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Lebensmittelindustrie: Wiesenhofs dioxinfreier Sonderweg

Während der Dioxinskandal Politiker gegeneinander aufhetzt, Verbraucher verunsichert und Betriebe in den Ruin stürzt, reibt sich Peter Wesjohann die Hände. Der Chef der Geflügelmarke Wiesenhof hat eine Trutzburg erschaffen: ein beinahe hermetisch abgeriegeltes Produktionssystem.

Von Jarka Kubsova, Rechterfeld

Peter Wesjohann baute gerade einen Schneemann vor seinem Haus, als sein Blackberry in der Jackentasche brummte: "Es gibt Dioxinfunde in der Futtermittelindustrie", schrieb ihm der Chef seiner Futtermittelmühle. Wesjohann steckte das Telefon wieder weg, schaute in den Garten, dann rollte er weiter Schneekugeln über den Boden. Das war am 27. Dezember, der Dioxinskandal nahm gerade seinen Anfang. "Ich wusste, dass wir nicht betroffen sind", sagt Wesjohann. Er und seine Hühner.

Niemand in Deutschland hat mehr Geflügel als Peter Wesjohann, Chef der PHW-Gruppe mit der Marke Wiesenhof. Rund 4,5 Millionen Hähnchen, Puten und Enten schlachtet das Unternehmen pro Woche. Eigentlich dürfte niemand mehr Sorgen haben als er, wenn vergiftetes Futter im Umlauf ist. Aber Wesjohann hat vorgesorgt, er hat Wiesenhof abgeschottet, eine Art Trutzburg der Geflügelbranche geschaffen. Viel Geld hat ihn das gekostet, aber Wesjohann wusste, dass die Zeit kommen würde, in der er davon profitiert. Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann mit einem Küken, das bald zum Standardhähnchen "Ross 308" heranwächst

Zeiten wie diese, wenn Landwirtschaftsbetriebe vor dem Ruin stehen, wenn die Menschen in den Supermärkten beim Einkaufen zögern, weil sie nicht sicher sein können, ob Fleisch, Milch und Eier nahrhaft oder giftig sind, wenn in Berlin Politiker über Kontrollen und Gesetze streiten.

In der Lieferkette der Lebensmittelindustrie ist mal wieder fürchterlich was schiefgegangen. Und es gibt nur wenige, die sich nun wie Wesjohann zurücklehnen und behaupten können: "Das passiert immer wieder, und deswegen wollten wir nicht länger Teil dieser Kette sein." Als einziges Unternehmen der Branche hat Wiesenhof einen geschlossenen Produktionsprozess geschaffen: Er reicht von der Kükenaufzucht, über das Anmischen des Futters bis zum Chicken-Nugget.

Wesjohann hat junge Augen in einem älter werdenden Gesicht, seine dichten Haare sind fast weiß, er ist 41 Jahre alt. Die Zentrale seines Hühnerimperiums steht im niedersächsischen Rechterfeld, auf einem Industriegelände zwischen Wiesen und Feldern am Ende der Paul-Wesjohann-Straße. Sie ist nach seinem Großvater benannt. Schon der zog hier Küken groß und verkaufte sie in der Gegend an Bauern. Peter Wesjohann ist die dritte Generation. Bis Juni 2009 hat sein Vater Paul-Heinz Wesjohann das Unternehmen geführt. Noch heute kommt er täglich vorbei. Und der Junior hört gern auf den Alten. Schließlich war er es, der in den 90er-Jahren mit der Abschottung begann.

Wesjohann senior hat das Unternehmen groß gemacht. Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 5000 Mitarbeiter, der Umsatz stieg 2009 um fünf Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Marktführer. Der alte Wesjohann wusste: Wenn etwas seinem Werk schaden kann, dann etwas, "das ihm jemand unterjubelt". Und so führte er als Erster in der Branche die Herkunftsgarantie ein. Und seit 1996 hat er keine tierischen Eiweiße mehr im Tierfutter. "Mein Vater dachte schon früh, dass es nicht gut gehen kann, Tierkadaver zu Tiermehl zu verarbeiten", sagt sein Sohn. Vor ein paar Jahren löste Tiermehl den BSE-Skandal aus. Und nun die Genugtuung beim Fett.

