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WWF-Studie Millionen Menschen können sich 2050 keinen Fisch mehr leisten

Norwegischer Zuchtlachs
Norwegischer Zuchtlachs auf einem Wochenmarkt in Langenhagen: Laut dem World Wildlife Fund könnte jeder Erdenbürger 2050 rund zwölf Kilogramm Fisch pro Jahr essen - aber nur, wenn die Fangmenge gerecht verteilt würde.
© Holger Hollemann/DPA
Rein statistisch gesehen haben die Europäer ihren heimisch gefangenen Fisch schon zur Jahreshälfte aufgegessen. Den Rest importieren sie. So kann es nicht weitergehen, meint der WWF und warnt vor Hunger und politischen Unruhen.

Der ungezügelte Appetit von Menschen in Industrieländern auf Fisch könnte nach einer Studie Hungerkrisen in ärmeren Weltregionen auslösen. Die Umweltorganisation WWF, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, ruft deshalb zu besserem Fischereimanagement und gerechterer Verteilung auf. Verbraucher müssten dazu nicht unbedingt weniger Fisch essen, sondern stattdessen zu heimischem Fisch greifen, sagt Karoline Schacht vom WWF. Andernfalls könnten sich Millionen Menschen auf der Südhalbkugel, etwa im Senegal oder in Indonesien, 2050 den Fisch als Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, warnen die Autoren des am Mittwoch veröffentlichten Berichts "Überfischt und unterversorgt".

"Fisch landet nicht dort, wo die Menschen ihn brauchen"

Zwar lässt sich die Menge des weltweit gefangenen Fischs der Studie zufolge noch steigern, ohne dass die Bestände ausgelaugt würden. So könnte bis 2050 die jährliche Fangmenge von 101 Millionen Tonnen (2010) auf 137 Millionen Tonnen steigen. "Allerdings wird der gefangene Fisch sehr wahrscheinlich nicht unbedingt dort landen, wo die Menschen ihn zum Überleben brauchen", sagte Schacht.

Stattdessen sei zu erwarten, dass Verbraucher in Industrieländern bei Engpässen einfach höhere Preise zahlten. "Reiche Länder werden sich auch in Zukunft 'ihren' Fisch weiterhin leisten können, ärmere hingegen nicht", schreiben die Autoren von der Universität Kiel. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von Armut und Hunger in den betroffenen Ländern. Dies könne auch zu politischer Instabilität führen.

Als gefährdet sieht die Studie vor allem Länder, in denen die Abhängigkeit von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle besonders groß ist. Im Senegal oder in Indonesien etwa decken die Menschen bis zu 40 Prozent ihrer Aufnahme an tierischem Eiweiß durch Fisch ab. Auch andere westafrikanische Länder wie Guinea und Ghana sowie südostasiatische Staaten wie Malaysia, Myanmar und Bangladesch seien besonders abhängig vom Fisch.

WWF fordert Erholung der Bestände in EU-Gewässern

Für eine optimale Bewirtschaftung der weltweiten Fischbestände braucht es laut der Studie Höchstfangmengen, die Artenvielfalt wäre gesichert. Wenn sich wenig ändert, dann könnte laut Untersuchung jeder Erdenbürger 2050 rund zwölf Kilogramm Fisch pro Jahr essen - aber nur, wenn die Fangmenge gerecht verteilt würde. Das entspräche etwa der Verzehrmenge, die die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche Länder im Schnitt empfehlen.

Der hohe Bedarf an importiertem Fisch könnte sinken, "wenn die Fischbestände in den eigenen Gewässern der EU wieder in einem gesunden Zustand wären", sagt Schacht. Derzeit hätten die europäischen Verbraucher den Fisch aus eigenen Gewässern rein rechnerisch schon zur Jahresmitte aufgegessen. Der Rest werde dann importiert.

Heute gelten dem WWF zufolge 31 Prozent der Fischbestände weltweit als überfischt, 58 Prozent als gefährdet. "Fast überall werden heute mehr Fische gefangen als natürlich nachwachsen können", heißt es auf der Homepage der Umweltorganisation.

mad DPA

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