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Machtkampf der Autobauer: VW-Patriarch Piëch bei Porsche vor dem Ziel

Der Machtkampf zwischen VW und Porsche scheint entschieden: Nach FTD-Informationen hat sich Ferdinand Piëch mit seinem Plan eines integrierten Autokonzerns unter Volkswagen-Führung durchgesetzt. Der große Verlierer ist Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: Er steht vor dem Absprung.

Von K. Spiller, S. Clausen, M. Scheele und H. Fischer

Der Übernahmestreit zwischen VW und Porsche steht vor der Entscheidung. Nach FTD-Informationen haben sich die Porsche-Eigner grundsätzlich auf ein Modell für einen integrierten Konzern geeinigt. Danach soll Volkswagen rund 49 Prozent des Sportwagenbauers erhalten. Ein formaler Beschluss fehlt aber noch. Das Konzept entspricht den Plänen des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, der zugleich Miteigentümer von Porsche ist.

Porsches Vorstandschef Wendelin Wiedeking ist somit gescheitert mit dem Versuch, die Macht bei VW zu übernehmen. FTD-Informationen zufolge bereitet sich der Manager bereits auf einen Rückzug vor. Dazu hat er den renommierten Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von der Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz als Berater angeheuert. Bislang gibt es jedoch keine Gespräche zwischen Porsche und Wiedeking über ein Ausscheiden. Ein Porsche-Sprecher dementierte die Verpflichtung Bauers. Zur Verständigung der Eignerfamilien sagte er: "Uns ist nicht bekannt, dass es eine grundsätzliche Einigung gibt."

Der Rückzug Wiedekings käme einem Zeitenwechsel für Porsche gleich. Der 56-Jährige hatte das Unternehmen Anfang der 90er-Jahre vor dem Zusammenbruch gerettet und zum profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Mit der angestrebten VW-Übernahme verhob sich der Manager jedoch: Zwar halten die Stuttgarter rund 51 Prozent der Aktien - allerdings zahlten sie dafür mit einer Verschuldung von rund zehn Milliarden Euro. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" ist der Abschied Wiedekings bereits fix. "Das ist falsch, und das ist Mobbing", sagte der Porsche-Sprecher dazu.

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen sich zudem darauf verständigt haben, den neuen Gemeinschaftskonzern für einen externen Investor zu öffnen. Das Emirat Katar plant, den Schwaben Optionen auf 20 Prozent an VW abzunehmen. Die Araber wären neben den Familien sowie dem Land Niedersachsen der dritte Machtfaktor im integrierten VW-Porsche-Konzern. Die für die Optionen hinterlegten VW-Aktien seien fünf Milliarden Euro wert. Das Geld fließe aber nicht Porsche zu, sondern Banken. Die Schwaben könnten sich nur der Gebühren für die Optionen entledigen, die monatlich einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag ausmachten. Darüber hinaus werde erwogen, Katar ein zusätzliches Investment zu ermöglichen.

Die Aufsichtsräte der Firmen müssen den Plänen zustimmen. Sie haben für den 23. Juli in Stuttgart außerordentliche Sitzungen zu dem Thema geplant. Wie die FTD erfuhr, sollen die Familien innerhalb des neuen Konzerns weitere Sitze im Aufsichtsrat von VW und seinen Tochtermarken erhalten. Der Kaufpreis für den Anteil an Porsche sei offen, da bislang keine Buchprüfung möglich gewesen sei. Sie solle schnellstmöglich erfolgen. Ursprünglich hatte VW rund vier Milliarden Euro geboten.

Die Wolfsburger hätten auch Interesse, den Autogroßimporteur Porsche Holding Salzburg zu übernehmen, hieß es - auch dieses lukrative Unternehmen gehört den Familien Porsche und Piëch. Mit der Salzburg-Holding könnte VW sein Osteuropageschäft deutlich ausbauen.

FTD