Krawalle in Hongkong Härtetest für die "freie Stadt"


Seit 1997 gehört Hongkong wieder zu China - und obwohl Peking bei Demos für seine harte Hand bekannt ist, genießt die ehemalige britische Kolonie einen Sonderstatus. Beim WTO-Gipfel kam es nun zu den schlimmsten Krawallen seit 1967.

Begleitet wurde der WTO-Gipfel von schweren Ausschreitungen zwischen WTO-Gegnern und der Polizei von Hongkong. Es waren die schlimmsten Straßenschlachten in der Stadt seit fast vier Jahrzehnten. Doch es war importierte Gewalt.

Südkoreanische Bauern, die Angst vor billigem Importreis haben, gingen brutal auf die Polizisten los. Dabei steckt die Polizei der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion in einem Dilemma. Auch wenn heute die kommunistische Führung in Peking die höchste politische Instanz für das Wirtschafts- und Finanzzentrum ist, so wollen die Verantwortlichen der Metropole der Welt zeigen, "dass Hongkong eine offene, tolerante und freie Stadt ist", wie Polizeisprecher Alfred Ma sagte.

Geduld und Zurückhaltung fanden am Samstagabend ein Ende, als Sicherheitskräfte - teilweise überrascht von der Taktik der Demonstranten - attackiert wurden, Steine und Wasserflaschen flogen und Demonstranten mit Bambusstangen und Eisenteilen auf die Polizisten losgingen.

Mit Tränengas, Pfefferspray, Wasserwerfern und Knüppeln reagierten die Sicherheitskräfte. Dutzende Demonstranten wurden verletzt, Hunderte festgenommen. Zeitweise herrschte Belagerungszustand um das Kongresszentrum, wo die Vertreter von 149 Nationen der WTO um Kompromisse ringen.

Solche Gewalt ist Hongkong auch eigentlich fremd. Die letzten vergleichbaren Straßenkämpfe entwickelten sich 1967 aus sozialen, auch von der Kulturrevolution in China beeinflussten Spannungen. Doch das Recht auf Demonstration ist den Hongkongern heute heilig. Deswegen wurde den Protestgruppen auch mehr Zugang zur WTO-Konferenz als anderswo üblich und ein besonderes Maß an Toleranz zugestanden.

Für die sieben Millionen Hongkonger geht es um mehr. Sie haben ein schwieriges Verhältnis zu ihren neuen Herren in Peking, die solche demokratische Mechanismen fürchten, aber der ehemaligen Kronkolonie vor der Rückgabe 1997 - zumindest für chinesische Verhältnisse - weit reichende Autonomie zugestehen mussten.

AP AP

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