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Kreditkrise: Börse erlebt erneuten Einbruch

Die Erholung an den internationalen Finanzmärkten hat nicht lange angehalten. In Frankfurt verlor der Deutsche Aktienindex erneut über vier Prozent und schloss mit 6460 Punkten. Die Verluste an der Wall Street waren weniger dramatisch.

Die Verunsicherung an den europäischen Börsen hält an: Europaweit verzeichneten die Aktienindices ein Minus. Gerüchte über Abschreibungen bei Banken und weitere Zinsaktionen von Notenbanken ließen die Anleger nicht zur Ruhe kommen. "Jedem Beben folgt ein Nachbeben", sagte ein Händler. In London, Paris, Frankfurt und Zürich verloren die Standardwerte erneut bis zu drei Prozent.

Der Deutsche Aktienindex Dax stürzte um über vier Prozent auf fast 6460 Punkte ab. Der Stoxx50 fiel um knapp drei Prozent auf rund 3106 Punkte und der EuroStoxx50 um 4,2 Prozent auf 3595 Punkte. Viele Anleger flüchteten sich wieder in staatliche Anleihen, so dass deren Preis weiter anstieg. Der Euro zog zeitweise bis auf fast 1,47 Dollar an, bröckelte später aber auf unter 1,46 Dollar ab. Die Konjunkturängste drückten auch den Ölpreis um mehr als ein Prozent. Viele Anleger fürchten, dass mit einer Abschwächung der Konjunktur in den USA auch die Nachfrage nach Öl sinken wird.

"Heilungsprozess" eingeleitet

Analysten verwiesen darauf, dass die US-Notenbank mit der überraschenden Zinssenkung vom Vortag die strukturellen Probleme der US-Wirtschaft nicht lösen könne. Die Federal Reserve hatte am Dienstag ihren Leitzins um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Diese Zinssenkung habe Schlimmeres verhindert, sagte Stratege Robert Halver von der Bank Vontobel. "Aber wir sind noch nicht durch." Die US-Notenbank habe lediglich wichtige Maßnahmen für den "Heilungsprozess" eingeleitet. Die amerikanische Regierung hatte außerdem vergangene Woche ein Konjunkturpaket von 150 Milliarden Dollar (103,5 Milliarden Euro) angekündigt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Daher überschlugen sich die Spekulationen über weitere Aktionen der Zentralbanken. EZB-Chef Jean-Claude Trichet zeigte wenig Verständnis für die Rufe nach Zinssenkungen auch in der Euro-Zone. Vor einem Parlamentsausschuss in Brüssel warnte er vielmehr vor übereilten Reaktionen. Hartnäckig hielten sich zudem Spekulationen, die US-Notenbank werde die Zinsen bei ihrer regulären Sitzung nächste Woche weiter senken.

Auf die Frage, ob die Bundesregierung Konjunkturprogramme wie in den USA plante, reagierte Wirtschaftsminister Michael Glos ablehnend: " Es gibt gegenwärtig keine Überlegungen." Die Regierung hatte zwar vorher ihre Wachstumsprognose von 2,5 auf 1,7 Prozent im Jahr 2008 gesenkt. Dies sei aber noch eine robuste Basis, so Glos.

An der New Yorker Börse blieb der Druck auf die Aktienkurse bestehen - auch wenn die Verluste des Dow Jones zunächst um ein Prozent betrugen.

Abschreibungsgerüchte schüren Angst

Gerüchte über angebliche Abschreibungen bei verschiedenen Banken sowie Gewinnwarnungen bei Unternehmen fachten gegen Mittag die Sorgen weiter an. So rutschten in Frankfurt die BASF-Aktien um fast fünf Prozent ins Minus, nachdem in London über eine Senkung der Gewinnprognose spekuliert wurde. Nachdem ein Konzernsprecher beteuert hatte, die Prognose bleibe unverändert, erholten sich die Aktien wieder. Doch daneben zählten erneut vor allem auch Bankentitel zu den Verlierern. In Paris hatten die Aktien von Société Générale mit einem Abschlag von fast sieben Prozent die rote Laterne.

Ein Lichtblick im Finanzsektor waren die Aktien von Swiss Re, die in Zürich um fünf Prozent zulegten, nachdem US-Investor Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway über eine Tochter eine Beteiligung bei Swiss Re erworben hat.

Verschnupft reagierten die Anleger aber auf den Zwischenbericht von Richemont, dessen drittes Quartal von den US-Rezessionsängsten geprägt war. Der weltweit zweitgrößte Luxusgüterkonzern und Hersteller von Cartier-Uhren erklärte, die Nachfrage in den USA und Japan habe sich 2007 abgekühlt. In London drückten die fallenden Rohstoffpreise die Bergbauwerte deutlich ins Minus. Unter die Räder gerieten zudem die Aktien einiger Lebensmittelhersteller. Nestle verloren vier Prozent, Danone sogar über vier Prozent.

DPA/ Reuters / DPA / Reuters