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Frauen und Karriere: Warum Business-Netzwerke für Frauen ein bisschen wie Kaffeekränzchen sind

Wenn Frauen sich zum Business-Netzwerk zusammenschließen, erinnern die Treffen zunächst etwas an Kaffeeklatsch. Doch das ist nur der Einstieg, erklärt unsere Gastautorin. Wer dem Netzwerk etwas Zeit gibt, profitiert. Und zwar langfristig.

Von Martina Lackner

Frauen und Karriere: Netzwerk oder Kaffeekränzchen

Sind Netzwerke für Frauen hilfreich - oder nur ein Kaffeekränzchen?

Kennen Sie diese Situation? Am Abend hat ein Frauennetzwerk zum Business-Talk geladen. Und Sie denken sich: "Hey, eigentlich ein super Termin, um sich beruflich besser zu vernetzen." Doch irgendwie geht alles schief: Gelangweilte Ladies im schicken Büro-Outfit stöckeln zu ihren Sitzen. Der Vortrag ist nett, aber einschläfernd. Auf dem Nebenplatz sitzt - laut Namensschild - die Mitbewerberin am Markt. Na toll!

Martina Lackner : Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m.

Martina Lackner ist Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m. Gemeinsam mit Top-Managerinnen hat sie das Buch "21 Erfolgsfrauen - 21 Karriereformeln" geschrieben. Die Führungsfrauen geben sehr individuelle Einblicke, wie sie es an die Spitze geschafft haben - inklusive Stolpersteinen und verborgenen Machtzentralen der Wirtschaft

In den Pausen nach der Veranstaltung finden sich die Teilnehmerinnen zu Grüppchen zusammen. Es regiert der Small Talk: über das schlechte Essen vom Caterer, den verregneten Urlaub auf Mallorca und natürlich über den neuesten Klatsch in der Szene: Wer hat welche Position, wie ist sie dahingekommen und wer hat sie protegiert? Solche Unterhaltungen laufen nach dem Motto ab: "Hast du schon gehört? Habe ich dir erzählt? Hast du davon gelesen?"
Und Sie? Sie fühlen sich als Außenseiterin. Und sind enttäuscht. Schließlich sollten sich hier Business-Frauen treffen. Doch was Sie vorfinden sieht mehr nach einem Kaffeeklatsch im Business-Fummel aus. Solche Netzwerke sollen Frauen also helfen?

 

Frauen und Netzwerke: Was ist passiert?

Business-Netzwerke für und von Frauen haben zunächst mal Kaffeeklatschcharakter, weil Dialoge von Frauen, die sich gut kennen, auf einer Beziehungsebene ablaufen. Frauen geht es darum, gemocht zu werden. Auch in beruflichem Kontext wollen sie ein Nest finden, in dem Sie sich wohlfühlen. Es geht hier nicht darum, "big business" zu machen. Also wird in diesen Small Talks abgeklopft, wer unter den Frauen Freund ist und wer Feind. Wer kann mein Bedürfnis nach Anerkennung und Zuwendung stillen, wer nicht? In den weiteren Beziehungsprozessen werden dann entweder Koalitionen geschmiedet, die von beruflichem Vorteil sind. Oder auch das Gegenteil tritt ein: Frauen werden ausgegrenzt, die ihr eigenes Ego zu sehr in den Vordergrund stellen.

Der Unterschied zu Männern: Sie agieren viel mehr auf der fachlichen Ebene. Für Männert steht die Sache, nicht die Person dahinter, im Mittelpunkt. Sie identifizieren sich nicht emotional, sondern in erster Linie über ihre Fähigkeiten. Sie vertun weniger Zeit mit Beziehungserklärung – ihre Anerkennung bekommen sie über den großen Deal. Sie machen das Big Business. Frauen suchen Anerkennung über Zuwendung. Sie verschlafen den großen Deal.

Lösungsmöglichkeiten:

Finden Sie heraus,

- ob die Frauen Ihres Netzwerkes auf der Beziehungsebene bleiben, und sie nur durch Kleidung, Auftreten und Funktion im Business-Habitus sind, ohne wirklich ein gemeinsames Anliegen zu verfolgen: erfolgreich zu werden. Dann lassen Sie sich bitte von dem äußeren Schein nicht täuschen.

- oder ob, aus den Beziehungsspielen gemeinsame Projekte, und Unterstützerinnen werden. Viele sehr erfolgreiche Frauen agieren zunächst auf der Beziehungsebene, kommen aber dann schnell zum großen Deal. Lernen Sie zu differenzieren, welche Netzwerke sich lohnen und welche Zeitverschwendung sind.

Klären Sie für sich: Wollen Sie ein Netzwerk, in dem Sie sich gut aufgehoben fühlen? Oder wollen Sie ein Netzwerk, bei dem das Big-Business wichtig ist? Beide Varianten sind in Ordnung, wenn Sie für sich Ihre Bedürfnisse geklärt haben.

Nicht in Ordnung wäre, wenn Sie ein Business-Netzwerk suchen und sich in einem Kaffeekränzchen wiederfinden. Auf der anderen Seite wäre es auch wenig hilfreich, wenn Sie langfristige Mitstreiter für Projekte suchen oder Förderinnen und Sie keine Chance bekommen, die Frauen kennenzulernen. Sondern nur ihre Projekte. 

Auf Jobsuche: Die 13 schlimmsten Fehler beim Bewerbungsgespräch
Pünktlich sein

Mit der Pünktlichkeit ist das ja so eine Sache: Wer zu spät kommt, gilt als gnadenlos unzuverlässig. Und offensichtlich wenig interessiert an einem neuen Job. Zu früh zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen, macht es aber auch nicht besser. Personaler sehen es gar nicht gerne, wenn der Bewerber 20 Minuten zu früh antanzt. Daher: Statt überpünktlich zum Gespräch zu kommen, lieber noch einmal um den Block gehen. 

Mitarbeit: Kathrina Grimm

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