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Kurierdienst: Post sucht den Einstieg ins Landtransportnetz der USA

Die Post will zukünftig am günstigen Landtransport in den USA teilhaben. Die Verhandlungen mit dem drittgrößten US-Kurierdienst Airborne laufen.

Die Deutsche Post will zukünftig verstärkt auf dem US-Markt mitmischen und greift damit die Konkurrenten UPS und FedEx in deren Heimatmarkt an.

Die Post hat dabei das Landtransportnetz der in Seattle ansässigen US-Fluggesellschaft Airborne im Visier, hierbei handelt es sich um drittgrößten US-Kurierdienst. Beide Seiten bestätigten die Verhandlungsführungen am Montag. "Wir befinden uns in Gesprächen mit Airborne", sagte eine Post-Sprecherin in Bonn. "Wir haben noch keine vollständige Einigung erzielt", fügte sie aber hinzu.

Die Post-Sprecherin wollte sich zu einem möglichen Kaufpreis noch nicht äußern. Das "Wall Street Journal Europe" hatte zuvor unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise berichtet, die Post wolle über ihre Tochter DHL Worldwide Express für knapp eine Milliarde Euro Bodeneinrichtungen von Airborne übernehmen. Je Airborne-Aktie solle ein Betrag im unteren 20-Dollar-Bereich geboten werden, wobei die Fluggesellschaft unabhängig bleibe.

Airborne sieht Vorteile

Laut Airborne will die Post-Tochter DHL die Bodenaktivitäten für einen Preis übernehmen, der über dem aktuellen Aktienpreis liegt. Die Aktie notierte am Freitagabend bei 16,69 Dollar. Es hieß, Airborne solle aber nach einer Abspaltung der Bodenaktivitäten als börsennotierte und eigenständige Fluggesellschaft erhalten bleiben. Dabei gehe Airborne davon aus, dass die Transaktion im Falle einer Einigung "signifikante strategische Vorteile" für Kunden, Angestellte und Aktionäre der Gesellschaft berge.

Post will stärkere Position in den USA

Für die Post würde die Übernahme des Landtransportnetzes von Airborne bedeuten, dass sie die direkte Lieferung von Waren über die Flughäfen hinaus in den USA leisten könnte. Derzeit bietet die Post über ihre Tochter DHL vor allem Transporte per Flugzeug innerhalb der USA an. Doch damit können Waren nur bis zu Flughäfen und nicht aus einer Hand bis zum eigentlichen Ziel, dem Endkunden, befördert werden. Bisher hinkte die Post ihrer Konkurrenz wie UPS, FedEx oder eben Airborne bei den günstigeren Bodentransporten hinterher, da die anderen Unternehmen die Bodenaktivitäten schon ausgebaut hatten. Bei Analysten stießen die Pläne auf ein zwiespältiges Echo. Der Sal Oppenheim-Analyst Hartmut Moers sagte: "Airborne ist der beste Partner, den man in den USA finden kann - von dieser Seite her macht das Sinn. Ein Preis von 20 Dollar, wie er in Medienberichten diskutiert wird, wäre aber sicherlich kein Schnäppchen." Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz scheint dagegen eine Übernahme nur auf dem Papier richtig. "Das wird sich nur schwer umsetzen lassen", betonte er. Es mache auch nicht viel Sinn, Airborne ohne die Flugaktivitäten der Gesellschaft übernehmen zu wollen.

Vollständige Übernahme der britischen Securicor durch die Post

Unterdessen übernahm die Post wie erwartet die restlichen Anteile an der britischen Securicor Omega Holdings. Für 247 Millionen Euro seien die noch nicht der Post gehörenden 50 Prozent an Securicor Omega erworben worden, teilte der Konzern mit. 1999 war die Post bei dem britischen Logistikdienstleister eingestiegen. Mit dem Zukauf verbessere sich die Ausgangsposition der Post beim Einstieg in den britischen Briefmarkt. Der Abschluss stehe aber noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Europäischen Kommission.

Wachstum auf globalem Markt angestrebt

Die Deutsche Post will die anstehende Liberalisierung in Europa im Briefgeschäft zu weiterem Wachstum nutzen. Sie strebt dabei auch Beteiligungen in Dänemark und Österreich an. Auch in Asien plant Post-Chef Klaus Zumwinkel die Expansion: Erst im Februar war die Post über DHL bei dem chinesischen Logistiker Sinotrans eingestiegen.

Vorlage der Bilanz 2002 diesen Dienstag

An diesem Dienstag wird die Post ihre Bilanz für 2002 vorlegen. Das Bonner Unternehmen hatte bereits angekündigt, seine Dividende auf 0,40 Euro von 0,37 Euro je Aktie erhöhen zu wollen. Zugleich hatte die Post die Erwartung bekräftigt, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bis 2005 auf 3,1 Milliarden Euro steigern zu wollen. Analysten sagten, sie erwarteten sich von der Bilanz-Pressekonferenz keine Überraschungen.

Die Post-Aktie notierte am Mittag in einem schwachen Gesamtmarkt mit 1,5 Prozent im Minus bei 9,84 Euro.