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Kriminalität: Geldwäsche-Untersuchung gegen Ericsson

Zum einen geht es dabei um eine Buchführungsaffäre in Schweden, zum andern um Geldwäsche, Bestechung und andere Delikte. Dazu gab es Hausdurchsuchungen in Zürich und Schaffhausen, dabei wurden Bankunterlagen beschlagnahmt.

In der Schweiz wird gegen den mit Finanzproblemen kämpfenden schwedischen Ericsson-Konzern ermittelt. Zum einen geht es dabei um eine Buchführungsaffäre in Schweden, zum andern um Geldwäscherei, Bestechung und andere Delikte. Das Schweizer Verfahren richtet sich vorerst gegen unbekannt.

Verdeckte Zahlungen in Millionenhöhe

Wie der Zürcher Bezirksanwalt Ivo Hoppler am Donnerstag mitteilte, geht es um verdeckte Zahlungen des schwedischen Telekommunikations- und Elektronikkonzerns Ericsson in Höhe von umgerechnet mehreren hundert Millionen Franken. Im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs der schwedischen Zentralbehörde für Wirtschaftskriminalität werde abgeklärt, ob Organe des Konzerns vorsätzlich die gesetzliche Buchführungspflicht missachtet hätten. 1998 und 1999 sollen 800 Millionen beziehungsweise 2,5 Milliarden schwedischen Kronen mit Hilfe inhaltlich unwahrer Fakturen für Beratungsdienstleistungen an Firmen und Personen bezahlt worden sein.

Weitere Verfahren drohen

Hoppler führt ein eigenes Strafverfahren gegen unbekannt wegen Verdachts auf Geldwäscherei, Urkundenfälschung, Betrug und Bestechung. Seine Ermittlungen hingen eng mit dem schwedischen Verfahren zusammen und umfassten einen Betrag von etwa 300 Millionen Franken (199 Millionen Euro) sowie einen Tatzeitraum bis ins Jahr 2001. Hoppler schloss nicht aus, dass von der Geldwäschereikontrollstelle des Bundes und der eidgenössischen Steuerverwaltung auch aufsichts- und steuerrechtliche Verfahren eröffnet werden.

UBS gab Anstoß zum Verfahren

Das Verfahren wurde von der Großbank UBS ausgelöst, wie UBS-Sprecher Rudolf Bürgin auf Anfrage sagte. Man habe wegen verdächtigen Bewegungen auf bestimmten Konten vom Melderecht gemäß der Geldwäscherei-Strafnorm Gebrauch gemacht. Laut Hoppler händigte die UBS im Rahmen des Verfahrens Unterlagen zu den Konten aus.

Rechtsanwalt verwaltete strittige Konten

Hoppler bestätigte zu einem vorab veröffentlichten Bericht der Wirtschaftszeitung "Cash", dass die Konten von einem Rechtsanwalt in Zürich verwaltet wurden. Dieser war mit einem Ericsson-Manager in Kontakt, der in Schaffhausen die Firma Ericsson Marketing & Kommunikation AG gegründet hatte.

Beweismaterial beschlagnahmt

Laut Hoppler wurden am (gestrigen) Mittwoch in Zürich und Schaffhausen bei der Durchsuchung von Geschäfts- und Privaträumen durch die jeweils zuständige Kantonspolizei umfangreiches Beweismaterial sicher gestellt. Es gehe um Dokumente und Geschäftsunterlagen sowie elektronische Daten; zum Teil seien bereits gelöschte Daten vollständig gesichert worden. An den Aktionen nahm auch der schwedische Staatsanwalt Lage Carlström teil.

Seit zwei Jahren rote Zahlen

Der Ericsson-Konzern schreibt seit mittlerweile acht Quartalen tiefrote Zahlen und hat die Streichung Zehntausender von Stellen angekündigt. Neben Finanzproblemen schlägt sich Ericsson in Schweden auch mit einem Prozess um Industriespionage gegen drei frühere Mitarbeiter herum. Sie sollen Firmengeheimnisse an Russland verraten haben.