Windgeschäft teils unlautere Methoden vorgeworfen. "China macht bei der Fotovoltaik ganz klar eine nationale Industriepolitik. Deutschland hat dem wenig entgegenzusetzen", sagte Bayerlein. "Die Chinesen kommen mit Geld", sagte Teelke Oldermann, Berliner Büroleiterin des deutschen Windturbinen-Marktführers Enercon. "Der Markt wird verzerrt, weil den chinesischen Herstellern sehr günstig bis umsonst Kredite gewährt werden."

FTD

Von:

Kathrin Werner und Michael Gassmann