HOME

Übernahme von Sony Ericsson: Sony telefoniert von nun an solo

Nach zehn Jahren ist Schluss: Der japanische Sony-Konzern betreibt die Handy-Tochter Sony Ericsson künftig ohne seinen schwedischen Partner. So wollen die Japaner flexibler werden beim Kampf um den Smartphone-Markt.

Sony kauft Ericsson nach zehn Jahren aus dem gemeinsamen Mobilfunk-Bündnis heraus. Der japanische Elektronikkonzern will damit künftig allein die Strategie im Rennen um den umkämpften Smartphone-Markt gegen Rivalen wie das iPhone von Apple bestimmen. Sony werde den 50-prozentigen Ericsson-Anteil für 1,05 Milliarden Euro in bar vollständig übernehmen, teilten beide Firmen mit. Über ein mögliches Aus der Partnerschaft war seit längerem spekuliert worden. Sony Ericsson wird nun in die Sony-Sparte für internetbasierte Verbraucherelektronik integriert. Mit dem Schwenk zu Smartphones unter dem Google -Betriebssystem Android machte das asiatisch-skandinavische Bündnis zuletzt zwar wieder Boden gut. Seine Zukunft galt aber als ungewiss. Das japanisch-schwedische Joint Venture besteht seit 2001 und beschäftigt weltweit 7600 Mitarbeiter.

"Wir können den Kunden nun schneller und umfangreicher Smartphones, Laptops, Tablet-Computer und Fernseher anbieten, die nahtlos miteinander verbunden werden können und neue Welten im Bereich Online-Unterhaltung eröffnen", sagte Sony-Chef Howard Stringer. Das "Wall Street Journal" hatte Anfang Oktober berichtet, Sony plane, die Herstellung von Smartphones und Tabletcomputern mit dem bisherigen Angebot an Spielkonsolen und Computern zu verbinden und dadurch Kosten zu sparen. Im Konkurrenzkampf mit Nokia , Apple und Samsung hatte Sony nicht zuletzt der Markenmix seiner Produktpalette zu schaffen gemacht. So bietet Sony Tablet-Computer unter der eigenen Marke an, während die davon gar nicht mehr so weit entfernten Smartphones unter dem Logo Sony Ericsson in den Regalen stehen.

Produktion wird auf Smartphones ausgerichtet

Erst vor rund zwei Wochen hatte Sony Ericsson mitgeteilt, ab 2012 werde die gesamte Produktion auf Smartphones ausgerichtet. Das Gemeinschaftsunternehmen hatte zunächst nur zaghaft auf Apples Markteintritt 2007 mit dem längst zum Verkaufshit avancierten iPhone reagiert. Konzernchef Bert Nordberg hatte zudem erklärt, Sony Ericsson strebe weiterhin die Marktführerschaft auf dem Markt für Android-Handys an. Dies könne aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit hält Sony Ericsson eigenen Angaben zufolge rund zwölf Prozent des Marktes der Mobiltelefone, die unter dem Google-System laufen. Doch ein Siegeszug auf dem Wachstumsmarkt Smartphones gilt nicht nur wegen der Popularität des iPhone als schwierig. Auch andere Branchengrößen wie Samsung oder HTC wollen sich ein größeres Stück des lukrativen Segments sichern.

san/Reuters/DPA / DPA / Reuters