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Kreditkartenmissbrauch: Sicher durch das Kartenchaos

Deutsche Banken tauschen massenhaft Kreditkarten um. Wer ist davon betroffen? Was können Sie im Schadensfall tun? Wie können Sie Datenmissbrauch vermeiden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Felix Disselhoff

Aus Angst vor Datenmissbrauch haben Banken in Deutschland schätzungsweise mehr als 100.000 Kreditkarten eingezogen. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Sie zusammengestellt.

Mitarbeit: Christoph Schäfer

Warum tauschen die Banken massenhaft Kreditkarten um?

Nach bisherigen Erkenntnissen sind in diesem Jahr Daten bei einem Finanzdienstleister in Spanien abhanden gekommen. Die Firma verrechnete auch Einkäufe deutscher Urlauber in Spanien mit Visa- und Mastercard-Kreditkarten. In Spanien ermittelte die Polizei, die Karten-Anbieter hätten die Datensätze sämtlicher möglicherweise betroffenen Kunden in Deutschland an die Geldinstitute ausgehändigt. Bei der Umtauschaktion handelt es sich nach Angabe der betroffenen Banken um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bislang seien keine Schäden bekannt, sagte ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses. Die Institute ersetzten die Karten präventiv, um einen möglichen Datenmissbrauch auszuschließen. Die Kosten für den Massenaustausch nehmen die Institute in Kauf. Denn für eventuelle Schäden hafte ausschließlich die Bank.

Wer ist von der Rückrufaktion betroffen?

Betroffen sind Karten von Visa und MasterCard, die in den vergangenen Monaten in Spanien genutzt wurden. Nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) von Banken und Sparkassen müssen aber nicht alle Reisenden, die in den vergangenen Monaten in Spanien ihre Kreditkarte benutzt haben, diese austauschen. Ein Sprecher erläuterte, die Kreditkartenunternehmen hätten den Banken Listen mit den Nummern der gefährdeten Kreditkarten übermittelt. Betroffen sein können jedoch die Kunden jeder deutschen Bank und Sparkasse. "Alle Banken sind betroffen, deswegen gibt es ein einheitliches Vorgehen, alle möglichen betroffenen Kunden werden angeschrieben", so der Sprecher. Laut einem Bericht der Zeitung "Financial Times Deutschland" könnten zusätzlich auch Kreditkarten, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, betroffen sein. Jedoch nur, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abgewickelt hat.

Wie sieht das Anschreiben der Bank aus?

Unabhängig vom Geldinstitut ähneln sich die Anschreiben der Banken. In jedem Brief betonen die Unternehmen, dass sie "großen Wert auf das Thema Sicherheit und den garantierten Schutz Ihrer Kreditkarten" legen. Aus diesem Grund werde der Kunde in den nächsten Tagen eine neue Kreditkarte erhalten. Für eventuelle Nachfragen hält Ihre Bank eine eigens eingerichtete Hotline bereit.

Wie funktioniert der Betrug?

Bei einem normalen Einkauf übermitteln Kunden neben ihrer Kreditkartennummer und dem Kaufbetrag auch ihren Namen und das Gültigkeitsdatum der Karte. Werden diese Daten entwendet, können theoretisch Dritte mit Hilfe dieser Angaben und einer gefälschten Unterschrift einkaufen - zum Beispiel mit einer eigens erstellten Karte im Einzelhandel. "Die Karten-Unternehmen und beteiligten Unternehmen haben jedoch sofort ein verschärftes Monitoring in Kraft gesetzt", so ein Sprecher des ZKA. Das bedeutet: Händler im Geschäft sind angewiesen, sich von einem Käufer zur Kreditkarte den Personalausweis zeigen zu lassen.

Welche Banken tauschen ihre Karten um?

Bisher hatte nach Angaben der "Financial Times Deutschland" die Karstadt-Quelle Bank im Oktober 15.000 Plastikkarten aus dem Verkehr gezogen. Vergangene Woche gab die Deutschlandtochter von Barclays bekannt, ebenfalls Tausende Karten auszutauschen. Am Wochenende räumte zudem die Deutsche Kreditbank AG ein, Tausende ihrer Lufthansa-Miles-and-More-Karten mit Bezahlfunktion zurückzunehmen. Der Datenklau von Kreditkarten betrifft aber theoretisch alle Banken und Sparkassen in Deutschland. "Deswegen gibt es ein einheitliches Vorgehen, alle möglichen betroffenen Kunden werden angeschrieben", so ein Sprecher des Zentralen Kreditkartenausschusses (ZKA).

Kann ich meine Karte sperren lassen?

