LUFTVERKEHR Letzte Chance für Afrikas Airlines


Afrikas Luftfahrt steht vor der Wahl: Kooperieren oder untergehen, denn die zersplitterte und kapitalschwache Industrie ächzt unter dem Erbe nachkolonialer Strukturen.

Die Delegierte aus Lusaka hatte eine Odyssee hinter sich. Um von Sambia in die Hauptstadt des Senegal zu gelangen, flog sie zunächst südwärts über Johannesburg zur äußersten Spitze des Kontinents nach Kapstadt und gelangte dann über London und Paris schließlich ans Ziel. »Statt der 3.267 Meilen langen Direktstrecke ein Flug von 8976 Meilen«, kritisiert der für West- und Zentralafrika zuständige Leiter der Internationalen Zivilluftverkehrs-Organisation (ICAO), Andy Mensah. Die Delegierte hatte keine andere Möglichkeit, um ans Ziel zu gelangen. Denn Afrika ist auf der Weltkarte der Luftfahrt weiter ein weißer Fleck.

Kaum Anteil am weltweiten Lufttransport

Auf einer Konferenz in Johannesburgs Nachbarort Sandton (Südafrika) listeten die Redner Anfang der Woche schonungslos die Schwachstellen des Kontinents auf. »Afrikas Anteil am weltweiten Lufttransport beträgt gerade mal zwei Prozent«, rechnete Nigerias Luftverkehrsministerin Kema Chikwe vor. Wahrlich ein Leichtgewicht: Nordamerika stellt ganze 40 Prozent dar. Eine zersplitterte und kapitalschwache Luftfahrtindustrie mit relativ dünn entwickelten Märkten ächzt in Afrika unter dem Erbe nachkolonialer Strukturen. Viele Staatslenker sehen nationale Fluggesellschaften zudem als eine Art prestigeträchtigen Selbstbedienungsladen an.

Gravierende Sicherheitsmängel

Veraltete Luftflotten sind jenseits der normalen Einsatzdauer in einem Luftraum unterwegs, in dem einheitliche Kontrolle noch immer Fremdwort ist. Lediglich im Südlichen Afrika gibt es bisher in Form einer Machbarkeits-Studie überhaupt einen Ansatz dazu. Die Globalisierung hat Afrika einfach links liegen gelassen. Keine afrikanische Fluggesellschaft ist in eine der globalen Allianzen eingebunden. Mangelnde Sicherheitsstandards, notorische Unpünktlichkeit und ein unzuverlässiges Investitionsklima schrecken Passagiere wie potenzielle Investoren gleichermaßen ab. Auf dem Kontinent stechen nur wenige Glanzlichter wie Kenyan Airways, Ethiopian Airways oder Südafrikas SAA hervor.

Weitgehende Liberalisierung vorgesehen

Doch das soll nun anders werden. Denn die Aufzählung des afrikanischen Sündenregisters auf der 8. Konferenz für Luftfahrt und verwandte Unternehmen sollte nicht dem Blick im Zorn zurück, sondern nach vorne dienen. Im Rahmen der gerade dem G8-Gipfel in Kanada vorgeschlagenen partnerschaftlichen Aufbauhilfe für Afrika (Nepad) suchen die Teilnehmer nach einer »Erfolgsstrategie für Afrikas Luftfahrtindustrie«. Dazu sollen unter anderem die am 12. Juli 2000 in Kraft getretenen Beschlüsse von Yamoussokro beitragen, die eine weitgehende Liberalisierung der afrikanischen Luftfahrt vorsehen. Die zweijährige Übergangsphase läuft am 12. August aus. Allerdings sind nach Auskunft von Luftfahrtexperten viele afrikanische Statten mit der Umsetzung in Verzug.

Mehr regionale Drehkreuze

Eine verstärkte Kooperation über die Grenzen hinweg, die Aufgabe argwöhnisch behaupteter souveräner Rechte, eine Optimierung der knappen Ressourcen sowie Einbindung in interkontinentale Allianzen sollen zusammen mit der Schaffung regionaler Drehkreuze die Wende bringen. Bleibt die Frage, wo das Geld herkommt. Käpt?n Andy Lowe vom Frachtflugunternehmen DHL wusste eine einfache Lösung: »Die schlichte Antwort ist: von nirgendwo her, wenn es nicht selbst verdient ist.«


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