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Lufthansa-Hauptversammlung: Ein Konzern trägt schwarz

Die erste Aktionärsversammlung nach dem Absturz der Germanwings-Maschine war auch Trauerfeier. Es scheint, als ob die Katastrophe den Konfikt zwischen der Konzernspitze und den Piloten beenden könnte.

Von Jan Boris Wintzenburg

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzende der Lufthansa AG, trifft den richtigen Ton bei der Hauptversammlung des Luftfahrtkonzerns: "Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen."

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzende der Lufthansa AG, trifft den richtigen Ton bei der Hauptversammlung des Luftfahrtkonzerns: "Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen."

Als die klassische Musik einsetzte, wurde es schlagartig still im großen Saal des Hamburger Kongress-Zentrums. Die Aktionäre der Lufthansa, die zur Hauptversammlung ihres Konzerns angereist waren, blickten auf eine Bühne, die nicht in blau und gelb, den Unternehmensfarben, strahlte.

Trauerfeier und Aktionärstreffen

Viele waren vorgewarnt, dass dieses Aktionärstreffen anders sein würde. Schon vor dem Saal stand eine Gedenktafel mit 150 weißen Kerzen. Eine für jedes Opfer der Katastrophe in den französischen Alpen, bei dem ein Airbus der Konzerntochter Germanwings offenbar von einem psychisch kranken Copiloten mutwillig zum Absturz gebracht worden war. Aktionäre konnten sich in Kondolenzbücher eintragen.

Der Kranich trägt schwarz

Fünf Wochen nach dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 erlebten die Anteilseigner einen Konzern, der Trauer trug: Der Kranich prangte in schwarz auf grauem Grund über den Reihen der Vorstände und Aufsichtsräte. Viele trugen schwarze Anzüge und Firmenchef Carsten Spohr hatte sogar wieder eine schwarze Krawatte angelegt. Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute.

Dank gilt den Helfern

Als Spohr danach ans Rednerpult trat, leuchtete auf dem großen Bildschirm neben ihm "#indeepsorrow" – der Hashtag, unter dem die Lufthansa stets über das Unglück getwittert hatte.

Spohr sprach aus, was viele bei der nach Umsatz größten Fluggesellschaft der Welt gerade fühlen: "Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen." Bevor er sich den unvermeidlichen Zahlen und Fakten einer Hauptversammlung widmete, bedankte er sich ausführlich bei den Rettern und Helfern und versprach erneut, die Opfer nie zu vergessen und den Angehörigen dauerhaft beizustehen.

Spohr hatte Krise im Griff

Das machte offenbar auf die Aktionäre Eindruck: So schlimm die Ereignisse auch sind, Spohr und sein Team haben in ihren Augen die Germanwings-Katastrophe hoch professionell gemanagt. Viele Redner würdigten das, sprachen dem Management das Vertrauen aus – und verzichteten weitestgehend auf scharfe Angriffe. Angesichts einer erneut ausgefallenen Dividende und magerster Gewinne ist das viel.

Zumindest ein Problem der letzten Monate räumte Vorstandschef Spohr noch ab: Er bot der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit" eine Gesamtschlichtung über alle offenen Punkte im seit Monaten schwelenden Tarifstreit an. Genau das hatte Cockpit gefordert. Der Streit hatte die Lufthansa durch etliche Streiktage im letzten Geschäftsjahr einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

Geben statt Nehmen

Jetzt rücken Piloten und Konzernführung wieder enger zusammen. Das Geben, nicht das Nehmen, steht im Vordergrund. Eine Mitarbeiterin, die sich Sprechzeit erbeten hatte, brachte das auf den Punkt: Sie spendete symbolisch 500 Euro für die Opfer von Flug 4U9525.