Ludwig Bölkow Vom Luftfahrtpionier zur Öko-Stifter


Er galt als einer der Großen der Technik-Geschichte dieses Jahrhunderts. Ludwig Bölkow vereinigte viele Talente: Ingenieur, Erfinder, Unternehmer und Philosoph.

Er galt als einer der Großen der Technik-Geschichte dieses Jahrhunderts. Ludwig Bölkow vereinigte viele Talente: Ingenieur, Erfinder, Unternehmer und Philosoph. In seiner "Ideenschmiede" in Ottobrunn bei München suchte der einstige Wegbereiter der deutschen Luft- und Raumfahrt auch noch im hohen Alter neue Wege für eine Versorgung mit erneuerbaren Energien, um eine Umweltkatastrophe in diesem Jahrhundert zu verhindern. Sein Credo: "Wir müssen den nachfolgenden Generationen eine vernünftige Zukunft hinterlassen. Ich bin überzeugt, dass die Technik die Probleme lösen kann." Am 25. Juli 2003 starb der große alte Mann der deutschen Luftfahrtindustrie 91-jährig nach langer Krankheit.

Wandlung zum Technosophen

Das Multitalent Bölkow hatte sich im hohen Alter zum "Technosophen" gewandelt, der bei seiner Arbeit die Risiken und Folgen des technischen Fortschritts für die Menschheit stets im Auge behielt. In der Nachkriegszeit war er Vorreiter für den Aufbau der Luft- und Raumfahrt sowie der Wehrtechnikindustrie in Deutschland. Er gehörte zu den Gründern der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH. Unter seiner Führung stieg MBB zu einem Weltunternehmen in der Luft- und Raumfahrt auf. Nach der Übernahme durch den Daimler-Konzern ging MBB Anfang der 90er Jahre in der Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa) auf, die inzwischen Teil des europäischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns EADS ist.

Mitinitiator des Auto-Airbag

Unter Bölkows Regie entstanden der Auto-Airbag und Pläne für Schienen- und Verkehrssysteme wie die Magnetschwebebahn Transrapid. In seine Ära fielen bahnbrechende Innovationen wie der Hubschrauber Bo 105 mit gelenklosem Rotorkopf oder die deutschen Beiträge zum Tornado und zum Airbus-Programm, Satelliten und Trägerraketen. Bölkow war aber auch Initiator der von der Bundeswehr nach dem Krieg eingeführten Panzer- und Tieffliegerabwehrsysteme.

Erfolg bei Abwehrwaffen

"Wir haben wahnsinnig viel bewegt", erklärte Bölkow zu seinem 85. Geburtstag. "Wir erkannten einen Bedarf und entwickelten zur Lösung Technologien, die andere noch nicht hatten." Der Wiedereinstieg in die Wehrtechnik nach dem Zweiten Weltkrieg begründete er mit der Angst vor der Bedrohung durch die damalige Sowjetunion. "Dadurch, dass wir im Bereich der Abwehrwaffen sehr erfolgreich waren, ist uns der Einsatz dieser Waffen erst erspart geblieben."

Luftfahrt war Familientradition

Geboren am 30. Juni 1912 in Schwerin wurde sein Interesse an der Luftfahrt schon früh geweckt. Mit sieben Jahren nahm ihn sein Vater, Werkmeister der Flugzeugfirma Fokker, mit zum Flugplatz. "Ich durfte im Flugzeug herumklettern und neben meinem Vater vorn auf dem Pilotensitz Platz nehmen", erzählt Bölkow in seinen 1994 erschienen «Erinnerungen». Besonders beeindruckend waren für ihn die Begegnungen mit den großen Flugzeugbauern Heinkel, Messerschmitt und Junkers. 1938 schloss er das Flugzeugbau-Studium in Berlin ab. Während des Zweiten Weltkriegs leitete er bei der Messerschmitt AG bis 1945 die Entwicklung des ersten düsengetriebenen Jagdflugzeugs der Welt.

Wollte nie in die USA

Nach dem Krieg schlug Bölkow Angebote, in die USA zu gehen, aus. Er gründete stattdessen ein Ingenieurbüro in Stuttgart-Degerloch, das sich zunächst mit neuen Baumethoden befasste und mit der Gründung der Bundeswehr in die Luftfahrt- und Wehrtechnik einstieg. Aus der Bölkow GmbH entstand in Ottobrunn bei München in mehreren Fusionsschritten Messerschmitt-Bölkow-Blohm, der damals größte deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern. Mit 65 Jahren schied Bölkow Ende 1977 als Konzernchef aus.

"Geist von Ottobrunn"

Noch heute schwärmen Techniker und Ingenieure aus der damaligen Zeit vom legendären "Geist von Ottobrunn". Bölkow habe die Gabe gehabt, die kreativsten Köpfe zusammenzubringen und sie zu Höchstleistungen zu motivieren. Schon früh habe er europaweite Kooperationen in der Branche vorgeschlagen, sagte er. Enttäuscht hat ihn, dass der Firmenname Messerschmitt-Bölkow-Blohm offiziell verschwand: "Weltweit ist MBB noch heute bekannter als die Dasa."

Sorge um erneuerbare Energien

Auch nach der Gründung seiner Stiftung zur Erforschung erneuerbarer Energien, der Solar-Wasserstofftechnik, von Transportsystemen und des Umweltschutzes im Jahr 1983 gönnte sich Bölkow keinen Ruhestand. Große Sorgen machten ihm zuletzt die begrenzten fossilen Energiereserven der Welt, wie Erdöl, Gas und Kohle. "Wir leben auf Kosten unserer Kinder. In 50 bis 60 Jahren sind alle Rohstoffe für die Energiegewinnung aufgebraucht", sagte er in einem Interview. Dabei gebe es längst die Alternative: den Energieträger Wasserstoff mit Hilfe des Sonnenlichts zu gewinnen. Auch die Kernenergie löse die Probleme nicht, war Bölkow überzeugt. "Wer schützt uns davor, wenn die komplizierte Technik von Menschen falsch bedient wird?"


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