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LUFTHANSA: Massive Einschnitte sollen drohenden Verlust abwenden

Die Lufthansa verhängte einen Ausgaben-, Einstellungs- und Investitions-Stopp, um die millionenschweren Folgen der Terroranschläge abzuwenden.

Passagiere müssen sich wegen steigender Kosten für strengere Sicherheitsvorkehrungen auf höhere Preise einstellen. Die Kapazitäten der Lang- und Kurzstreckenflotte werden verkleinert. Einige innerdeutsche und europäische Verbindungen fallen weg, mehrere Flugzeuge werden nicht mehr eingesetzt. Beim Abbau von Stellen soll es aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Der Kurs der Aktie fiel kurz nach Handelsbeginn am Donnerstag um 2,1 Prozent auf 10,13 Euro.

Neue Gewinnprognose kaum möglich

»Es wird höchster Anstrengungen bedürfen, um einen operativen Verlust in diesem Jahr zu vermeiden«, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend. Die erst im Juni nach der teuren Einigung im Tarifstreit mit den Piloten gesenkte Gewinnprognose von 700 bis 750 Millionen Euro (1,37 Mrd DM bis 1,47 Mrd DM) ist demnach nicht mahr zu halten. Eine neue Prognose ist wegen der großen Unsicherheit derzeit nicht abzugeben. Ursprünglich hatte Europas zweitgrößte Fluggesellschaft einen Gewinn von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Ausgesetzt worden ist nun auch die vorgesehene Anschaffung von 15 Maschinen des Super-Airbus A380 und von vier Boeing 747-400.

Kapazitäten werden reduziert

Die Kapazität der Langstreckenflotte soll um neun Prozent, die der Kurzstreckenflotte um bis zu 15 Prozent reduziert werden, sagte Wolfgang Mayrhuber, Konzernvorstand für die Passage Airline. Vorerst 20 nicht mehr benötigte Flugzeuge sollten geparkt werden. Wegen drastischer Buchungsrückgänge will die Lufthansa noch im September drei Verbindungen von Deutschland in die USA vorerst bis Ende März einstellen. Zusätzlich gestrichen werden sollen nun fünf Europa- Strecken.

Abbau von Überstunden

Bei der Anpassung der Stellenplanung an die schwächer gewordene Nachfrage sollten Überstunden abgebaut und Teilzeitmodelle geprüft werden. Die heutige Beschäftigtenzahl solle aufrechterhalten bleiben, sagte Mayrhuber. Im Konzern arbeiten weltweit 70.000 Menschen. Staatliche Subventionen für die angeschlagenen Airlines lehne die Lufthansa als »Gift für die Industrie« ab. Bedenkenswert seien aber Erleichterungen etwa bei Landegebühren.

Transatlantikflüge nicht mehr gefragt

Wegen der tagelangen Sperrung des nordamerikanischen Luftraums nach den Anschlägen musste die Lufthansa mehr als 100 Nordatlantik- Verbindungen mit mehr als 55.000 gebuchten Passagieren absagen. Die weltweite Konjunkturflaute hatte das Geschäft bereits vor den Anschlägen massiv belastet. Die Nachfrage nach Nordatlantikflügen könnte längerfristig als Folge der Anschläge um 15 bis 20 Prozent zurückgehen, hieß es.

BA streicht 7.000 Stellen

Währenddessen teilte auch die britische Fluggesellschaft British Airways mit, dass mindestens 5.000 Stellen gestrichen werden und das Angebot um zehn Prozent reduziert wird. Dies verkündete die BA am Donnerstag in London als Reaktion auf den zu erwartenden Rückgang im Luftverkehr.