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Mainzer Zugausfälle: Bahn fehlt bundesweit Stellwerk-Personal

Die Bahntochter DB-Netz räumt ein, dass das Unternehmen bundesweit Schwierigkeiten hat, die Stellwerke zu besetzen. Am Bahnhof in Mainz spitzt sich die Situation zu. Tausende Pendler sind betroffen.

Die Bahntochter DB Netz hat bundesweite Probleme bei Stellwerken eingeräumt. Nicht nur der Mainzer Hauptbahnhof sei betroffen, sagte der Vorstandschef der DB Netz AG, Frank Sennhenn, am Montag im ARD-Morgenmagazin. "Wir haben bundesweit eine angespannte Situation, das ist richtig. Wir sind dabei, alle Stellwerke, bei denen wir ähnlich kritische Situationen haben, nach Kräften abzusichern."

Für die Zugausfälle und Umleitungen am Mainzer Hauptbahnhof stellte er für diesen Dienstag (13.8.) eine mögliche Lösung in Aussicht: "Ich denke, wir sind dazu morgen sprachfähig." Der Manager machte aber deutlich, dass keine Fahrdienstleiter verpflichtend aus dem Urlaub geholt würden.

Zugausfälle jetzt auch tagsüber

Die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof sind mit Beginn der Woche noch einmal größer geworden. Bisher gab es abends und nachts Zugausfälle und Umleitungen, vor allem bei Fernzügen. Die Einschränkungen gelten nun ganztätig und treffen Tausende Pendler im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Für Regionalzüge bietet die Bahn nach eigenen Angaben nur einen Stunden- statt Halbstundentakt an. Nur noch wenige Fernzüge halten im Hauptbahnhof, viele werden umgeleitet. Der Grund: Fast die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter im Mainzer Stellwerk sind krank oder in Urlaub.

Der Vorstand muss gehen

Nach dem Chaos der vergangenen Tage am Mainzer Hauptbahnhof zieht die Deutsche Bahn Konsequenzen: Der Produktionsvorstand der Bahntochter DB Netz, Hansjörg Hess, muss gehen. Außerdem will die Bahn Mitarbeiter bitten, freiwillig ihren Urlaub zu unterbrechen, um die Lage in Mainz zu entspannen. Es bestehe aber kein Zwang, sagte ein Unternehmenssprecher in Berlin. Denkbar sei auch, Fahrdienstleiter aus anderen Bereichen zu schulen, damit sie in personell ausgedünnten Stellwerken aushelfen könnten.

Urlaubsabbruch auf Kostenerstattung der Bahn

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Patrick Döring hatte gefordert, dass die Bahn umgehend Fahrdienstleiter zurückholt. "Die urlaubenden Mitarbeiter sollten sofort auf Kostenerstattung der Bahn ihren Urlaub abbrechen und Dienst tun", sagte der FDP-Generalsekretär der "Bild am Sonntag". Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG wies die Forderung zurück. "Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen ihren Erholungsurlaub dringend", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. "Das kann nur auf freiwilliger Basis geschehen." Kirchner forderte die Einstellung von mehr Personal.

Aus dem Bundesverkehrsministerium hieß es am Sonntag: "Diese Situation ist nicht hinnehmbar." Das Problem müsse zügig behoben werden, und es müsse sichergestellt werden, dass sich dies nicht woanders wiederhole. Staatssekretär und Bahn-Aufsichtsratsmitglied Michael Odenwald hatte die Bahn bereits zur Prüfung aufgefordert, ob nicht urlaubende Mitarbeiter zurückgeholt werden können.

kmi/DPA / DPA