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Handykonferenz "3GSM World Congress": Barcelona im Handywahn

Die Mobilfunkbranche tummelt sich in Barcelona. Auf dem "3GSM World Congress" wird diskutiert und referiert - und es werden neue Handys vorgestellt. Im 3GSM-Nachrichtenüberblick: Nokias Pläne, Microsofts neues Mobil-Betriebssystem und eine Allianz gegen das iPhone.

Der alljährliche 3GSM World Congress in Barcelona hat sich zum wichtigsten Treffpunkt der Telekommunikations-Branche entwickelt. Nokia oder Motorola mögen die Cebit ausfallen lassen - doch die 3GSM ist für sie Pflicht. Die mehrtägige Veranstaltung ist eine Mischung aus Branchenmesse und Konferenz. Hier werden die wichtigen Neuheiten vorgestellt, Trends ausgerufen und Visionen verkündet. Große Chefs - ob Arun Sarin von Vodafone oder Carl-Henric Svanberg von Ericsson - kommen persönlich. Insgesamt zählt die 3GSM in diesem Jahr etwa 1300 Aussteller. Rund 60.000 Fachbesucher werden erwartet.

Das Top-Thema in diesem Jahr sind das Internet und andere Datendienste auf dem Handy. Mobilfunk-Anbieter und Gerätehersteller wollen ihnen schnell zum Durchbruch verhelfen. Das damit einhergehende Zusammenwachsen verschiedener Branchen spiegelt auch die Gästeliste der 3GSM wider. Mit dabei ist zum Beispiel Warner-Music-Chef Edgar Bronfman Jr., Manager vom Konkurrenten EMI und dem Musiksender MTV. Auch Internet-Konzerne wie Yahoo! und Google sind vertreten.

Nokia kooperiert mit Youtube

Wenige Tage nach dem Mobilfunkkonzern Vodafone hat nun auch Nokia eine Kooperation mit dem populären Videoportal YouTube angekündigt. Nokia werde seinen Kunden über einen Browser den Zugang zum geplanten YouTube-Handy-Dienst ermöglichen, erklärte der weltgrößte Mobiltelefon-Hersteller. Die mobile YouTube-Seite soll bald auf den Markt kommen. "Nutzer haben damit die Möglichkeit, überall und zu jeder Zeit problemlos auf Videos von YouTube zuzugreifen", erklärte der Mitbegründer der boomenden interaktiven Seite, Steve Chen. Vodafone hat bereits eine ähnliche Zusammenarbeit mit dem zu Google gehörenden Internet-Videoportal vereinbart.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo gab sich bei der Branchenmesse 3GSM in Barcelona zudem optimistisch, was die weitere Entwicklung des Handy-Marktes angeht. Er erwarte für 2007 ein weltweites Wachstum um bis zu 10 Prozent.

Nokia setzt auf DVB-H

Nokia setzt außerdem auf mobiles Fernsehen und Navigation. Auf der 3GSM stellte Nokia ein neues Gerät für das Fernsehen über den Standard DVB-H und ein "Video-Center" vor, mit dem man Videoinhalte finden und speichern und zum Beispiel auch direkt auf Clips von YouTube zugreifen kann. "DVB-H wird die mobile Nutzung von Multimedia-Inhalten grundlegend verändern", sagte Nokia-Chef Kallasvuo. Da der Preis für ein DVB-H-Chipset im kommenden Jahr auf nur noch sieben Euro sinken werden, könnten deutlich mehr Geräte verkauft werden. Für 2008 rechnet Nokia branchenweit mit fünf bis zehn Millionen abgesetzten DVB-H-Handys. Im Jahr darauf sollen es bereits 20 Millionen sein.

Auch Navigation sei ein schnell wachsender Markt. Es wurde der Nokia 6110 Navigator vorgestellt, ein speziell für Navigationsfunktionen optimiertes Mobiltelefon für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Geräte mit GPS-Unterstützung mit 15 Millionen mehr als verdoppelt. Gemessen an dem Gesamtmarkt von fast einer Milliarde verkaufter Handys ist es allerdings noch ein eher kleines Geschäftsfeld.