Brüterei Weser-Ems als Wiege im System

Die Lieferkette in der Lebensmittelindustrie ist lang und unberechenbar. Sie kann zum Beispiel so verlaufen: Ein Biodieselhersteller aus dem Emsland liefert Fett an einen niederländischen Händler. Der verkauft es weiter an einen Fettverarbeiter in Schleswig-Holstein. Der mischt das Fett mit Getreide zu Nahrung für Masttiere. Dieses Futter wird dann an Hunderte Höfe in ganz Deutschland ausgeliefert, an Hunderttausende Tiere verfüttert. So nahm der aktuelle Skandal seinen Lauf.

"Sicherheit gibt es nur, wenn Sie genau wissen, was in den Betrieb reinkommt und was rausgeht", sagt Wesjohann. "Alles aus einer Hand" nennt er das. "Von der Wiege bis zur Bahre", spotten Branchenkenner. Dennoch loben selbst Gegner der Massentierhaltung das Wesjohann'sche System.

"Natürlich ist das die totale industrielle Fleischverarbeitung", sagt Agrarexperte Martin Hofstetter von Greenpeace. "Regionalisierung, kleinere Höfe, die Futter selbst anbauen, das wäre viel wünschenswerter." Mit diesem Ideal vom kleinen Bauernhof, der sich wie in alten Zeiten selbst versorgt, könnten Lebensmittelskandale verhindert werden. Flächendeckend, das sagt selbst Hofstetter, sei dies unrealistisch, die Geflügelindustrie lebt nun mal vor allem von Mast und Masse. "Und da geht Wiesenhof sehr clever vor", sagt er. "Sie nutzen die zweite Möglichkeit, sich vor Lebensmittelskandalen wie dem aktuellen zu schützen: vertikale Integration."

Die "Wiege" im Wesjohannschen System ist ein kalter, leerer Ort. Die Brüterei Weser-Ems. Die Gänge sind breit und hell erleuchtet, auf dem Boden liegt PVC, rechts und links reiht sich Tür an Tür. In den dunklen Kammern dahinter piepst es aufgeregt, in Kisten, die sich bis zur Decke stapeln, schlüpfen Küken im Sekundentakt. Eine Handvoll gelber Flausch, unter der dünnen Haut bebt ein winziges Herz. In drei Tagen werden die Hühner das Doppelte wiegen, in einer Woche das Fünffache, nach 30 Tagen sind sie reif zum Schlachten. Hähnchen sind die effizientesten Masttiere der Industrie: 1,6 Kilo Futter wandeln sie in ein Kilo Fleisch um - fettarm und preiswert, wie der Verbraucher es liebt.

Die Optimierung des "Ausgangsmaterials" beginnt schon beim Ei. Nach dem Legen auf eigenen "Elterntierfarmen" werden sie gereinigt, bis sie nahezu keimfrei sind, dann kommen sie in den künstlichen Brüter. Die eingeleitete Luft im Gebäude ist beinahe steril, jeder Mitarbeiter muss vor Betreten duschen und sich desinfizieren. Weil das kurze Leben des Hähnchens kaum reicht, um das Immunsystem auf die Umwelt einzustellen, stellt Wiesenhof die Umwelt auf das Immunsystem ein. So kann das Unternehmen auf Antibiotika verzichten.

Wenige Tagen nach dem Schlüpfen werden die Küken zu den Mästern gebracht. Bei rund 800 Vertragslandwirten werden aus Küken in Rekordzeit Schlachthühner. Auch die Mästereien sind Hightechanlagen: Regulatoren sorgen für die richtige Beleuchtung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Computer erfassen, wie viel die Tiere essen.

Laufende Kontrollen

Die Mäster müssen sich an strenge Auflagen halten: Wiesenhof gibt vor, wie viel die Hähnchen innerhalb welcher Zeit wiegen sollen, wie viel und was sie fressen. Das Futter liefert Wiesenhof den Bauern ins Haus. Es stammt aus der eigenen Fabrik. Wesjohann zeigt die Anlagen gern vor, lässt einen Mitarbeiter die Arbeitsprozesses erklären, wie Getreide mit Fetten vermischt, mit Mineralien und Vitaminen angereichert wird.

Hochleistungskost, exakt dosierte Aminosäuren, Vitamine und Geschmacksstoffe. Bis zur optimalen "Schlachtkörperqualität" steht ein breit gefächertes Programm zur Verfügung: "Starter Standard" für die Küken, "Finisher Standard" für die letzten Tage vor der Schlachtung.

Ist das Zielgewicht erreicht, holt Wiesenhof die Tiere ab und bringt sie zum eigenem Schlachthof. Auf seine Schlachtmethoden ist Wesjohann stolz. Auf Förderbändern gleiten die Hühner in einen Tunnel, in den Kohlendioxid eingeleitet wird, dann werden die bewusstlosen Tiere getötet. "Früher auf dem Bauernhof wurde denen die Gurgel umgedreht", sagt Wesjohann. "So sanft wie heute ging es nie zu."

Wiesenhof schaut genau darauf, wie die Partnerunternehmen arbeiten. "Wenn jemand sich nicht an deren Standards hält, können die Wesjohanns unangenehm werden", sagt ein Kenner des Systems. Ohne Zögern oder Verhandeln würden dann Verträge gekündigt. Ein Stab von Wiesenhof-Angestellten kontrolliert die Höfe laufend. Und die Fettlieferanten müssen jede Fuhre zunächst in einen Silo pumpen, um Proben ziehen zu lassen. Erst wenn die in Ordnung sind, darf der Lieferant das Fett ins Futtermittelwerk bringen.

Die Vorsicht kommt nicht von ungefähr. Schon vor einem Jahrzehnt hat ein Dioxinskandal Deutschland erfasst, ähnlich wie heute. Eine belgische Firma belieferte Futtermittelbetriebe mit verunreinigtem Fett. Das verseuchte Futter wurde an Tausende Tiermäster verkauft. Träfe ein solcher Fall ein Großunternehmen wie Wiesenhof, das als Marktführer im Blick der Öffentlichkeit steht, wäre es eine Katastrophe. Millionen würde es Wesjohann kosten. Der Imageschaden könnte sein Ruin sein.

Das System ist also Selbstschutz. "Wir sind keine Samariter, wir wollen Geld verdienen, wir erhoffen uns über solche Maßnahmen Erträge", sagt Wesjohann. Allein die Fettprüfung koste Wiesenhof jährlich einen siebenstelligen Betrag. "Manche Investments rechnen sich erst Jahre später, weil das Vertrauen in die Marke wächst", sagt Wesjohann.

Videos von der Misshandlung kranker Tiere

Eine aktuelle Studie vom PR-Berater Ketchum Pleon zeigt, wie der Dioxinskandal die Bürger beim Kauf von Lebensmitteln zumindest kurzfristig beeinflusst: 44 Prozent der Befragten geben an, ihr Kaufverhalten habe sich aufgrund des Skandals geändert. Unter den Frauen sind es mehr als die Hälfte, die beim Einkauf jetzt genauer hinschauen.

Andere Fleischhersteller beginnen, das System Wesjohanns nachzuahmen. "In der Schweinemast versuchen viele Betriebe gleichfalls, alles aus einer Hand zu machen", sagt Greenpeace-Mann Hofstetter. Sie hätten aus den Lebensmittelskandalen gelernt. Aber noch keines dieser Unternehmen hat ein so vollständig integriertes System geschaffen. Auch Wiesenhof brauchte dafür fast 20 Jahre.

Wie schnell die Schutzbarrieren allerdings zu durchbrechen sind, hat Wiesenhof vergangenes Jahr erlebt. Die Tierschutzorganisation Peta veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen Mitarbeiter eines externen Impfdienstleisters auf einer Wiesenhof-Farm kranken Tieren das Genick brachen und sie misshandelten. Die PHW-Gruppe räumte die Verstöße ein und kündigte Verträge.

Hundertprozentige Sicherheit kann auch Wesjohann nicht versprechen. Er versuche, die Risiken zu minimieren. Anderen Betrieben bleibt nur Hoffen und Vertrauen. "Natürlich würden sich andere auch gern besser gegen kriminelle Energien von außen schützen", sagt Agrarexperte Werner Klohn von der Uni Vechta. "Aber eine eigene Futtermühle kann sich kein normaler Hof leisten." Kleinere Agrarbetriebe bleiben auf die Lieferkette angewiesen. "Deshalb müssen die staatlichen Kontrollen funktionieren."

Privat reichen Wesjohann die vorhandenen Kontrollen aus. Er kauft ein wie immer. Eier hat er gestern erst gegessen, woher die kamen, weiß er nicht. "Die hat meine Frau mir vorgesetzt", sagt er, "und das wird dann auch gegessen."

FTD
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
  • Jarka Kubsova