HOME

Dienstwagen, Gehalt, Fitnesskurse: Wie Konzerne um Nachwuchs buhlen - und dabei viel falsch machen

Konzerne und Mittelständler locken Jung-Manager mit allerlei Extras. Längst ist ein Kampf um die besten Köpfe entbrannt. Der Nachwuchs freut sich - und ist doch schnell enttäuscht. Statt Dienstwagen wünschen sie sich etwas ganz anderes.

Manager-Nachwuchs: Konzerne locken mit Dienstwagen und üppigem Gehalt

Manager-Nachwuchs: Konzerne locken mit Dienstwagen und üppigem Gehalt.

Getty Images

Bei Aldi arbeiten? Oder bei Lidl? Schnell denkt man an miese Bezahlung und Überwachungsskandale. Die Discounter können doch kein attraktiver Arbeitgeber für Uni-Absolventen sein - oder?

Wie die "Welt" berichtet, scheint sich der Karrierestart bei den Billigheimern durchaus zu lohnen. Schon im ersten Traineejahr gibt es einen Dienstwagen und ein sattes Jahresgehalt von rund 65.000 Euro. Die üppige Bezahlung und die Zusatzleistungen haben einen guten Grund: Die Discounter sind bei den Absolventen nicht unbedingt erste Wahl. Obwohl Aldi, Lidl und Co. international aktiv sind, stehen sie als Arbeitgeber nicht oben auf der Wunschliste der angehenden Jung-Manager. Doch auch die beliebten Arbeitgeber wie Siemens, Volkswagen oder Audi müssen sich inzwischen strecken, um die besten Köpfe in ihr Unternehmen zu holen. Ein mittelprächtiges Einstiegsgehalt ohne weitere Anreize? Das können sich Unternehmen schon lange nicht mehr leisten.

Demografischer Wandel reißt personelle Lücken

Denn der demografische Wandel reißt tiefe Löcher in die Personalstruktur. Wie die Beratungsfirma McKinsey errechnet hat, fehlen im Jahr 2020 rund zwei Millionen Fachkräfte. Zehn Jahre später werden es 5,2 Millionen sein. Schon heute übersteigt die Zahl der Akademiker, die in den Ruhestand geht, die der Uni-Absolventen. Für die Unternehmen ist klar: Ohne Zusatzangebote und überdurchschnittliches Gehalt werden sie kaum die personellen Lücken schließen können.

"Wir haben einen ganzen Strauß von Maßnahmen", sagte der Audi-Personalvorstand Thomas Sigi schon vor einigen Jahren dem "Manager-Magazin". Die Konkurrenz allerdings auch. Schon früh wollen die Firmen den Nachwuchs ans Unternehmen binden: So bietet ThyssenKrupp beispielsweise ein ausgeklügeltes Praktika-Programm. Aber auch andere Konzerne offerieren Angebote für die Master-Thesis, spezielle Talentprogramme oder Studienförderung. Die Firmen lassen sich den Nachwuchs einiges kosten. 

Anreizsystem soll Nachwuchs-Manager locken

Dienstwagen (ein Audi A4 ist keine Seltenheit), hohe Grundgehälter, unbefristete Anstellung, Fitnessprogramme, Kantinengutscheine: Die Liste der Anreize ist lang. Und verfehlt doch die Wirkung. "Junge Nachwuchs-Manager werden systematisch demotiviert", berichtet auf der Jobbewertungsplattform Kununu ein Siemens-Manager aus dem Controlling. "Junge Nachwuchsführungskräfte werden systematisch durch Herunterstufung, Perspektivlosigkeit und Mobbing zerstört", heißt es dort weiter. Dabei wird der Mitarbeiter nicht unfair, seine Aufgaben im Unternehmen beschreibt er als "fordernd und spannend". Doch für eine Karriere gebe es keine Perspektive, das drücke auch auf die Arbeitsatmosphäre.

Kritikpunkte der Jung-Manager

Mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten sind aber nicht der einzige Kritikpunkt junger Manager. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK wünschen sich mehr als 90 Prozent der Befragten mit Kindern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Job. Sie fordern flexiblere Arbeitszeitmodelle - und unterscheiden sich damit deutlich von der Mitarbeiter-Vorgängergeneration. Leistung erbringen - klar, aber die Firma muss auch etwas bieten.

Und zwar deutlich mehr als nur einen dicken Gehaltsscheck. "Diese Generation ist extrem gut ausgebildet, sehr jung, sehr international und sehr leistungsbereit. Sie möchte aber nicht mehr Leistung um der Leistung Willen erbringe", sagt Carsten Baumgärtner, Chefrecruiter bei der Boston Consulting Group, der "Gründerszene". "Die Absolventen gehören einer anderen Generation an. In den neunziger Jahren, als ich eingestiegen bin, zählten harte Faktoren wie Dienstwagen, Gehalt und schnelle Karriere viel mehr als heutzutage."

So berichtet das "Manager-Magazin" von einem jungen Wirtschaftsingenieur, der nach drei Jahren als Großkundenbetreuer bei Siemens den Job an den Nagel hängt - und den Dienstwagen gegen ein Fahrrad eintauscht. "Wer eine feste Planung für 30 Jahre sucht, ist hier richtig, aber dafür muss man der Typ sein", sagt er. Für ihn war das nichts, er hat gekündigt und ein Start-up gegründet.