Microsoft mit Windows Mobile 6

Microsoft will mit seinem neuen Betriebssystem für mobile Geräte Handy und Computer enger verzahnen. Mit Windows Mobile 6 lasse sich unterwegs mehr als früher wie an einem PC arbeiten, sagte die zuständige Microsoft-Vizepräsidentin Suzan DelBene auf der Branchenmesse 3GSM. Unter anderem könnten HTML-Mails mit Bildern und Tabellen geöffnet werden, die Funktionen zum Synchronisieren von Terminen wurden ausgebaut und die Kontaktliste mit einer Messenger-Software integriert, so dass auch eine Anwesenheitsanzeige möglich ist.

Microsoft-Chef Steve Ballmer betonte in einer Erklärung zum Software-Start, Windows Mobile sei der Eckpfeiler der Firmen- Strategie, mobile Technologien in alle Schlüsselprodukte zu integrieren.

Weitere neue Funktionen seien die verbesserte Nutzung von lokalen Suchdiensten. Zur Sicherheit soll ein Update-Dienst beitragen, mit dem potenziell gefährliche Lücken gestopft werden können. Außerdem kann der Inhalt eines gestohlenen Handys per Funk gelöscht werden. Windows Mobile ist zwar auch multimedia-tauglich, richtet sich aber in erster Linie ganz klar an Unternehmen, in denen mobile E-Mail-Nutzung notwendig ist. Microsoft konkurriert hier zum Beispiel mit dem BlackBerry-Dienst von Research in Motion (RIM) oder der Intellisync-Plattform von Nokia.

Allianz gegen Apples iPhone

Die großen Musikverlage und 23 Mobilfunkkonzerne blasen zum Angriff auf das neue iPhone des Computerkonzerns Apple. Mit einem gemeinsamen Musikdienst für Mobiltelefone wollen die Firmen Apples neuem Musik-Handy den Wind aus den Segeln nehmen. MusicStation soll bereits im zweiten Quartal und damit vor der Markteinführung des iPhone freigeschaltet werden, wie Rob Lewis, der Gründer des britischen Unternehmens Omnifonesagte. Der Dienst soll auf drei von vier Mobiltelefonen funktionieren und damit bis Ende des Jahres mehreren Millionen Kunden zur Verfügung stehen. Insgesamt könnten so deutlich mehr Menschen den neuen Dienst nutzen als Apples neues Handy. Der US-Konzern peilt an, 2008 zehn Millionen der neuen Geräte zu verkaufen.

Handys können zwar schon seit längerem Musik abspielen - doch bislang waren die Mobilfunkanbieter kaum an diesem Geschäft beteiligt. Die Nutzer luden vielmehr Musik von CDs auf ihre Telefone oder tauschten die Songs über das Internet. Lediglich mit Klingeltönen wurde etwas mehr Geschäft gemacht. Doch das soll sich nun ändern. Für einen Festpreis von 2,99 Euro je Woche könnten die Kunden unbegrenzt Musik herunterladen, sagte Lewis, dessen Unternehmen den Dienst ins Leben rief. Im Schnitt sollen rund 1,2 Millionen Songs im Angebot sein.

Die Software soll auch bei solchen Mobiltelefonen funktionieren, die ursprünglich nicht als Musik-Handys gedacht waren. Das iPhone vereint dagegen ein Handy und ein tragbares Musikabspielgerät und ist damit darauf ausgelegt, Musik abzuspielen. Das Gerät ist jedoch zum Ärger der Mobilfunkanbieter mit Apples Online-Musikshop iTunes abgestimmt. "Apple wird Musik verkaufen, ohne dass die Mobilfunkfirmen ein Stück von diesem Kuchen erhalten", sagte Lewis. Weil der Markt gerade in Europa gesättigt ist, können die Firmen im Telefoniergeschäft kaum noch wachsen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, sind sie daher auf Alternativen wie digitale Musik oder Internet-Angebote angewiesen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters