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Kennzeichung von Lebensmitteln: Warum sich die Deutschen nicht dafür interessieren, was sie essen

Zwar wollen alle die maximale Transparenz bei den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln - doch das Kleingedruckte scheint die Deutschen herzlich wenig zu interessieren. In der Ukraine oder Russland vertrauen die Verbraucher nicht so blind auf die Industrie.

Kennzeichnung von Lebensmitteln: Wer liest das Kleingedruckte im Supermarkt?

Kennzeichnung von Lebensmitteln: Wer liest das Kleingedruckte im Supermarkt?

Lesen Sie sich beim Einkaufen das Kleingedruckte auf Verpackungen durch? Wie viel Zucker und Fett sind in dem Produkt verarbeitet? Und wie sieht es mit Geschmacksverstärkern oder künstlichen Aromen aus? Vergleichen Sie die angebotenen Lebensmittel untereinander? Oder wandern einfach die Lebensmittel, die auf dem Einkaufszettel stehen, in den Einkaufswagen? 

Tatsächlich scheinen sich die Deutschen gar nicht so stark um ihre Lebensmittel zu sorgen wie gedacht. Wie eine aktuelle Studie der Marktforscher von Nielsen zeigt, achtet nur jeder fünfte Deutsche auf das Kleingedruckte beim Einkaufen. Zusatzstoffe? Zuckerbombe? Dickmacher? Das scheint im Supermarkt nicht zu interessieren. Und: Nur jeder dritte Bundesbürger will überhaupt über die Zutaten informiert werden, schreibt die "Welt", der die Studie exklusiv vorliegt.

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Deutsche vertrauen der Lebensmittelindustrie

Das Ergebnis der Untersuchung überrascht insofern, als Politik, Industrie und Verbraucherschützer bisher davon ausgegangen sind, dass Verbraucher sehr genau wissen wollen, was in Produkten steckt. Aktuell denkt die Politik darüber nach, aus dem Mindesthaltbarkeitsdatum ein sogenanntes Verbrauchsverfallsdatum zu machen. Verbraucherschützer hingegen setzen sich schon seit Jahren für eine plakativere Kennzeichnung von ungesunden Lebensmitteln ein. So soll eine Lebensmittelampel schnell und unkompliziert durch Grün, Gelb und Rot verdeutlichen, ob das Produkt zu viel Fett oder Zucker enthält.

Doch offenbar scheint das die Verbraucher gar nicht so sehr zu interessieren. "Unsere Studie zeigt, dass das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie hoch ist - besonders in Deutschland", sagt Ingo Schier, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Nielsen in Deutschland, gegenüber der "Welt".

Die Studie wurde nicht nur in Deutschland durchgeführt: Insgesamt wurden 30.000 Verbraucher in 61 Ländern befragt. Während in Deutschland nur jeder dritte Verbraucher wissen will, was in den Lebensmitteln steckt, sind es im europäischen Durchschnitt 40 Prozent.

Osteuropäer sind kritischer als Verbraucher im Westen

Erstaunlich: Es gibt ein klares West-Ost-Gefälle. Während der Westen, beispielsweise Spanien, Belgien oder Großbritannien, sich wenig für Inhaltsstoffe interessiert und auf die Industrie vertraut, sind Osteuropäer deutlich sensibler bei der Frage der Kennzeichnung. In Russland, der Ukraine oder Rumänien lesen doppelt so viele Verbraucher das Kleingedruckte auf Packungen. Und Osteuropäer versuchen durch diese Infos Zusätze zu meiden, beispielsweise künstliche Farbstoffe, Konservierungsmittel oder zugesetzte Aromen. In der Ukraine gaben 80 Prozent der Befragten an, künstliche Zusätze für bedenklich zu halten. In Deutschland teilen diese Ansicht gerade einmal 50 Prozent.

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Dieses Label auf einer Chips-Tüte verspricht "unverfälschten Genuss" und betont, was alles nicht in der Verpackung steckt: künstliche Aromen etwa, Konservierungsstoffe und auch das Getreide-Klebereiweiß Gluten.

Dieses Label auf einer Chips-Tüte verspricht "unverfälschten Genuss" und betont, was alles nicht in der Verpackung steckt: künstliche Aromen etwa, Konservierungsstoffe und auch das Getreide-Klebereiweiß Gluten.

kg