Ja. Während der Geschäftszeiten können Sie die ausgebende Bank oder Sparkasse direkt anrufen. Rund um die Uhr sind die kostenpflichtige zentrale Sperrnummer 01805-021021 oder die gebührenfreie Nummer 116116 zu erreichen. Die Sperrung ist kostenlos, das Ausstellen einer neuen Karte ist je nach Geldinstitut mit Kosten verbunden. Wie hoch die sind, erfahren Sie bei Ihrer Bank.

Wer haftet bei Kartenmissbrauch?

"Generell gilt: Die Autorisierung für einen Zahlungsauftrag mit einer Kreditkarte gilt nur mit meiner Unterschrift. Fehlt diese Unterschrift oder wurde sie gefälscht, kann ich das zweifelsfrei nachweisen", meint Edda Castelló, Leiterin der Abteilung Geld und Recht der Verbraucherzentrale Hamburg. Mit einer gestohlenen Karte allein können Kriminelle also recht wenig anfangen. Zuweilen aber prüfen Händler Unterschriften nicht wirklich nach. Den Verbraucher trifft in diesem Fall keine Schuld - er bekommt von dem Institut, über das er die Kreditkarte bezogen hat, das Geld zurück. Mitsamt eventuell angefallener Überziehungszinsen. Im Internet prüfen Programme automatisch, ob mit Kreditkarte auffällige Abbuchungen – zum Beispiel zeitnahe Einkäufe an verschiedenen Orten – getätigt würden. Dann kontaktieren Geldinstitute mitunter ihre Kunden selbst. Denn wer vormittags in München ein paar Schuhe gekauft hat, kann mittags unmöglich in Peru in ein Luxushotel eingecheckt haben.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Das ist nicht ganz so einfach zu beantworten. "Es ist wichtig, dass Sie jeden Monat alle Posten Ihrer Kreditkartenabrechung überprüfen", so die Verbraucherzentrale Hamburg. Wer dann beim Blick auf die Abrechnung über Abbuchungen stolpert, die er nicht veranlasst hat, sollte sich sofort an seine Bank wenden. Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg rät, die eigene Bank umgehend anzurufen: "Wenn es sich um reine Lastschriftverfahren handelt, also einen Einkauf oder ein Besuch im Restaurant, teilen Sie Ihrer Bank einfach mit, dass es hierfür keine Anweisung gibt." Wenn Betrüger mit Ihrer Karte Geld am Automaten abgehoben haben, wird es schon schwieriger. "Wird mittels einer PIN Geld abgehoben, berufen sich die Banken auf ihre sicheren Zahlungssysteme. Die Beweislast liegt dann beim Verbraucher, der angeben muss, die Geheimnummer nicht fahrlässig veröffentlicht zu haben", so Castelló.

Wie sicher sind Kreditkarten im Netz?

Achten Sie bei der Weitergabe Ihrer Bankdaten im Netz auf eine gesicherte Umgebung. Seriöse Online-Shops erkennen sie an einem Impressum mit vollständiger Anschrift und klar formulierten Geschäftsbedingungen. Achten Sie außerdem auf eine verschlüsselte Verbindung (erkennbar am https:// vor der Url und dem Schloss-Symbol in der Browserzeile) und das Abfragen der dreistelligen Prüfnummer auf der Kartenrückseite.

Wie kann ich Datenmissbrauch vermeiden?

Schreiben Sie sich die Geheimzahl für Ihre Kreditkarte nie auf die Karte, und bewahren Sie sie auch sonst nicht im Portemonnaie auf. Außerdem sollten Sie Ihre Kreditkarte nie aus der Hand geben, auch nicht beim Zahlen im Restaurant. Kartendaten können schnell kopiert, der 16-stellige BIN-Code und der Sicherheitscode auf der Rückseite abgeschrieben werden. Damit können Betrüger im Internet Waren bestellen. Außerdem vergeben Kreditkarteninstitute aufsteigende Kartennummern. Gelangen Betrüger in den Besitz einer abgelaufenen Karte, können sie dadurch willkürlich aktuelle Kartennummern erraten. Deshalb empfiehlt es sich, die alte Karte sorgfältig zerstören. Dazu sollten Sie den Magnetstreifen mit einer Schere zerschneiden oder mit einem Locher zu durchstanzen. Die gründlich zerstörte Karte können Sie anschließend im normalen Hausmüll entsorgen. Seien Sie außerdem vorsichtig bei der Herausgabe Ihrer Daten im Internet. Betrüger verschicken oft so genannte Phishing-Mails, die Verbraucher auf gefälschte Bankseiten umleiten. Dort werden dann Kartennummern abgefragt und später genutzt, um Geld zu stehlen.

Mitarbeit: Christoph Schäfer